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01. Februar 2016

Mann leistete sich eine Hausfrau

Sie solle sich hübsch machen, einen Mann finden und eine tüchtige Hausfrau sein: Das rieten Frauenzeitschriften jungen Frauen in den Nachkriegsjahren. Das hat sich zum Glück geändert.

Cover der Frauenzeitschrift Brigitte 1959
Gutes Aussehen, die richtige Partie und der perfekte Haushalt seien Lebensaufgaben der Frau: Das suggerierten Magazine und Werbung vor 50 Jahren.

Mann leistete sich eine Hausfrau

Zugegeben: In Frauenmagazinen gehts noch heute ums Aussehen, um Kerle und um die Frage: «Was koche ich heute?» Immerhin macht sich die Frau des 21. Jahrhunderts nicht nur für einen Mann hübsch. Für den Haushalt ist sie nicht allein zuständig, und gehts um das «Verwöhnen», denkt sie eher ans Schlafzimmer als an die ­Küche.

Vor allem aber sind inzwischen ein paar wichtige Themen hinzugekommen, bedingt durch das ­relativ neue weibliche Betätigungsfeld Beruf. Dass frau heute auch über Kinderkrippen, Lohngleichheit oder Karrierechancen diskutiert,ist eine beachtliche Entwicklung: Vor exakt 40 Jahren brauchte eine verheiratete Schweizerin noch die Erlaubnis ihres Mannes, um ausser Haus und gegen Entgelt zu arbeiten.

Geburtshelferin der berufsfreien Frau war das Wirtschaftswunder der 50er-Jahre: Da genügte plötzlich ein Einkommen, um die Familie zu ernähren. Mann leistete sich eine Hausfrau. Sie durfte putzen, kochen, zu den Kindern schauen. Und ihrem Gatten zuhören.

Zweifelhaftes Sittenbild

WENN DER FEIERABEND IM GEHÖRT

1955 soll die britische Zeitschrift «Housekeeping Monthly» ihren Leserinnen die nebenstehenden Tipps für den Feierabend des Gatten gegeben haben. Der modernen Frau mag beim Lesen das Lachen im Hals stecken bleiben. Zu ihrer Beruhigung sei gesagt: Man weiss nicht, ob dieser Artikel so wirklich jemals erschienen ist. Allerdings: Genauso könnte es gewesen sein.

Halten Sie das Abendessen bereit. Planen Sie vorausschauend, eventuell schon am Vorabend, damit die köstliche
Mahlzeit rechtzeitig fertig ist, wenn er nach Hause kommt. So zeigen Sie ihm, dass Sie an ihn gedacht haben und dass Ihnen seine Bedürfnisse am Herzen liegen. Die meisten Männer sind hungrig, wenn sie heimkommen, und die Aussicht auf eine warme Mahlzeit (besonders auf seine Leibspeise) gehört zu einem herzlichen Empfang, so wie man ihn braucht.

Machen Sie sich schick. Gönnen Sie sich 15 Minuten Pause, so dass Sie erfrischt sind, wenn er ankommt. Legen Sie Make-up nach, knüpfen Sie ein Band ins Haar, so dass Sie adrett aussehen. Er war ja schliesslich mit einer Menge erschöpfter Leute zusammen.

Seien Sie fröhlich, machen Sie sich interessant für ihn! Er braucht vielleicht ein wenig Aufmunterung nach einem ermüdenden Tag, und es gehört zu Ihren Pflichten, dafür zu sorgen.

Räumen Sie auf. Machen Sie einen letzten Rundgang durch das Haus, kurz bevor Ihr Mann kommt.

Räumen Sie Schulbücher, Spielsachen, Papiere und so weiter zusammen und säubern Sie mit einem Staubtuch die Tische.

Während der kälteren Monate sollten Sie für ihn ein Kaminfeuer zum Entspannen vorbereiten. Ihr Mann wird fühlen, dass er in seinem Zuhause eine Insel der Ruhe und Ordnung hat, was auch Sie beflügeln wird. Letztendlich wird es Sie unglaublich zufrieden stellen, für sein Wohlergehen zu sorgen.

Machen Sie die Kinder schick. Nehmen Sie sich ein paar Minuten, um ihre Hände und Gesichter zu waschen (wenn sie noch klein sind). Kämmen Sie ihr Haar und wechseln Sie gegebenenfalls ihre Kleidung. Die Kinder sind ihre «kleinen Schätze» und so möchte er sie auch erleben. Vermeiden Sie jeden Lärm. Wenn er nach Hause kommt, schalten Sie Spülmaschine, Trockner und Staubsauger aus. Ermahnen Sie die Kinder, leise zu sein.

Seien Sie glücklich, ihn zu sehen.

Begrüßen Sie ihn mit einem warmen Lächeln und zeigen Sie ihm, wie aufrichtig Sie sich wünschen, ihm eine Freude zu bereiten.

Hören Sie ihm zu. Sie mögen ein Dutzend wichtiger Dinge auf dem Herzen haben, aber wenn er heimkommt, ist nicht der geeignete Augenblick, darüber zu sprechen. Lassen Sie ihn zuerst erzählen – und vergessen Sie nicht, dass seine Gesprächsthemen wichtiger sind als Ihre.

Der Abend gehört ihm. Beklagen Sie sich nicht, wenn er spät heimkommt oder ohne Sie zum Abendessen oder irgendeiner Veranstaltung ausgeht. Versuchen Sie stattdessen, seine Welt voll Druck und Belastungen zu verstehen. Er braucht es wirklich, sich zu Hause zu erholen.

Ihr Ziel sollte sein: Sorgen Sie dafür, dass Ihr Zuhause ein Ort voller Frieden, Ordnung und Behaglichkeit ist, wo Ihr Mann Körper und Geist erfrischen kann.

Begrüßen Sie ihn nicht mit Beschwerden und Problemen.

Beklagen Sie sich nicht, wenn er spät heimkommt oder selbst wenn er die ganze Nacht ausbleibt. Nehmen Sie dies als kleineres Übel, verglichen mit dem, was er vermutlich tagsüber durchgemacht hat.

Machen Sie es ihm bequem. Lassen Sie ihn in einem gemütlichen Sessel zurücklehnen oder im Schlafzimmer hinlegen. Halten Sie ein kaltes oder warmes Getränk für ihn bereit.

Schieben Sie ihm sein Kissen zurecht und bieten Sie ihm an, seine Schuhe auszuziehen. Sprechen Sie mit leiser, sanfter und freundlicher Stimme.

Fragen Sie ihn nicht darüber aus, was er tagsüber gemacht hat. Zweifeln Sie nicht an seinem Urteilsvermögen oder seiner Rechtschaffenheit. Denken Sie daran: Er ist der Hausherr und als dieser wird er seinen Willen stets mit Fairness und Aufrichtigkeit durchsetzen. Sie haben kein Recht, ihn in Frage zu stellen.

Eine gute Ehefrau weiß stets, wo ihr Platz ist

Autor: Yvette Hettinger