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26. März 2012

«Man sollte uns unseren Weg gehen lassen»

Wie leben junge Leute heute? Welche Träume haben sie? Welche Schwierigkeiten? Wie halten sie es mit Sex, Beziehungen, Facebook, und interessieren sie sich für Politik? Das Migros-Magazin hat sich mit drei jungen Männern und drei jungen Frauen aus unterschiedlichen sozialen Milieus unterhalten. Die Jungs kommen heute zu Wort, die Mädchen in der nächsten Ausgabe.

Im Jugendtreff Dreirosen der Stadt Basel
Angeregte Diskussionen im Jugendtreff Dreirosen der Stadt Basel.

Einfühlsam, verantwortungsbewusst und motiviert: Gemäss einer Langzeitstudie sind (auch männliche) Jugendliche besser als ihr Ruf

Über Jugendliche wird viel geredet, diskutiert und geforscht, aber selbst zu Wort kommen sie nur selten. Das Migros-Magazin hat nun je drei junge Männer und Frauen gebeten, uns einen Einblick in ihr Leben und ihr Denken zu geben. Sie kommen vom Land oder aus der Stadt, wollen bald studieren oder eine Lehre machen, sind Schweizer oder haben einen Migrationshintergrund — und dennoch sind die Unterschiede zwischen ihnen gar nicht so gross. Deutlicher hingegen sind die Differenzen zwischen den Geschlechtern, wenn es um Themen wie Sex und Beziehungen geht oder auch um die persönliche und gesellschaftliche Zukunft. Die Mädchen (siehe Ausgabe nächste Woche) machen sich da schon mehr Gedanken als die Jungs.

Roman, Islam, Oliver, was ist das Wichtigste in eurem Leben?

Roman: Musik.
Islam: Mein Auto.
Oliver: Freundschaften.

Wie stellt ihr euch eure Zukunft vor?

Roman: Ich möchte die Jazzschule besuchen und Berufsmusiker oder Musiklehrer werden.
Islam: Ich will mal eine Logistikfirma leiten.
Oliver: Erst mal will ich meine Metzgerlehre schaffen, dann zur Schweizer Garde nach Rom und schliesslich Personenschützer werden.

Ist denn der Beruf das Wichtigste für euch?

Oliver: Mein oberstes Ziel ist, eine Familie zu gründen, erst dann kommt der Job.
Roman: Bei mir ists schon der Job.
Islam: Erst mal Gesundheit und Familie, dann die anderen Sachen.

Der Jugend heute steht alles offen, sie hat völlige Freiheit. Empfindet ihr das auch so?

Oliver: Es ist sicherlich einfacher als früher, aber einige Kolleginnen von mir haben noch keine Lehrstelle gefunden und machen jetzt das zehnte Schuljahr.
Roman: Bei mir im Gymnasium gibts viele, die nicht wissen, was sie studieren sollen, die Auswahl ist so gross.
Islam: Ich kann hier alles werden, niemand sagt mir, das kannst du nicht, das darfst du nicht. Das ist toll.

Glaubt ihr, dass es euch mal besser gehen wird als euren Eltern?

Roman: Eher nicht. Die Finanzkrise und die Umbrüche, das verunsichert schon.
Oliver: Es geht uns besser als unseren Eltern in diesem Alter. Aber es könnte jetzt einen Abschwung geben. Es kann uns ja auch nicht immer noch besser und besser gehen.
Islam: Sehe ich auch so. Die Krise und die vielen Arbeitslosen geben einem schon zu denken.

Macht ihr euch Sorgen deswegen?

Roman: Wir lassen es auf uns zukommen (Gelächter). Das mag jetzt billig klingen, aber wirklich tun können wir ja nichts. Es ist im Hinterkopf, aber man zittert jetzt nicht permanent deswegen.
Oliver: Im Moment habe ich andere Sorgen. Ich helfe Kolleginnen, Bewerbungen zu schreiben, das ist dringender.

