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15. Mai 2017

Libor- oder Festhypos bei steigenden Zinsen?

Die Zinsen ziehen bald wieder an. Sind nun Libor- oder Festhypotheken angesagt? Die Antwort von Sacha Marienberg (39), Leiter Investment Center bei der Migros Bank.

Entwicklung der Hypothekarzinsen
So haben sich die Hypothekarzinsen entwickelt. (Quelle: ENS, Reuters)

Der seit Jahren andauernde Rückgang der Zinsen scheint allmählich seinen Boden erreicht zu haben. Die US-Notenbank hat ihren Leitzins Mitte März um weitere 0,25 Prozentpunkte angehoben. Der Leitzins notiert in den USA bereits 0,75 Prozentpunkte über dem Tiefstand nach der Finanzkrise. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte ihre äusserst lockere Geldpolitik ab dem kommenden Jahr leicht straffen, indem sie ihre Anleihenkäufe schrittweise reduziert.

Leitzinserhöhungen werden für die EZB hingegen frühestens Ende 2018 zum Thema. Gleiches gilt für die Schweizerische Nationalbank (SNB), die die Zinspolitik der EZB aus Währungsüberlegungen nachvollziehen muss. Bis dahin verharren die Leitzinsen der EZB und der SNB in negativem Terrain. Negativzinsen haben jedoch erhebliche Nebenwirkungen. Sie belasten unter anderem die Vorsorgewerke und begünstigen die Blasenbildung an den Finanzmärkten. Aus diesen Gründen sind beide Zentralbanken bestrebt, ihren Leitzins wieder in den positiven Bereich zurückzuführen.

In unserem Szenario werden die langfristigen Zinsen diese Trendwende der Geldpolitik ab der zweiten Jahreshälfte 2017 vorwegnehmen und etwas anziehen. Bei Schweizer Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit rechnen wir bis in einem Jahr mit einem Renditeanstieg von 0,25 Prozentpunkten. Dies bedeutet, dass sich auch die Zinssätze für Festhypotheken allmählich von ihren Tiefständen lösen werden. Für risikoscheue Kreditnehmer erscheint der Zeitpunkt für den Abschluss einer Festhypothek deshalb besonders günstig. Der Zinsaufschlag von Festhypotheken gegenüber Libor-Hypotheken ist zurzeit noch äusserst gering. In einem Umfeld steigender langfristiger Zinsen wird er sich jedoch langsam ausweiten.

Für risikofreudigere Kreditnehmer ist indessen nicht zwingend eine Festhypothek angezeigt. Bis in zwei bis drei Jahren ist zwar auch für Libor-Hypotheken mit höheren Zinskosten zu rechnen, der Zinsaufschlag gegenüber heute dürfte jedoch überschaubar bleiben. Einerseits ist mit ersten Leitzinserhöhungen der SNB nicht vor Ende 2018 zu rechnen, andererseits werden die Zinsen von Libor-Hypotheken erst dann spürbar nach oben tendieren, wenn der Leitzins dereinst wieder im positiven Bereich notiert.

Autor: Sacha Marienberg