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25. Januar 2016

Maria Wallisers einschneidendes Ereignis

Heute wissen werdende Mütter, dass eine gute Versorgung mit Folsäure bedeutend fürs gute Gedeihen des Embryos ist. Maria Walliser hat dazu Wichtiges beigetragen.

Maria Walliser besucht ihre Tochter Siri
Maria Walliser besucht ihre Tochter Siri, die heute in Luzern Jus studiert und später Anwältin werden möchte.

Millionen von Schweizern litten mit der Ex-Skirennfahrerin Maria Walliser Anesini (52), als ihre Tochter Siri vor 24 Jahren mit offenem Rücken zur Welt kam. «Die Geburt eines Babys mit Spina bifida ist ein unbeschreiblich einschneidendes Ereignis für Eltern und Familien», sagt die ehemalige Topathletin heute. Mit der Geburt von Siri bekam ein Thema plötzlich ein Gesicht, das bis dahin in der Öffentlichkeit kaum Beachtung fand.

Bis zur Diagnose Spina bifida hatte auch Maria Walliser nichts über Folsäuremangel gewusst. Dabei kann Folsäure, ebenfalls bekannt als Vitamin B9, rund die Hälfte aller offenen ­Rücken ­vermeiden – sofern sie rund drei Monate vor der ­Schwangerschaft eingenommen wird. Um zu erreichen, dass die medizinisch etablierte Erkenntnis auch seitens der Behörden anerkannt und die Grundversorgung der Bevölkerung mit Folsäure durch entsprechende Massnahmen gewährleistet wird, setzt sich Maria Walliser seit 15 Jahren mit der Stiftung Folsäure Offensive Schweiz ein.

Klinikdirektor fordert mehr Mut

Die Schweizerische Ernährungskommission hat den Bundesbehörden schon vor rund zehn Jahren unmissverständlich die Anreicherung von Mehl mit Folsäure empfohlen, um so die Spina-bifida-Fälle um rund die Hälfte zu reduzieren.
«Aus Angst vor den wenigen, aber lautstarken Skeptikern liegt das Dossier seitdem in der Schublade», bedauert Roland Zimmermann, Direktor der Klinik für Geburtshilfe des Universitätsspitals Zürich. «Es wäre aus meiner Sicht mehr als wünschenswert, wenn unsere Behörden etwas mehr Mut zur Tat hätten.»

Eine Folsäureanreicherung von Lebensmitteln würde dafür sorgen, dass die Bevölkerung mit einem höheren Grundpegel an Vitamin B9 versorgt ist.
Denn auch in der Schweiz ist laut Erich Meyer, Geschäftsführer der Stiftung Folsäure, ein Grossteil der Schwangerschaften ungeplant. «Deshalb», sagt Maria Walliser, «beginnen auch sechs von zehn Schwangeren zu spät mit der Folsäureprophylaxe».

www.folsaeure.ch/home

Autor: Thomas Vogel

Fotograf: Thomas Vogel