Wie schwierig ist es mit Lehrstellen, Studienplätzen, Arbeitsstellen?

Roman: Niemand in meinem Umfeld hat Probleme. Aber bei meiner Studienrichtung gibts grosse Konkurrenz und hohe Anforderungen, das dürfte schwierig werden.
Islam: Für mich war es schon nicht leicht, eine Lehrstelle zu finden. Ich habe viele Bewerbungen geschrieben, fünf Monate lang, bis endlich was geklappt hat. Kollegen von mir hatten es auch nicht leichter. Wir suchten vor allem in den Bereichen Logistik, Elektriker und Automechaniker.

Denkst du, das hat mit deinem Namen und deiner Herkunft zu tun?

Islam: Das glaube ich eigentlich nicht. Wenn man sich von der besten Seite zeigt, spielt das keine Rolle. Aber es braucht auch immer etwas Glück.
Oliver: Ich hatte keine Probleme, meine Lehrstelle als Metzger zu bekommen. Aber in meiner Klasse haben es nicht alle so leicht. Ein Freund von mir hat schon 50 Bewerbungen als Logistiker verfasst und nur Absagen bekommen. Wir sind in unserer Klasse nur vier Schweizer, alle anderen sind vom Balkan oder aus der Türkei. Ich glaube aber, dass das bei grossen Firmen kein Thema ist, bei kleineren vielleicht eher.

Was macht ihr mit euren Freunden?

Roman: Wir gehen in den Ausgang, in einen Club oder eine Bar, Musik hören, Bier trinken. Ich spiele in einer Band, da kommen Freunde vorbei. Wir reden über alles mögliche, Aktuelles, Politik.
Islam: Wir reden viel über Autos, neue Fahrzeuge, neue Teile. Und wir haben eine Art Stundenplan: Am Freitag nach der Arbeit gehen wir immer zusammen unsere Autos putzen, am Samstag fahren wir dann herum.

Wie schnell fahrt ihr?

Islam: (lacht) So schnell, wie es erlaubt ist.
Oliver: Bei mir kommts drauf an, mit welchem Freundeskreis ich gerade unterwegs bin. Mit den Metalheads gehe ich oft raus, wir machen ein Feuer und bräteln was, mit den Kolleginnen gehe ich ins Kino, ich koche für sie oder sie für mich. Oder wir gehen in einen Club.

Das gibt dann sicher je nach Gruppe auch ganz andere Gesprächsthemen.

Oliver: Bei den Girls gehts oft darum, was für Probleme sie wieder mit Typen haben, halt eher Frauenthemen. Wobei: Bei den Metals gehts im Moment eigentlich auch darum: Stress mit Frauen. Aber wir reden auch oft über Musik.

Wie viele Freundinnen hattet ihr schon?

Roman: Vier.
Islam: Zwei.
Oliver: Zwei.

Was ist euch wichtig an einer Freundin?

Oliver: Sie muss ehrlich und offen sein und einigermassen aussehen. Sie muss Humor haben. Zukunftsfragen sind mir noch nicht so wichtig. Ob sie in 20 Jahren mal Kinder haben will zum Beispiel.
Roman: Hm, ich kann das gar nicht so genau sagen. Die vier, die ich bisher hatte, waren alle ziemlich unterschiedlich.
Islam: Sie soll ehrlich und lustig sein und sich anpassen. Wenn ich ihr sage, neben mir rauchst du nicht, weil ich das nicht gern habe, dann sollte sie das tun. Wenn wir Witze machen, sollte sie mitmachen und mitlachen.

Passt du dich denn auch an die Frau an?

Islam: Wenn es sein muss, schon, ja.
Oliver: Wenn meine Freundin mir sagen würde, ich müsse aufhören zu rauchen, hätte ich schon Probleme damit. Aber wenn ich eine Freundin hätte, die nicht raucht, wäre klar, dass ich neben ihr nicht rauche.

