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05. August 2013

Manchmal wärfe ich gerne ein Fenster ein

In der Serie «Jungpolitiker über Dutti» beantworten fünf Nationalräte von CVP, FDP, Grüne, SP und SVP unter 35 Jahren dieselben acht Fragen. Diesmal mit Lukas Reimann (30), SVP-Nationalrat, St. Gallen.

Lukas Reimann
Lukas Reimann (30), SVP-Nationalrat, St. Gallen. (Bild zVg)

Was kommt Ihnen spontan in den Sinn, wenn Sie den Namen Gottlieb Duttweiler hören?

Ein herausragender Politiker, der eine eigene Partei aufbaute und frischen Wind in die verkrustete Schweizer Politik brachte, sie entfilzte.

Wie stehen Sie zur Politik, die er zeit seines Lebens gemacht hat?

Ich bin gewiss nicht mit jedem seiner Punkte einverstanden. Aber mich beeindruckt sehr, wie er gegen die alteingesessene Politik von FDP und CVP vorgegangen ist und eine neue politische Kraft etabliert hat, die innovativ war und die alten Seilschaften durchbrach.

Beeinflusst Duttweiler Ihre politische Arbeit oder die Art des Politisierens?

Er war eine sehr inspirierende Persönlichkeit, insbesondere wenn man wie ich versucht, gegen bestehende Machtstrukturen anzukommen. Aber es wäre übertrieben zu behaupten, er hätte einen Einfluss auf mich gehabt.

Es gibt ein berühmtes Zitat von ihm: «Wir glauben, dass in der kommenden Zeit nur ein Kapitalismus sich behaupten kann und muss, der sich über soziale Leistungen ausweist.» Stimmen Sie zu?

Faktisch haben wir heute eine soziale Marktwirtschaft und dementsprechend einen Kapitalismus, der die soziale Komponente berücksichtigt. Er hat das mit seinem Unternehmen und den vielen Arbeitsplätzen, die er geschaffen hat, sicher vorgelebt. Man könnte deshalb durchaus behaupten, dass Kapitalismus an sich sozial ist (lacht).

Duttweiler warf eine Fensterscheibe beim Bundeshaus ein, weil der Nationalrat einen Vorstoss verschleppte. Haben Sie auch noch einen kleinen Revoluzzer in sich?

Ehrlich gesagt, würde ich mich nicht getrauen, eine Scheibe beim Bundeshaus einzuwerfen. Bei seinem Status und seiner Position konnte er das damals aber problemlos wagen. «Gluschtet» hat es mich schon oft, das muss ich zugeben. Aber ich kann mich kontrollieren.

Sehen Sie heute eine ähnliche Figur in der Schweizer Politik, wie sie Duttweiler war?

Er war eine einmalige, herausragende Persönlichkeit. Und sehr beliebt beim Volk: Er kandidierte in mehreren Kantonen, wurde gleich mehrfach gewählt und gab die Sitze an Parteimitglieder weiter. Daraufhin gabs das Gesetz, dass man nur noch in einem Kanton kandidieren durfte. Ich sehe keinen vergleichbaren Politiker heute.

Bei welchen Themen würde er sich heute besonders engagieren?

Er würde sich heute bestimmt gegen die Gesetzes- und Regulierungsflut einsetzen, die einerseits die Unternehmer und andererseits die Bürgerinnen und Bürger betrifft. Das würde zu ihm passen, so wie ich ihn einschätze.

Würde Gottlieb Duttweiler gut in die heutige SVP passen?

(lacht) Wir sind ein Stück weit auch in der Opposition und lehnen uns gegen seit alters bestehende Machtstrukturen auf. Er war sicher progressiver als die SVP, aber es gibt durchaus Punkte, die sich überschneiden.

In der Serie «Jungpolitiker über Dutti» beantworten fünf Nationalräte von CVP, FDP, Grüne, SP und SVP unter 35 Jahren dieselben acht Fragen. Die nächste Folge mit Grünen-Nationalrätin Aline Trede .

Autor: Reto Vogt