Archiv
07. September 2015

Mami, was ist eigentlich ein Flecken?

In der Rubrik «Mami, was ist eigentlich...» beantwortet das Migros-Magazin regelmässig Fragen von Kindern zu aktuellen Themen. Diesmal will Luana (10) von der Mutter wissen, was ein Flecken ist. Hier ist Gabriela Bonins Antwort.

Die Frage ist nicht, was ein Flecken ist...

Das fragte ich mich auch, als wir nach Beromünster zogen. Wieso heisst der historische Dorfkern «Flecken»? Ist der ein Schandfleck? Ein Schmutzfleck? Inzwischen habe ich gelernt, dass ein Flecken etwas Wichtiges ist und so viel bedeutet wie «klein, aber oho!».

Im Mittelalter war ein «Flecken» ein Ort, der das Marktrecht hatte. Er durfte also Märkte durchführen. Dort verkauften Händler ihre Ware, viele Leute kamen zusammen. Eigentlich erhielten nur Städte das Marktrecht, aber es gab auch Dörfer, die so wichtig waren, dass sie sich diese Erlaubnis ergatterten.

Heute gibt es in der Schweiz noch zwölf Fleckenorte. Nächstes Wochenende findet im Flecken von Bad Zurzach das erste «Fläckefäscht» statt – samt Mittelaltermarkt. Alle anderen Flecken sind eingeladen: Es kommen Vertreter aus Beromünster, Schwyz, Herisau, Glarus, Appenzell, Altdorf, Langnau BE, Meiringen, Balsthal, Hermance und Frutigen. Das gab es noch nie in der Schweiz.

Weisst du, wer mir das erzählt hat? Eine Journalistenkollegin, die von Zürich nach Bad Zurzach gezügelt ist. Ihr ging es wie mir: Unsere Kollegen belächelten uns mitleidig, weil wir von der Stadt
in die Pampa zogen. Aber hey: Hier ist es zwar klein, aber fein.

Autor: Gabriela Bonin