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11. Juli 2016

Liebesglück dank Schoggi aus der Migros

Eine Tafel Frey-Schokolade diente als Kupplerin, als sich Katja und Claudia erstmals begegneten. Heute sind sie glücklich verheiratet, wenngleich für ihre Beziehung zwei Anläufe nötig waren.

Katja Kriebel und Claudia Graf mit Tourist-Schokolade
Die Tourist-Schokolade spielte eine wichtige Rolle, als sich Claudia (links) und Katja vor 21 Jahren zum ersten Mal begegneten. Sie ist bis heute ein ständiger Begleiter geblieben.

Vor 21 Jahren trafen sich Katja Kriebel (49) und Claudia Graf (46) zum ersten Mal – zufällig und mitten in der Süsswaren­abteilung der Migros Bassersdorf ZH. Als sie vor dem Gestell mit der Tourist-Schoggi standen, nahm Claudia all ihren Mut zusammen und sprach Katja an. Die attraktive Frau war ihr schon am Morgen am Bahnhof in Bassersdorf aufgefallen. «Ich war mit meinem Einkauf eigentlich schon fertig», erinnert sich Claudia. «Aber als ich Katja dann in die Migros kommen sah, überlegte ich mir, was ich zusätzlich noch kaufen könnte.» Ihre Wahl fiel auf die rote Tourist-Schokolade, «meine Lieblingsschoggi seit eh und je». Katja erzählt die Geschichte weiter: «Claudia tippte mich sanft an, wir sprachen kurz miteinander, und schon war sie wieder weg.»

Zweite Chance genutzt

Schon bald kam es zu einer weiteren Begegnung. Wieder in aller Herrgottsfrüh, wieder auf dem Perron. Das Eis war gebrochen. Sie redeten miteinander und fuhren gemeinsam nach Zürich. Katja arbeitete dort als Orientteppich-Restauratorin, Claudia als Coiffeuse. Auch wenn die Anziehungskraft zwischen beiden stark war, so trennten sie sich nach ein paar gemeinsamen Monaten doch wieder. Die Zeit war noch nicht reif, auch weil Claudia noch in einer festen Beziehung steckte. Den Kontakt verloren sie indessen nie ganz, und als sie sich acht Jahre später wieder trafen, funkte es sofort. Und dieses Mal standen die Vorzeichen günstig für eine gemeinsame Zukunft. Sie bezogen eine Wohnung im Zürcher Oberland. Mit Claudia als Partnerin wurde Katja nicht nur zur Katzenliebhaberin, bald teilten sie auch die Vorliebe für die Tourist-Schoggi von Frey. «Davon haben wir immer auf Lager. Sie darf nicht fehlen.»

Vor neun Jahren feierten Claudia und Katja Hochzeit. «Wir heirateten im Winter, im Sommer gab es dann ein grosses Fest für unsere Freunde.» Das Paar hatte nie ein Problem wegen seiner Homosexualität – selbst auf dem Lande nicht, obwohl die Gesinnung dort im Allgemeinen eher konservativ eingeschätzt wird. «Ich erlebe die Leute hier als offen und tolerant», sagt Katja. «Wir werden akzeptiert wie jedes andere Paar auch.»

Das haben die beiden bestimmt auch ihrer Art zu verdanken: «Wir sind immer offen und klar», sagt Katja. «Ich denke, das ist wichtig. Ohne Heimlichtuereien gibt es auch kein blödes Geschwätz.» In den vergangenen Jahrzehnten habe sich die Akzeptanz für gleichgeschlechtliche Beziehungen verändert. Sie finden beide, dass die Gesellschaft toleranter geworden ist. «Dass zwei Frauen ein Paar sind, ist heute normal

Nicht ohne die «Tourist» in die Natur

Heute arbeitet Claudia im sozialen Bereich, Katja als Sachbearbeiterin in der Buchhaltung. Seit fünf Jahren wohnen sie mit ihren fünf Katzen in einer Loft in einer ehemaligen Weberei. «Wir leben total im Grünen, ab vom Schuss», sagt Claudia. Sie erfreuen sich an der Umgebung vor ihrer Haustür und sind oft in der Natur unterwegs. Was weder auf Wanderungen und Spaziergängen noch am Abend beim gemütlichen Fläzen auf dem Sofa fehlen darf, ist die rote Tourist.

Doch so sehr sie ihre Lieblingsschoggi verehren, so gut wissen sie auch, dass man Schokolade nur in Massen geniessen sollte. Dank einer Ernährungsumstellung haben sie im vergangenen Jahr in 20 Wochen 20 Kilogramm ab­genommen – ohne ganz auf die Tourist-Schoggi zu verzichten. «Wir geniessen sie umso mehr», sagt Claudia und betont, wie froh sie sind, dass es die süsse Verlockung auch als Riegel gibt. «So können wir nach wie vor eine ganze Packung ver­drücken – ohne schlechtes Gewissen», sagen beide, fast wie aus einem Mund.

Autor: Claudia Langenegger

Fotograf: Paolo Dutto