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07. Oktober 2013

Bern dreht Hahnen auf

Leitungswasser ist ökologischer, deshalb tischt die Stadt Bern jetzt kein Mineralwasser mehr auf.

Brunnen in der Berner Altstadt
Frisch auf den Tisch: Bern fördert den Genuss von Hahnenwasser. (Bild: Valerie Chetelat)

Stadtverwaltung und Uni in Bern verzichten künftig auf Mineralwasser. Als erste Hauptstadt Europas wurde Bern nämlich mit dem kanadischen Label «Blue Community» ausgezeichnet. Damit hat sich die Stadt zu einem sorgfältigen Umgang mit Wasser verpflichtet. Es geht auch darum, aufzurütteln. «Wasser gehört dem Volk und sollte ein öffentliches Gut sein, überall auf der Welt», sagt Stadtpräsident Alexander Tschäppät (61). «Es wird aber mehr und mehr zu einer Handelsware.»

Auch in der Schweiz. «Kaufen wir Wasser in Flaschen ein, treiben wir die Privatisierung dieses öffentlichen Guts voran», sagt Tschäppät. Unsinnig sei auch, dass das Getränk aus dem Ausland herangekarrt werde. Abfüllung, Verpackung und Transport brauchen um die tausendmal mehr Energie als die Verteilung von gleich viel Leitungswasser.

Doch es geht um weit mehr: «Uns ist gar nicht bewusst, wie verheerend die Situation um das kostbare Nass weltweit ist», sagt der Stadtpräsident. Etwa drei Millionen Menschen sterben pro Jahr wegen verschmutzten Wassers, mehrere hundert Millionen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. So will sich Bern auch vermehrt für internationale Wasserprojekte einsetzen.

«Gerade weil wir Frischwasser im Überfluss haben, müssen wir dazu Sorge tragen», sagt Alexander Tschäppät. Auch Private sollen nachziehen. «Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, dass man sich in Restaurants mit Leitungswasser bedienen kann.» Ein striktes Mineralwasserverbot hält Tschäppät für überflüssig: «Besser ist, mit gutem Beispiel voranzugehen.»

Dass ausgerechnet Bern mit dem «Blue Community»-Label geehrt wurde, ist kein Zufall. Trinkwasser gehört zwar in der ganzen Schweiz der Allgemeinheit. Jedoch ist Wasser heute ein politisches Thema. Und so ist Bern als Politzentrum der richtige Ort, um als Botschafterin in Sachen Wasser zu wirken.

Autor: Claudia Langenegger