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07. November 2016

Maaaaamiiiii

Mutter blickt in den Autorückspiegel
Wie lange dauert es wohl noch, bis dieses Maaaaamiiiii zu knurren beginnt? (Bild: iStockphoto)

Zeit für ein Muttergeständnis: Gelegentlich wünschte ich, meine Kinder würden nicht jeden an mich gerichteten Satz mit «Mami» beginnen. «Mami, guck», «Mami, sag», «Mami, weisst du was?» Es ist so, als müssten sie sich andauernd versichern, dass ich auch wirklich im Raum bin (und nicht nur eine gehirnlose Körperversion meiner selbst). Ich weiss, was Sie jetzt denken: Die armen Mädchen, nie hört ihnen jemand zu, nie nimmt sie jemand ernst. Au contraire, ma chère! Die beiden haben eher ein AÜS (Aufmerksamkeits-Überangebots-Syndrom).

Hier der Beweis: Das Phänomen tritt insbesondere dann auf, wenn ich mit einer von beiden allein bin. Kaum steige ich mit einer Tochter in unser Auto, geht die Mami-Sagerei los. Kein Satz, keine Frage, kein Ausruf ohne «Mami». (Dass ich mich bei 110 km/h auf der Autobahn auch immer noch nach hinten drehen soll, damit ich auch ja keine Mimen und Gesten verpasse, wenn das Kind Mami etwas erzählt, passt ins Bild.)

Selbstverständlich habe ich die Kinder bereits darauf hingewiesen, wie unnötig das Wiederholen der Mutter-Anrede in solchen Situationen ist. (Es ist ja nicht so, als würde ich plötzlich auf dem Seitenstreifen ausrollen, die Fahrertür öffnen, aussteigen und querfeldein türmen. – Obwohl, lassen Sie mich einen Moment darüber nachdenken...)

Es passt jetzt nur teilweise zu dem oben Beschriebenen, aber mir fällt gerade ein, dass meine Grossmutter meinen Grossvater noch im biblischen Alter von 85 Jahren «Papi» nannte. Obwohl ich das herzig fand, wusste ich dennoch, dass ich das für mich nicht wollte. Herrje, ich bin doch nicht das Mami meines Mannes. Das weiss er übrigens sehr genau. Wenn Herr Leinenbach mich necken will, dann stimmt er inbrünstig in den Mami-Kanon ein, macht gemeinsame Sache mit den Kindern. Omi sagte «Papi» und meinte Herzallerliebster. Mein Mann sagt «Mami» und zieht dabei (metaphorisch gesprochen) eine grosse Tigerdame am Schwanz.

A propos Tigerdame. Ich habe es schon mit Knurren versucht. In der Regel fauche ich spätestens nach dem siebten Mal «Mami» in Folge. Oder ich schmettere mein genervtestes «Jaaaahaaa» zurück. Dann wissen die beiden, dass es mal wieder so weit ist. Ida formuliert von dem Moment an jeweils solche Sätze: «Mami, ich weiss natürlich, dass ich nicht so oft Mami sagen soll, weil wir sowieso alleine im Auto sind, und deswegen sage ich es jetzt nicht mehr, okay, Mami?»

Autor: Bettina Leinenbach