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29. Dezember 2014

«Die Blockflöte ist ein Seelenspiegel»

Maurice Steger ist ein Star der leiseren Töne: Der preisgekrönte Zürcher Flötist ist stolz darauf, mit seinem «verkannten Instrument» auf den grossen Bühnen dieser Welt zu spielen. Aktuell ist der Virtuose mit der Barockmusik von Vivaldi unterwegs.

Meine Lounge
«Das ist die moderne Ecke in meiner Wohnung. Eigentlich war hier mal ein Balkon. Dank Filzsofa, Vorhängen und Flauschteppich verfügt man über eine spezielle Akustik.»
Maurice Steger
Maurice Steger (43)

NAME

Maurice Steger (43)

STERNZEICHEN

Stier

WOHNORT

Zürich

Wieso leben Sie in Zürich? Zürich ist eine fantastische Stadt, die viel Lebensqualität bietet, viel Ruhe und Natur, aber auch Kultur und Inspiration.

Wo würden Sie gern leben? Im Süden. Am liebsten in Italien.

Beruf und Lebenslauf: Ich bin im Bündnerland aufgewachsen und später nach Zürich gezogen, um an der Musikhochschule zu studieren. Bevor ich mich mit zehn Jahren bewusst für die Blockflöte entschieden hatte, spielte ich auch Querflöte und Klavier. Ich empfand die Flöte als grosse Herausforderung. Gerade, weil viele mit diesem Instrument in die Musik einsteigen und es oft schlecht klingt. Ich setzte mir das Ziel, maximal schöne und beseelte Klänge aus diesem Ding herauszuholen. Meine Karriere kam in Fahrt, nachdem mich das Migros­Kulturprozent 1991 als Studienpreisträger gefördert hatte. Dafür bin ich sehr dankbar. Seither habe ich viele andere wichtige Auszeichnungen erhalten, wie etwa den Karajan-Preis, und ich spiele mit meiner Flöte auf den grossen Bühnen dieser Welt.

Mein Instrument: Die Flöte ist mehr als ein Klangkörper. Sie ist ein Seelenspiegel. Je nach Stimmungslage klingt sie anders.

Mein Frust: Wenn ich voller Inbrunst an eine Sache gegangen bin und im Rückblick feststellen muss, dass das Resultat nicht so ist, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich bin oft unzufrieden mit meiner Leistung.

Mein Ziel: Gut zu leben, andere zu erfreuen und mit meiner Musik Menschen zu berühren.

Mein Lebensmotto: Lebe das Leben mit voller Leidenschaft. Ich finde es grässlich, wie viele Leute ihr Leben verschlafen.

Was ich mag: Kochen und gut essen. Überhaupt: geniessen.

Was ich nicht mag: Gestresste Menschen, die fremdgesteuert sind.

Was ich an mir nicht mag: Ich könnte wahrscheinlich erfolgreicher sein, wenn ich es manchmal nicht so gemütlich nehmen würde. So vertage ich zuweilen wichtige Anrufe. Andererseits gibt es so viele vom Gift des Ehrgeizes zerfressene Musiker.Schrecklich. So einer will ich nicht sein.

Meine beste Eigenschaft: Ich bin begeisterungsfähig.

Meine Lieblingsmusik: Ich höre die ganze Bandbreite, von Pop über Volksmusik bis zur Klassik, wobei sich Letztere meist als Arbeit anfühlt. Darum schätze ich manchmal auch die Stille sehr.

Mein Prunkstück
Mein Prunkstück.

Mein Prunkstück: «Das Cembalo gehört zum Barock wie der Computer zum Techno. Darum studiere ich viele Stücke auf diesem Instrument ein. Es hat nicht nur eine wunderschöne Klangfarbe, sondern ist auch eine Augenweide.»

Mein aktuelles Programm: Derzeit toure ich mit Vivaldi. Das ist venezianische Barockmusik vom Feinsten, übrigens auch als CD erhältlich.

Meine Flöten
Meine Flöten.

Meine Flöten: «Ich besitze rund 70 Flöten. Die meisten sind handgefertigt und speziell für mich hergestellt. Jede hat ihren ganz eigenen Klang.»

Mein Lieblingsrestaurant: «Zum ‹Moudi’s Lecker Café› sind es von meiner Wohnung bloss ein paar Schritte. Hier treffe ich mich gern mit Freunden zum Plaudern. Etwa mit Niko, einem gebürtigen Griechen, mit dem ich die Liebe für den mediterranen Lebensstil teile.»

Mein Lieblingsprodukt
Mein Lieblingsprodukt.

Mein Lieblingsprodukt: «Den Coupe Chantilly Caramel verbinde ich mit meiner Kindheit. An diesem Migros-Dessert gefällt mir besonders der Rahm, der oben aufliegt.»

Meine Musik: «Wenn ich mit der Flöte auf der Bühne stehe, begleitet mich in der Regel ein ganzes Orchester. Es erfüllt mich mit Stolz, dass ich als Botschafter dieses verkannten Instruments auftreten darf.»

Meine Lounge: «Das ist die moderne Ecke in meiner Wohnung. Eigentlich war hier mal ein Balkon. Dank Filzsofa, Vorhängen und Flauschteppich verfügt diese Lounge über eine ganz spezielle Akustik.»

Mein Kachelofen: «Der Ofen ist eines der vielen Jugendstilelemente in meiner Wohnung. Das Motiv wird übrigens auch an der Decke über dem Ofen aufgenommen, wo zwei Engel in der Stuckatur versuchen, ein Feuer zu entfachen.»

Mein Kachelofen
Mein Kachelofen.

Autor: Andrea Freiermuth

Fotograf: Paolo Dutto