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22. Dezember 2014

Löschzug

Snapchat Recht auf Vergessen
Snapchat bringt das Vertrauen der Menschen ins Internet zurück.

Das Internet vergisst nie. Das ist einer der Gründe, weshalb das Vertrauen ins World Wide Web langsam schwindet. Laut der jüngsten Comparis-Studie ist bei Schweizerinnen und Schweizern das Bewusstsein, im Internet überwacht zu werden, gewachsen. Sogar jeder Dritte fühlt sich bei der Eingabe persönlicher Daten unsicher. Diese Einstellung ist nachvollziehbar – zu viele Nachrichten über Datenverluste machten allein dieses Jahr die Runde.

Doch eine Trendwende ist absehbar: Nur zwei Jahre ist es her, seit Studenten der Stanford-Universität Snapchat entwickelt haben – mittlerweile eine unglaublich beliebte Smartphone-App, mit der sich Texte, Bilder und Videos verschicken lassen. Das Spezielle: Alle übermittelten Daten löschen sich automatisch, nachdem der Empfänger sie gesehen hat. Wer sie nutzt, muss nicht immer seriös sein, kann auch mal ein ungeschminktes Selfie verschicken. Zwar bietet Snapchat keine 100-prozentige Sicherheit, dass ein Bild wirklich verschwindet. Doch vielen Teenagern genügt die Illusion.

Täglich werden via Snapchat 700 Millionen Bilder verschickt – doppelt so viele wie bei Facebook. Würden Daten nicht nur bei Teenie-Apps, sondern grundsätzlich nach einer bestimmten Zeit wieder verschwinden, käme das Vertrauen ins Internet automatisch zurück. Das hat Facebook gemerkt: Das soziale Netzwerk hat begonnen, eine App wie Snapchat zu programmieren. Ein wichtiger Schritt, dem weitere Anbieter folgen sollten.

Autor: Reto Vogt