Spielt Intelligenz eine Rolle?

Oliver: Also solange sie nicht strohdumm ist, ist es okay. (Gelächter)
Islam: Sie muss einfach gescheit genug sein für die nötigen Sachen.
Roman: Mir ist das schon noch wichtig, ich will mit ihr über alles reden können.

Habt ihr jetzt gerade eine Freundin?

Islam: Ich bin Single.
Oliver: Ich habe eine Freundin und bin sehr glücklich.
Roman: Ich auch.

Wo und wie lernt ihr Mädchen kennen?

Roman: Im Ausgang oder in der Schule.
(Islam und Oliver nicken)

Wie wichtig ist Sex?

Oliver: Sehr wichtig! Ohne Sex gäbe es mich nicht … Aber wenn ich neu eine Freundin habe, dränge ich sie zu nichts.
Islam: (zögert) Ich weiss nicht. Es ist wichtig, und es ist nicht wichtig.

Wenn jemand keinen Sex vor der Ehe will, ist er selber schuld. – Oliver Hüsler

Ist es ein Thema, eine Freundin zu haben, weils dann regelmässig zu Sex kommt?

Alle gleichzeitig: Nein, nein.
Islam: Dafür brauchts keine Beziehung.
Oliver: Und wenn jemand keinen Sex vor der Ehe will, ist er selber schuld. Für mich ist das der grösste Witz der katholischen Kirche.

Sind Mädchen genauso interessiert an Sex wie ihr?

Oliver: Ein Freund und ich haben mal eine Theorie aufgestellt: Frauen sind noch viel extremer, aber sie können es besser verheimlichen (grosses Gelächter). Aber wir sind noch zu keinem schlüssigen Ergebnis gekommen. Ich denke, es ist halt bei jeder ein bisschen anders.
Roman: Das glaube ich auch.

Das Klischee stimmt also nicht, dass Männer interessierter sind an Sex als Frauen?

Islam: Eher nicht.
Roman: Wir sind Männer, wir müssen das abstreiten. Nein, ich denke echt nicht.

Wann hattet ihr euer erstes Mal? Gabs Überraschungen?

Roman: Mit 17. Als Mann hat man ja sicher schon mal einen Porno gesehen. Dazu kommt die Aufklärung in der Schule.
Islam: Ich war 17, keine Überraschungen.
Oliver: Ich war gerade 15 geworden. Und bei uns haben sie einen Porno im Aufklärungsunterricht gezeigt. Das war eine ziemliche Überraschung. Wir waren 13, 14 Jahre alt

Was? Und der Lehrer bekam keine Probleme?

Oliver: Nein, bei uns sieht man das ziemlich locker.

Wie oft guckt ihr Pornos?

Roman: Kommt vor, aber nicht so oft. Und ich kenne auch Frauen, die offen zugeben, dass sie viele Pornos schauen.
Islam: Ich schaue nur selten.
Oliver: Sehr selten. Ich hatte jetzt ein halbes Jahr keine Freundin, da habe ich mal zwischendurch einen geschaut.

Was heisst selten, einmal pro Woche?

Oliver: Was? Nein! Vielleicht einmal alle zwei Monate.

Und das, obwohl der Zugang so leicht ist, heute? Ist das bei euren Freunden auch so?

Roman: Keine Ahnung, ich rede mit meinen Freunden nicht darüber, wie viele Pornos sie schauen.
Oliver: Ich würde lieber nicht darüber reden, aber es gibt ein paar Leute in der Klasse, die immer aufgeregt daherkommen und sagen: Hey, hast du das schon gesehen, das ist im Fall megacool!

Wie wichtig sind Verhütung und Kondome?

Roman: Kondome sind selbstverständlich (beifälliges Nicken der anderen beiden)
Oliver: Am liebsten Kondom und Pille.

Was haltet ihr von Schwulen? Kennt ihr welche persönlich?

