Archiv
09. Dezember 2013

«Man kann immer wieder von vorne anfangen»

David Bachmann
David Bachmann (25), Gründer von SuitArt.

Nach dem Gymnasium jobbte David Bachmann bei einer Warenannahme. Da wurde ihm klar: Er will nie angestellt sein, sondern sein eigenes Unternehmen gründen. Das Wissen dazu eignete er sich mit zwei Semestern Wirtschaftsstudium und einem Jungunternehmer-Workshop an. Vor vier Jahren gründete er mit seinem Geschäftspartner das Unternehmen SuitArt, welches in Europa produzierte Massanzüge anbietet. Was ohne Startkapital begann, ist heute ein KMU mit 15 Verkaufsstandorten und insgesamt über 100 Mitarbeitern, Lizenzpartnern und Investoren.

Was wollten Sie als Kind werden?

Über Physiotherapeut bis zu Architekt oder Spitzensportler wollte ich alles werden. Ich wusste in der Schule nie, welches Freifach ich wählen sollte, weil mich alles interessierte.

Wie haben Sie Ihr erstes Geld verdient?

Mit 12 Jahren habe ich innerhalb von drei Tagen 1400 Franken durch Tombola-Lose-Verkauf verdient. Ich bekam 10 Prozent Provision, also habe ich Gas gegeben. Ich habe auch oft im Geschäft meiner Eltern ausgeholfen. Es gibt Fotos von mir, wie ich mit drei Jahren an einer Messe Werbung für Stickmaschinen machte.

Waren Sie in der Schule der Streber?

Ich gehörte eher zu den Jungs, von denen in Mathe alle abschreiben wollten. Ich hatte den Vorteil, dass ich etwas am Abend vorher kurz durchlesen konnte und am nächsten Tag eine gute Note schrieb. Nur in Englisch und Französisch hat das nicht geklappt.

Können Sie sich immer durchsetzen oder werden Sie wegen Ihres Alters auch belächelt?

Natürlich wird man teilweise auch von oben herab angeschaut. Aber ich glaube, die Vorteile überwiegen. Die Leute haben uns oft unterschätzt – gerade die Naivität birgt zusätzliche Erfolgspotenziale.

Gelingt Ihnen der Ausgleich zum Berufsleben?

Bei mir ist die Arbeit gleichzeitig Hobby, also habe ich viel Freizeit. Ich kann frei über meine Zeit verfügen, kann auch spontan mal einen Morgen zu Hause bleiben, ins Fitnesscenter gehen oder meine Eltern besuchen. Mein Problem ist eher, dass ich am Abend auf die Uhr sehe und merke, dass es schon 20 Uhr ist. Ich vergesse oft die Zeit, weil die Tätigkeit Spass macht und ich mit Herzblut dabei bin. Etwa acht Stunden verbringe ich täglich in Gesprächen und Meetings, weitere fünf Stunden damit, Mails zu beantworten und Büroarbeit zu machen. Mein Tag hat locker 13 Stunden. Ich nehme unser Unternehmen nicht als Job wahr, ich versuche eher, das Unternehmen zu formen und zu etwas Schönem zu machen.

Was macht Ihre Generation aus?

Die Geschwindigkeit heute ist hoch. Diese Generation ist es sich gewohnt, viel freier und dezentraler zu arbeiten. Früher war alles lokal. Man musste das ganze Dorf für seine Produkte begeistern. Heute ist das alles einfacher, globaler.

Was ist Ihr persönliches Ziel?

Mit 30 finanziell unabhängig zu sein, sodass ich mich auf globale Projekte konzentrieren kann. Hunger, Bildung, Wasserversorgung: Geschäftsmodelle, welche die Menschheit betreffen. Der Reiz, etwas zu schaffen, das andere für unmöglich halten, treibt mich an.

Ist Ihr Job eher Beruf oder Berufung?

Eher Berufung. Das Leben ist ein grosser Entscheidungsbaum. Mit 19 Jahren habe ich gedacht, ich werde Rennvelofahrer. Das bin ich nicht geworden, dafür habe ich viel aus dieser Zeit mitgenommen: Ich habe bis zu 30 Stunden pro Woche trainiert, war durch die gleichzeitige Matura 80-Stunden-Wochen gewohnt. Wenn man auf Leistungsfähigkeit getaktet ist, dann kann man fokussiert arbeiten. Ohne Fokus und mit viel Ablenkung wäre es schwer, ein Unternehmen aufzubauen.

Was ist wichtiger, Sinn oder Status?

Der Sinn, Leute zu inspirieren, Leute glücklich zu machen. Das erfüllt mich.

Wie wichtig ist Ihnen Ihre Karriere?

Das Wort «Karriere» ist für mich kein relevanter Begriff. Man kann immer wieder von vorne anfangen. Eine Grundvoraussetzung für das Unternehmertum, wie ich es lebe, ist es, Optimist zu sein.

Wie wichtig ist Ihnen Erfolg?

Ich messe den Erfolg nicht an Geld, sondern an glücklichen Mitarbeitern. Wenn man Mitarbeiter bezahlen kann und diese auch motiviert an der Arbeit sind, hat das mehr Wert.

Was wurde Ihnen in die Wiege gelegt?

Ich habe grosses Glück, analytisch und rational zu sein – kombiniert mit einer kreativen und kommunikativen Ader. Das ist selten und passt zu dem, was ich tue.

Hatten Sie auch Stolpersteine in Ihrem Leben?

Ja, Hunderte. Stolpersteine gibt es jeden Tag, es kommt nur darauf an, wie man damit umgeht. Im Radsport gibt es Unfälle – ich habe zum Beispiel drei Metallplatten im Gesicht. Auch die Primarschule war nicht ganz einfach, ich war etwas pummelig. Das war der Grund, warum ich mit Spitzensport angefangen habe.

Wo sehen Sie sich in 30 Jahren?

Bis dann werde ich noch einige Firmen initiiert haben.

Autor: Silja Kornacher

Fotograf: Tanja Demarmels