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14. Januar 2013

Markendruck in der Schule

iPhone, Abercrombie, Gucci & Co.: Teure Markenprodukte sind Teil des Wettbewerbs unter Jugendlichen. Damit das Selbstwertgefühl keinen Schaden nimmt, sind auch die Eltern gefordert.

Markensammlung
Markensammlung einmal anders: 
Ein auf Luxusartikel fixiertes Umfeld kann 
ganz schön 
einschüchtern. (Illustration: Nicolas Bischof)

KLEIDER SIND DAS HAUPTPROBLEM
Die Pros und Kontras zur Schuluniform: Am häufigsten entwickelt sich Gruppendruck in Schulklassen noch immer wegen der Bekleidung. Vor einigen Jahren kam deshalb die Schuluniform aufs Tapet, durchgesetzt hat sie sich aber selten. Speziell in der Schweiz war das Thema schnell erledigt – warum eigentlich? Die Argumente und die Diskussion.


Larissa (11) möchte unbedingt ein iPhone, viele in der Schule haben ja auch schon eins. Ausserdem ist da dieser coole grüne Kapuzenpulli von Abercrombie & Fitch. Seit sie ihn im Laden gesehen hat, liegt Larissa ihrer Mutter damit dauernd in den Ohren. Ihre Eltern wissen nicht recht: Sollen sie ihrer Tochter einfach alles kaufen? Und wenn nein, wird sie in der Schule dann zur Aussenseiterin?

Je nach Ort und Schulhaus kann der Druck, Markenartikel zu besitzen, sehr gross sein. Dieser variiert aber stark: In ländlichen Gegenden sind Markenprodukte weniger wichtig als in Städten, manchmal herrscht aber auch in einer einzelnen Klasse eines Schulhauses ein Markenboom, während er in den anderen Klassen kein Thema ist.

«Am besten ist es, wenn die Eltern die ‹Gspänli› des Kindes kennenlernen», sagt Psychologin Anna Flury (53), die 15 Jahre lang beim Elternnotruf Zürich gearbeitet hat. «So merken sie, inwiefern die Mitschülerinnen und Mitschüler mit Smartphone und Markenkleidern ausgerüstet sind.»

Wer nicht mithalten kann, fühlt sich ausgegrenzt

Die materiellen Dinge sind heutzutage immer ein Thema, egal, wie hoch der Markendruck ist. «Vor allem für schwächere und schlecht integrierte Schüler kann es ein Problem sein, wenn sie immer als Einzige materiell nicht mithalten können», erklärt Anna Flury. «Sie fühlen sich schnell einmal ausgeschlossen.» Gerade im Schulalter sind die Kinder daran, ihren Platz in der Gruppe zu finden.

Ganz schlimm kann es für Kinder aus armen Familien werden, die auf Fürsorge angewiesen sind. In einer markenorientierten Umgebung sind sie schnell ausgeschlossen, weil die Eltern sich die teuren Produkte nicht leisten können. In diesen Fällen sollten die Eltern mit den zuständigen Sozialarbeitern darüber sprechen – sie können beispielsweise dabei helfen, einen Ferienjob für das Kind zu finden. Nicht selten neigen ausgerechnet Eltern mit knappem Haushaltsbudget dazu, ihren Kindern den Kauf von Luxusprodukten zu ermöglichen, auch wenn sie es sich vom Munde absparen müssen. Sie sehen es als Möglichkeit, ihre Armut zu verbergen und nach aussen den schönen Schein zu wahren.

Ist der Markenartikel zu teuer oder unnötig, kann man als Eltern auch mal Nein sagen und konsequent dabei bleiben – Kinder verstehen das. Ist es beispielsweise zu früh für ein Smartphone, teilt man dies dem Kind klar mit und sagt ihm, wann es alt genug dafür ist.

Ein Anrecht auf Besitz habe ein Kind nicht. «Aber es hat ein Recht auf Beziehungen und Kontakt», sagt Psychologin Anna Flury. Eltern sollen ihre Kinder mit anderen Kindern spielen lassen und selbst eine gute Beziehung zu ihren Kindern pflegen. Denn so wird das Materielle automatisch weniger wichtig.

Autor: Claudia Langenegger