Roman: Ich kenne einen. Stört mich überhaupt nicht.
Islam: Ich auch. Er ist der Nachbar eines Kollegen. Lustiger Typ, man sieht es ihm nicht an. Jeder kann machen, was er will, mich störts nicht.
Oliver: Ich kenne ein schwules Paar, die sind jetzt 17 und 18. Der eine ist mein bester Freund, und es war eine ziemliche Überraschung, als er es mir sagte. Ich war erst mal sprachlos. Er fragte, ob ich ein Problem damit habe. Ich sagte Nein. Aber ich wolle ihm einfach sagen: Ich bins nicht. Dann war eigentlich alles klar. Und jetzt habe ich mich daran gewöhnt, wir reden auch recht offen darüber. Und die zwei haben sich damit abgefunden, dass sie vielleicht im Kollegenkreis nicht unbedingt in aller Öffentlichkeit rummachen sollten.

Sie sind fester Teil des Kollegenkreises?

Oliver: Ja, easy.

Wollt ihr mal heiraten, mit allen Schikanen?

Oliver: Ja, schon. Gerne in der Kirche, nicht wegen des Glaubens, sondern wegen des Drum und Dran.
Islam: Ich auch.
Roman: Ich eigentlich nicht. Aber wenn meine Partnerin will, dann ist das okay.

Könntet ihr euch vorstellen, dass ihr euch um Kinder und Haushalt kümmert, während eure Frau arbeiten geht?

Roman: Ja, das wäre doch ganz angenehm. Dann hätte ich Zeit, um Musik zu machen.
Islam: Ich kann mir das nicht vorstellen. Ich will einen Job. Wenn jemand zu Hause bleibt, dann meine Frau.
Oliver: Ich könnte damit leben, wenn meine Frau das Geld nach Hause bringt, solange sie einen Job hat, mit dem sie die ganze Familie ernähren kann.

Jugendgewalt ist das grosse Sorgenthema der Erwachsenen. Könnt ihr das nachvollziehen?

Oliver: Ich finds übertrieben. Es gibt ja schliesslich auch Gewalt unter Erwachsenen, aber bei Jugendgewalt wird immer eine Riesensache draus gemacht.
Roman: Ich wurde zwar schon mal attackiert, habe mich aber nicht provozieren lassen. Der Typ, der mir eine verpasst hat, wurde dann von seinen Kollegen zurückgehalten. Er fand, ich hätte Nuttensohn zu ihm gesagt, aber das habe ich gar nicht. Es wird schon ziemlich viel geprügelt, finde ich. Im Ausgang gibts immer wieder mal solche Situationen.

Habt ihr so was auch schon erlebt?

Islam: Mich hat mal einer versucht anzugreifen, der war schon ziemlich betrunken und wollte Stress machen. Aber seine Kollegen haben ihn dann gestoppt.
Roman: Mein Angreifer war auch alkoholisiert.
Oliver: Ich wurde schon mal bis zur Ohnmacht gewürgt, da war ich zehn oder elf, von einem älteren Typen. Zwei meiner Kolleginnen waren in der Nähe, konnten aber nichts machen. Ein anderer hat den Typen dann weggerissen. Als ich langsam wieder zu mir kam, rannte er weg. Seither bin ich recht empfindlich am Hals, ich mags auch nicht, wenn man mich zum Spass da anfasst.

Gibts Gangs dort, wo ihr lebt?

Islam: Bei mir gabs das früher. Quartiergangs, die sich gegenseitig verprügelt haben, jedes Wochenende, so unter dem Motto: Hey, du hast mein Quartier beleidigt. Zum Teil waren Messer im Spiel, und es gab auch Verletzte. Meist kam die Polizei und hat ein paar mitgenommen.

Und du hast das von Weitem mitbekommen?

