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19. Oktober 2015

Mami, was ist eigentlich ein Möngi?

In der Rubrik «Mami, was ist eigentlich...» beantwortet das Migros-Magazin regelmässig Fragen von Kindern zu aktuellen Themen. Diesmal will Luana (10) von der Mutter wissen, was ein «Möngi» ist. Hier ist Gabriela Bonins Antwort.

Mami, was ist eigentlich ein Möngi?
Mami, was ist eigentlich ein Möngi?

Das ist ein völlig verdrehtes Schimpfwort. Es steht für «mongoloid». So nannte man früher Menschen mit einem Down-Syndrom. Das sind geistig Behinderte. Weil sie schräg gestellte Augen haben, gleichen sie äusserlich den Menschen aus der Mongolei. Der Vergleich ist unsinnig, das Wort ist gemein. Heute sagt man «Kind mit Trisomie 21». Manche Eltern reden auch liebevoll von ihrem «Downie». So ein Kind ist genauso liebens- und lebenswert wie jedes andere, darum ist es respektlos, davon Schimpfwörter abzuleiten.

Das Thema erinnert mich an meine Schwangerschaft mit dir. Wie jede Mutter wünschte ich mir, ein gesundes Kind zu bekommen. Meine Ärztin legte mir nahe, einen Test zu machen. Der würde zeigen, ob mein Baby «normal» sei oder nicht. Ich fragte mich, ob ich ein behindertes Kind abtreiben würde. Ein schmerzender Gedanke! Als meine Mutter mit mir schwanger war, gab es dafür noch die Redewendung «in guter Hoffnung» sein. Mein Mami war glücklich damit. Diesen Zustand wollte ich auch!

Heute wird weniger gehofft und mehr getestet. Denn früher waren Trisomie-Untersuchungen risikoreich und teuer. Inzwischen gibt es gefahrlose Bluttests, die unsere Krankenkassen neu auch bezahlen. Das freut jene Schwangeren, die dank Tests ein Gefühl von Sicherheit gewinnen. Es verstärkt aber auch den Druck auf uns Mütter, nur noch «perfekte» Kinder zu produzieren. Ich entschied mich übrigens fürs Nichtwissen. Wie schön, dass ihr drei Geschwister gesund seid. Ich setze weiterhin auf gute Hoffnung.

Autor: Gabriela Bonin