Archiv
08. Oktober 2012

Licht ins Dunkel bringen

Lange Nächte, kurze Tage mit viel zu wenig Licht: Im Winter leiden zehn Prozent der Schweizer unter sogenannten saisonal abhängigen Depressionen (SAD). Abhilfe schaffen kann eine Lichttherapie.

Therapielampen simulieren das Sonnenlicht
Therapielampen simulieren das Sonnenlicht und werden als Mittel gegen Winterdepressionen eingesetzt. (Bild Your Photo Today)

Infos und Tipps: Was verursacht SAD genau, und worauf muss bei der Lichttherapie geachtet werden?

Schon Ende September werden die kürzeren Tage mit Unbehagen registriert. Die eine Stunde mehr Schlaf, die uns die Umstellung auf Winterzeit am 28. Oktober beschert, macht nicht wett, dass es ab dann noch früher dunkel wird. Damit müssen wir leben, es wird ja wieder heller, und wir wissen zum Glück ab wann.

Manchen Menschen hilft diese Kenntnis wenig, sie ertragen die lange Dunkelheit nur schwer. Das schlägt auf das Gemüt. Saisonal abhängige Depression, kurz SAD, nennt sich dieses Phänomen.

Zu den Symptomen gehören Antriebslosigkeit, trübe Stimmung, ein erhöhtes Schlafbedürfnis und Appetit auf Kohlenhydrate. Die Beschwerden tauchen in der dunklen Jahreszeit auf und verschwinden im Frühjahr wieder.

Menschen, die unter SAD leiden (siehe den kurzen Selbsttest rechts), brauchen sich nicht zu schämen. Rund 10 Prozent der Menschen in der Schweiz sind davon betroffen. Und man kann etwas dagegen tun. «Licht ist die Therapie der ersten Wahl bei Winterdepression, es ist ein sanftes Medikament für eine ernstzunehmende Erkrankung», sagt Anna Wirz-Justice vom Zentrum für Chronobiologie an der Uni Basel.

Licht wirkt ähnlich wie ein Antidepressivum
«Licht wirkt schnell, und es beeinflusst die gleiche Hirnregion wie ein Antidepressivum», erklärt die Expertin. Die Rezeptoren dafür sitzen in den Augen. «Man könnte Licht auch bei einer normalen Depression einsetzen», ergänzt sie, «das dauert zwar länger als Medikamente, wirkt aber auch.»

Ihre Patienten seien beeindruckt von der Effizienz einer Lichttherapie, so Wirz-Justice. Ausserdem koste sie wenig und habe keine Nebenwirkungen. Sie rät aber davon ab, sich selbst zu therapieren. «Bei Depressionen braucht es eine Diagnose und einen behandelnden Arzt, der die optimale Therapie verordnet», erklärt sie.

Für die Lichttherapie sind spezielle Lampen nötig, die von der Krankenkasse bezahlt werden. Eine Behandlung erstreckt sich über mehrere Wochen, täglich 30 bis 60 Minuten. Die Stärke des Lichts sollte mindestens 10 000 Lux betragen. Zum Vergleich: Eine Arbeitslampe bringt es auf 750 Lux, ein Sonnentag dagegen auf 100'000 Lux. Selbst an bewölkten Tagen beträgt die Luxzahl im Freien noch 20 000, so können auch regelmässige Winterspaziergänge helfen.

Fotograf: Sabine Müller