Islam: Ich bin mit den Leuten aus meinem Quartier ein paar Mal mitgegangen, das war vor zwei, drei Jahren. Aber ich habe nie mitgeprügelt, nur zugesehen. Es war auch immer schnell vorbei.

Ging es um Stolz oder Langeweile?

Islam: Stolz. Es gab sogar welche, die auf ihrem Pullover die Postleitzahl ihres Quartiers aufgedruckt hatten.
Roman: Ist das mit dem Beleidigen des Quartiers nicht eine Ausrede? Die haben doch nur einen Vorwand gesucht.
Islam: Nein, das war keine Ausrede, die meinten das ernst. Sonst hätten sie nicht zum Messer gegriffen. Aber es kann schon sein, dass es auch aus Langeweile passierte oder um Wut abzulassen. Oliver: Sicher spielt Langeweile eine Rolle. Da muss man echt nichts Besseres zu tun haben, wenn einem so wichtig ist, wie andere über das Quartier denken.

Wie oft ist bei Gewalt Alkohol im Spiel?

Roman: Bei einer Schlägerei meistens.

Wie haltet ihrs mit Alkohol und Drogen?

Islam: Ich rauche nicht, trinke nicht, ich mache nichts.

Gar kein Alkohol?

Islam: Nein. Ich bin Muslim.
Oliver: Ich rauche, trinke ab und zu, nehme sonst aber keine Drogen. Freunde von mir nehmen Marihuana, das habe ich einmal ausprobiert, fand dann aber, dass ich das nicht nötig habe. Roman: Ich trinke, vielleicht manchmal auch ein bisschen zu viel, aber nicht so, dass ich mich nicht mehr im Griff hätte. Marihuana rauche ich ab und zu, aber synthetische Sachen habe ich noch nie probiert, würde ich mich auch nicht getrauen.

Wie sehr gehört Alkohol dazu, um Spass zu haben?

Roman: Es ist nicht so, dass man trinken muss, um es lustig zu haben. Aber es ist oft noch viel lustiger mit. (Gelächter)
Oliver: Nötig ist es nicht, aber wer trinken will, warum nicht. Ich habe auch Kollegen, die gar keinen Alkohol trinken.

Und ihr trinkt vor allem Bier?

Roman: Ja.
Oliver: Beim Grillieren eher Bier, aber das mag ich nicht mal so. Ich trinke lieber Frizz oder Met.

Muss man auf Facebook sein, wenn man dazugehören will?

Roman: Nein. Ich habe auch Freunde, die hatten einen Facebook-Account und haben ihn wieder gelöscht. Oliver: Ich kenne niemanden, der nicht auf Facebook ist. Islam: Ich auch nicht.

Wie viel Zeit verbringt ihr vor dem Computer?

Oliver: Der PC läuft fast immer, es gibt Tage, wo ich nur fünf Minuten dran bin, und andere, wo ich stundenlang chatte. Islam: Zwei, drei Stunden am Tag. Viel Facebook, Musik hören, Youtube. Roman: Höchstens eine Stunde pro Tag, dafür habe ich kein Fernsehgerät.

Wisst ihr, wer im Bundesrat sitzt?

Islam: Christoph Blocher!

Nicht mehr.

Roman: Schneider-Ammann, Widmer-Schlumpf … jetzt wirds dann peinlich … Oliver: … mehr als Widmer-Schlumpf weiss ich nicht... Roman: … Ueli Maurer … Islam: Der Eduard Rutschmann ist von Basel?

Das ist ein Basler SVP-Grossrat.

Islam: Den kenne ich sogar persönlich. Roman: Die kriegen wir schon noch hin …(überlegt) mhh, ist das peinlich.

Fühlt ihr euch von der Politik vertreten? Findet ihr, dass die das richtig machen?

Roman: Ich schon. Oliver: Ja, die machen das schon richtig. Islam: Ab und zu machen sie Regeln, die mir nicht gefallen. Dass die Autovignette zum Beispiel so viel teurer werden soll, finde ich übertrieben. Die selber fahren vielleicht gar nicht Auto und müssen das nicht zahlen, sie werden rumchauffiert. Aber mich trifft das.

