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18. Juni 2012

Männer im Gebärsaal: Pro und Kontra

Sie berichten von Übelkeit und Schweissausbrüchen oder von Freudetränen und unfassbarem Glück: Väter, welche die Geburt ihres Kindes miterleben. Gehören Männer in den Gebärsaal? Die Pro- und Kontra-Argumente.

Ohne die Anwesenheit ihres Partners gebären Frauen besser, behauptet der französische Geburtsmediziner Michel Odent. Denn für viele Schwangere sei die Präsenz des Partners im Gebärsaal ein zusätzlicher Stressfaktor. Dadurch werde mehr Adrenalin und weniger Oxytocin – ein Hormon, das die Kontraktion der Gebärmuttermuskulatur bewirkt – ausgeschüttet. Auch Untersuchungen in England haben ergeben, dass die Geburt bei Schwangeren mit einer weiblichen Begleitperson durchschnittlich kürzer und unkomplizierter abläuft als bei solchen mit männlicher Begleitung. Viele Frauen wünschen oder erwarten trotzdem, dass ihr Partner sie in den Gebärsaal begleitet, und auch die meisten Männer möchten die Geburt ihres Kindes miterleben. Argumente, die dafür bzw. dagegen sprechen:

PRO

  • Die emotionale und mentale Unterstützung eines vertrauten Menschen ist für die Gebärende äusserst wertvoll
  • Bei der Geburt mit dabei zu sein ist wichtig für den Prozess des Vater-Werdens
  • Das gemeinsame Erleben der Geburt ist verbindend und stärkt die Partnerschaft
  • Müssen wichtige Entscheidungen getroffen werden, ist der Kindsvater anwesend
  • Mit der Unterstützung einer Krankenschwester oder Hebamme kann der Vater die Erstversorgung seines Babys im Kreissaal übernehmen. Die Bindung zwischen dem Vater und seinem Kind wird gestärkt.
  • Das Ansehen der Frau steigt in den Augen des Partners

KONTRA

  • Die Anwesenheit des Partners bedeutet zusätzlichen Stress für die Gebärende und stört den Ablauf der Geburt (besonders, wenn er nervös, ängstlich oder gestresst ist)
  • Der Mann steht im Weg und bedeutet für das Krankenhauspersonal eine zusätzliche Belastung
  • Blut und andere Körperflüssigkeiten: Das Mitverfolgen der Geburt kann die erotische Anziehungskraft und das sexuelle Verlangen hemmen
  • Verläuft die Geburt nicht nach seiner Vorstellung empfindet der Kindsvater das Erlebnis als «enttäuschend»
  • Männer sind mit der Situation überfordert, dass sie die Schmerzen der Partnerin nicht lindern können

Autor: Nicole Demarmels