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30. November 2015

Mami, was ist eigentlich Pflanzenblut?

In der Rubrik «Was ist eigentlich...» beantwortet Gabriela Bonin regelmässig Fragen von ihren drei Kindern zu aktuellen Themen. Diese Woche will Elena (15) wissen, was Pflanzenblut ist.

Was ist eigentlich Pflanzenblut?

Man liest davon in Zeitgeistforen, die uns raten, Nutztiere wieder mehr zu achten und weniger Fleisch zu essen. Darüber sann ein kalifornischer Professor der Biochemie nach. Er überlegte, wie sich Massentierhaltung und Ressourcenverschleuderung vermindern liessen.

Wie man zugleich viel Geld verdienen und womöglich die globale Food-Industrie revolutionieren könne. Er machte sich daran, Pflanzenblut zu erfinden. Kapitalgeber unterstützten ihn dabei mit über 100 Millionen Franken, Wissenschaftler, Köche, Ingenieure und Bauern mit ihrem Fachwissen.

Nach vierjähriger Entwicklungszeit rann ein blutroter Saft durch die Reagenzröhrchen seines Labors: ein Elixier aus verschiedenen Gewächsen, das so schmeckt, riecht und reagiert wie Tierblut.

Diesen High-Tech-Trank mengte er unter eine vegetarische Burgermasse. Die Testesser staunten: Der Hamburger schmecke wie echt, liessen sie vermelden.

Bald schon will der Erfinder seine Neuheit auf den Markt bringen. Skeptiker verspotten sie als «Frankenburger» für Vegi-Vampire. Weltverbesserer wittern Morgenluft. Was denkst du? Was macht eigentlich echtes Blut jenseits seiner Moleküle aus? Das Original zeugt von Kampf und Opfer, Mysterium und Heiligkeit, Schmerz und Brüderlichkeit.

Welchen Geist birgt da die Kopie aus dem Laboratorium? Mein Labor ist die Küche. Da ist es einfach: Man nehme gute Ware, füge Hin­gabe und ein Lächeln bei. Dann schmeckts «echt» gut.

Autor: Gabriela Bonin