Wenns die Auto-Partei noch gäbe, wärst du dort dabei.

Islam: Ja, da wäre ich dabei!

Wie informiert ihr euch?

Islam: Mit «20 Minuten». Oliver: «Aargauer Zeitung» und Radio Argovia. Roman: Meistens über «Südostschweiz» und «WOZ».

Überhaupt nicht online?

Roman: In der Schule, wenn mir langweilig ist, gehe ich mal auf «20 Minuten». Oliver: In den Ferien, wenn ich keine Zeitung habe.

In der Schweiz leben ziemlich viele Ausländer. Findet ihr das okay?

Roman: Total okay. Uns gehts hier so gut, da ist das gar kein Thema. Oliver: Die Ausschaffungs-Initiative fand ich gar nicht mal so übel. Die Blockquartiere, wo ich wohne, sind alle voller Ausländer. Und die sind halt manchmal nicht so nett zu den Schweizern. Okay, wir zu ihnen vielleicht auch nicht. Aber für kriminelle Ausländer Steuern zahlen, finde ich blödsinnig. Mit den anderen Ausländern habe ich keine Probleme.

Manchmal fühle ich mich schon betroffen, wenn über Ausländer geschimpft wird. – Islam Bekteshi

Islam, wie siehst du das als Ex-Ausländer?

Islam: Ich habe keine Probleme mit Ausländern. Was mich stört sind jene, zum Beispiel aus Mazedonien, die für ein paar Monate kommen, irgendwelchen Scheiss anstellen und in die Medien kommen. Das kriege ich nämlich auch zu spüren. Mir sieht ja keiner an, dass ich einen Schweizer Pass habe.

Fühlst du dich ab und zu schlecht behandelt?

Islam: (zögert) Hm, manchmal fühle ich mich schon betroffen, wenn über Ausländer geschimpft wird.

Was bedeutet Heimat für euch?

Oliver: Da, wo ich mich wohlfühle und wo meine Kollegen sind. Roman: Für mich ist Heimat auch kein Ort. Das sind Freunde, Familie, egal, wo es ist. Islam: Für mich ist Heimat sehr wichtig, und es ist ganz klar die Schweiz und Basel. Ich bin mehr hier als im Kosovo. Dort ist zwar auch ein Stück Heimat, aber ich könnte nicht lebenslang dort sein.

Und zum Schluss: Was möchtet ihr den Erwachsenen da draussen noch sagen?

Oliver: Sie sollten es nicht so eng sehen, wenn jemand mal ein bisschen laut ist nach 22 Uhr. Sie waren doch auch mal jung. Ein bisschen mehr Freiheit wäre schön. Islam: Genau. Sie sollen nicht gleich die Polizei rufen, das passiert nämlich ziemlich schnell. Oliver: Bei uns in Windisch sind pausenlos Polizeipatrouillen unterwegs und immer gleich zur Stelle, wenn wir uns mal abends irgendwo treffen. Die haben einfach zu wenig zu tun. Roman: Für mich ist das nicht das Wichtigste. Ich würde sagen, dass man uns Jugendliche mehr unseren eigenen Weg gehen lassen sollte. Das haben die Erwachsenen früher schliesslich auch getan. Und es ist doch fast immer gut herausgekommen. Warum sollte es das bei uns nicht auch?

Deianira (18), Jennifer (17) und Stefanie (18), von links.
Deianira (18), Jennifer (17) und Stefanie (18), von links.

Und nächste Woche reden wir!

Auch Deianira (18), Jennifer (17) und Stefanie (18), von links, haben klare Meinungen und grosse Hoffnungen. Sie kommen im Migros-Magazin Nr. 14 zu Wort.

Autor: Esther Banz

Fotograf: Victoria Loesch