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23. April 2012

«Männer schützen sich schlechter»

Die Fälle von gefährlichem schwarzen Hautkrebs steigen rasant. Besonders Männer sind betroffen. Weil sie sich aus Eitelkeit nicht genügend vor der Sonne schützen. Eine Kampagne soll aufklären.

Männer schützen sich in der Regel schlechter vor der Sonne als Frauen. (Bild: Getty Images/Alain Shroder)
Ralph Braun (42) ist Professor für Dermatologie und Dermatoonkologie sowie Leiter der Hautkrebsfrühdiagnostik am Hautkrebszentrum Zürich.
Ralph Braun (42) ist Professor für Dermatologie und Dermatoonkologie sowie Leiter der Hautkrebsfrühdiagnostik am Hautkrebszentrum Zürich.

Ralph Braun (42) ist Professor für Dermatologie und Dermatoonkologie sowie Leiter der Hautkrebsfrühdiagnostik am Hautkrebszentrum Zürich.

Ralph Braun, haben Sie viel zu tun?

Noch nie so viel wie im Moment. Es ist erschreckend.

Worauf führen Sie diese Zunahme zurück?

Es ist ein weltweites Phänomen. In der Schweiz erkranken jährlich rund 2000 Menschen an schwarzem Hautkrebs, der Metastasen bildet. An ihm sterben hier jedes Jahr etwa 250 Menschen. Die Heilungschancen liegen aber bei 95 Prozent. Die Zahl an Neuerkrankungen mit weissem Hautkrebs ist so hoch, dass sie gar nicht erfasst wird. Er bildet selten Ableger. Allerdings müssen wir häufig grosse Flächen im Gesicht, besonders an der Nase oder an den Ohren wegoperieren.

Ist das Ozonloch an der Zunahme schuld oder ist die Bevölkerung aufmerksamer?

Das Ozonloch ist sicher ein Grund. Und natürlich findet man mehr Melanome, je genauer man die Haut kontrolliert. Diese Krebsart eignet sich besser als jede andere für die Früherkennung, denn sie ist ohne Geräte mit blossem Auge identifizierbar, und Haut ist gut zugänglich.

Erkenne ich ein Melanom auch selber?

Bis zu einem gewissen Grad. Es fällt aus der Reihe, unterscheidet sich in der Regel von den anderen Pigmentflecken und entwickelt sich anders.

Kann man auch mehrere Melanome gleichzeitig haben?

Die meisten Menschen haben nur ein Melanom. Wenn schon mal eines da war, ist das Risiko aber erhöht, später ein weiteres zu bekommen.

Sind Hautkrebspatienten auch anfälliger für andere Krebsarten?

Nein, dafür gibt es keine Hinweise.

Warum erkranken Männer trotz dickerer Haut viel häufiger als Frauen?

Ich sage es nur ungern, aber in der Regel schützen sich die meisten Männer schlechter vor der Sonne als Frauen. Das ist ein Faktor. Der andere: Männer gehen seltener zum Arzt. Darum haben sie öfter weit fortgeschrittene Tumore.

Sie leiten die Kampagne der Schweizer Gesellschaft für Dermatologie, die im Mai startet. Was ist geplant?

Jeder, der will, kann Anfang Mai an drei Nachmittagen kostenlos und ohne Voranmeldung einen Dermatologen konsultieren. Die Liste gibt es im Internet unter www.melanoma.ch. Wir wollen aber nicht die ganze Schweiz ausziehen, das macht keinen Sinn. Es geht darum, auffällige Muttermale zu begutachten und Menschen mit erhöhtem Risiko herauszufiltern. Bei der letzten Aktion an der Dermatologischen Klinik Zürich kamen 900 Leute. Sie standen Schlange.

Schürt man mit solchen Aktionen nicht zusätzlich Ängste?

Prävention ist ein zweischneidiges Schwert. Je mehr man auf eine Krankheit aufmerksam macht, desto mehr weckt man auch Befürchtungen. Es ist eine Gratwanderung, die man aber mit guter Information auffangen kann.

Böse gefragt: Ist es auch eine Patientenbeschaffungsmassnahme?

Meiner Einschätzung nach haben Dermatologen in der Schweiz eher zu viel zu tun. Es ist schwierig, einen Temin zu bekommen.

Sprechen Sie Fremde an, wenn Sie ein auffälliges Mal bemerken?

Das tue ich immer, wenn ich einen Hautkrebs sehe. Egal, ob im Tram oder in der Migros. Die Leute reagieren häufig mit Unverständnis, aber ich halte es für meine Pflicht.

www.melanoma.ch

Autor: Ruth Brüderlin