Archiv
29. September 2014

Mama vs. Papa

Kann und will der Vater in Kinderbetreuung oder Haushalt wirklich Verantwortung übernehmen? Vielleicht sind Vorbehalte von Müttern gegenüber ihren Partnern ja auch berechtigt. Fünf Erziehungsfähigkeiten, die Papa oft abgesprochen werden – zu Recht?

Moderner Vater
Manchmal tanzen ihm die Kinder auch auf der Nase rum: Moderner Vater. (Bild: Getty Images)

1. Aufmerksamkeit
Wenns irgendwie geht oder Frau den Einsatz ultimativ fordert, nehmen sich Väter auch mal Zeit für die Kinder, bringen sie in den Hort, Kindergarten oder die Schule, gehen mit auf den Spielplatz. Aber sind sie auf dem Spielplatz wirklich voll dabei, oder studieren sie an der Arbeit herum? Checken und beantworten auf dem Smartphone Mails und gucken (gefühlt) alle 30 oder 60 Sekunden zu Tochter oder Sohn, die/der hoffentlich genau dann vom Klettergerüst fällt …
2. Sensibilität
Genügend Übung in der Kommunikation und ein feines Sensorium für das Kind werden auch häufig in Zweifel gezogen. Das Kleine bringt seine Wünsche oder Probleme leider nicht immer strukturiert auf den Punkt, oft gilt es Stimmungen «proaktiv» wahrzunehmen und nachzufragen.
3. Konsequenz
Ebenfalls mangle es oft zwar nicht an Liebe, aber in der Erziehung an der Konsequenz. Papa lässt in der Euphorie, einmal ungestört zu zweit etwas unternehmen zu können, dem Nachwuchs alles durch. Oder bisweilen setzt er einen sehr strengen Kontrapunkt und schreitet resolut ein. Die Absprache mit der Frau, welche Leitlinien wirklich befolgt sein sollen, und die Einhaltung derselben lassen zu wünschen übrig.
4. Ausdauer
Die Zeit mit den Kids ist nicht bloss eine Belohnung (schon gar keine Strafe), vor allem ist sie aber keine Auszeit vom Alltag. Sie gehört zum und in den Alltag des Kindes – und jenen der Eltern. Frauen glauben oft festzustellen, dass der Mann den halben Tag oder die Stunden mit Tochter und/oder Sohn wie ein erfolgreich über die Bühne zu bringendes Kurzprojekt ansehen, quasi eine erzieherische Sprintübung. Die Ausdauer, immer dranzubleiben, sich permanent zu interessieren, die fehle.
5. Verständnis
Bösartige Interpretationen des väterlichen Verhaltens gehen auch davon aus, dass den Papas häufig das Verständnis fehlt. Sie könnten sich nicht nur weniger gut und schnell in die Kinder (und auch die Partnerin) hineinversetzen, teilweise verstehen sie auch deren Bedürfnisse nicht, die an sie herangetragen werden. Einfach weil sie nicht aus ihrer Haut heraus können.
WAS MEINEN SIE?
Machen es sich Väter zu einfach mit dem Betreuungsangebot, das sie nie so ernst nehmen wie die Mütter? Liegt das Problem in einem der oben beschriebenen Punkte oder in anderen?
Oder erwarten Frauen einfach genau ihr Verhalten auch von Männern und akzeptieren geschlechterspezifische Unterschiede nicht? Und gäbe es ebenso viele und gravierende Mankos bei den Müttern?

Diskutieren Sie gleich hier in den Kommentaren mit.

Autor: Reto Meisser