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11. August 2014

Lea Bloch startet durch

Sie gilt als eines der grossen Schauspieltalente. Nun ist Lea Bloch zum ersten Mal in einem Schweizer Spielfilm zu sehen. Doch bevor sie durchstartet, muss sich die 18-jährige Zürcherin erst auf die Matura vorbereiten.

Der Filmstart von «Sitting next to Zoe» naht, und seit einigen Wochen sieht Lea Bloch sich nun immer häufiger auf Plakatwänden. «Das ist schon ein bisschen seltsam», findet die 18-jährige Zürcher Gymnasiastin. Ansonsten hat sie jedoch ein ungebrochen positives Verhältnis zu ihrem ersten Ausflug in die Kinowelt.

«Es hat alles grossen Spass gemacht, das Casting, die Dreharbeiten, die ersten Filmpremieren...» Am Filmfestival Alice nella Città in Rom ist sie einen Tag nach Scarlett Johansson über denselben roten Teppich gelaufen. «Das war schon sehr cool.» Persönlich begegnet ist sie dem US-Filmstar jedoch nicht, denn Leas Film trat in der Jugendsektion an, wo er dann auch sehr gut ankam.

Die 18-jährige Lea Bloch im neuen Zürcher Kino Houdini: Zur Eröffnung am 21. August wird ihr Film gezeigt.
Die 18-jährige Lea Bloch im neuen Zürcher Kino Houdini: Zur Eröffnung am 21. August wird ihr Film gezeigt.

Dass Lea Bloch die Rolle der jungen Türkin Asal bekommen hat, war angesichts der enormen Konkurrenz nicht selbstverständlich. 500 Mädchen waren nach Zürich zum Casting für «Sitting next to Zoe» geströmt. «Aber viele hatten überhaupt keine Erfahrung und nur schon deshalb keine Chance», sagt Lea. Sie hat nicht nur bereits in Schultheatern mitgespielt, sondern auch in einigen Werbespots. «Und ich war wohl auch der Typ, den sie suchten. Eigentlich wollten sie zuerst eine, die tatsächlich einen türkischen Hintergrund hat, aber dann fanden sie, dass ich mit meinen dunklen Haaren gut zur Rolle passe.»

Im Film sind Asal und Zoe (die Deutsche Runa Greiner) beste Freundinnen, aber während die ruhige Asal den Sprung ans Gymnasium schafft, soll die freche, rebellische Zoe eine Lehre als Verkäuferin in einem Supermarkt anfangen, was ihr gar nicht passt. Als die Freundinnen den jungen Kai kennenlernen (gespielt vom Schweden Charlie Gustafsson) und beide Gefühle für ihn entwickeln, wird die Mädchenfreundschaft auf eine harte Probe gestellt.

Während der sechswöchigen Dreharbeiten im Sommer 2012 war Lea praktisch gleich alt wie ihre Filmfigur. «Es geht so», sagt sie auf die Frage, für wie realistisch sie die Story hält. «Einiges könnte schon so passieren, aber mir sicher nicht», erklärt sie lachend. «Und wegen der Sprache haben wir teilweise heftig mit der Regisseurin Ivana Lalovic diskutiert, weil da manchmal Worte im Drehbuch standen, die wir nie sagen würden.» Schliesslich erlaubte ihnen die schweizerisch-bosnische Regisseurin, es so zu sagen, wie sie es passend fanden. «Das Ergebnis ist jetzt ganz okay», findet Lea.

Die Sexszene war am Ende gar nicht so schlimm.

Und insgesamt haben ihr die Dreharbeiten grossen Spass gemacht. «Wir haben uns alle gut verstanden, mit Runa bin ich heute noch regelmässig in Kontakt.» Leas Co-Stars stehen in Deutschland und Schweden schon wieder vor der Kamera. «Charlie hat bereits einen richtigen Fanclub junger Mädchen, die ihn anhimmeln.» Vor der Sexszene, die sie mit dem jungen Schweden im Film hat, fürchtete sie sich dennoch ein bisschen. «Aber am Ende war es gar nicht so schlimm. Wir haben die Szene mit unserem Coach vorher genau besprochen, und beim Drehen selbst war es dann sehr technisch. Jede Bewegung war exakt durchchoreografiert.»

Bereits mit zehn Jahren sammelte Lea Bloch erste Erfahrungen vor der Kamera einer Werbeproduktion. «Eine Freundin unserer Familie liess sich damals in die Kartei einer Castingagentur eintragen, und dann wollte mein drei Jahre älterer Bruder das auch unbedingt. Mich haben sie auch gefragt, und ich dachte, warum nicht.» Ihr Bruder Joel Bloch ist noch heute regelmässig in Werbespots zu sehen. «Unsere Eltern haben uns immer unterstützt und sind mächtig stolz auf uns», sagt Lea und lacht.

Dass sie als Jüdin im Film eine Muslimin spielt, hat sie nicht weiter beschäftigt. «Es gibt ja keine religiöse Komponente im Film, und selbst wenn, es wäre letztlich einfach eine Rolle.» Auch im realen Leben ist sie nicht sonderlich religiös, war aber bis vor kurzem Leiterin im jüdischen Jugendbund Hagoschrim, den sie nun nach elf Jahren verlassen hat. «Schweren Herzens, aber es heisst ja immer, man soll gehen, wenn es am schönsten ist.»

Geld verdienen, reisen, und dann vielleicht ein Studium.

Und natürlich beschäftigen sie die Kämpfe in Israel. «Wir haben Familie dort und wollten sie eigentlich in den Sommerferien besuchen. Aber am Ende haben wir umgebucht.» Zudem fällt ihr die starke Kritik an Israel und den Juden auf, die sie überall hört. «Wir selbst werden nicht direkt angesprochen, aber es ist schon ein etwas seltsames Gefühl.»

Fast zeitgleich mit dem Start des Films in den Kinos beginnt nun für Lea Bloch auch ihr letztes Jahr am Zürcher Literargymnasium Rämibühl. Bis zur Matura kommt noch einige Arbeit auf sie zu. Danach will sie auf jeden Fall ein Zwischenjahr einlegen. «Etwas Geld verdienen und damit reisen gehen. Danach vielleicht ein Studium.» Das zumindest ist der Plan. Käme ein weiterer Film dazwischen, würde sie aber nicht Nein sagen.

Fotograf: Gian-Marco Castelberg