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12. Oktober 2015

Lausige Zeit

Eine Laus
Und so sieht das Mistviech aus ... (Bild: Keystone)

Es ist einfach so: Das Christkind bringt Geschenke, der Osterhase Eier – und der Herbst, der bringt Läuse. Milliarden davon. Garantiert und alle Jahre wieder. Dieser Tage flatterte mal wieder ein Läusealarm in unser Haus. «Chribbelchrabbel im Chindsgi, bitte kontrollieren Sie die Häupter Ihrer Lieben …» Okay, alles klar.
Ich bin nicht mehr so panisch wie im ersten Jahr, der Pseudojuckreiz auf meinem Kopf ist auch (fast) verschwunden. Wir haben zwischenzeitlich eine Läuse-Routine entwickelt. Das ist gut, wenn Sie mich fragen.
Auf den Zettel folgt das Ritual: Kinderhaare einshampoonieren, auswaschen, Spülung drauf, Läusekamm her – und dann Strähne für Strähne durchkämmen. Obwohl wir noch nie ein illegal eingewandertes Insekt überführen konnten, nehmen wir es genau mit diesen Kontrollen. Wir leben ja schliesslich in einem Rechtsstaat, hier darf nur rein, wer sich ordnungsgemäss angemeldet hat. Aber eben, alles schön mit Augenmass.

Letzteres fehlt mir ein wenig, wenn es darum geht, mögliche Läuseherde in der Peergroup auszumachen. Das kann man doch verstehen, Gopferdammi noch mal! Wir Mamis wollen wissen, wer mit einer Insektensammlung auf dem Kopf herumläuft, wollen die «Bedrohungslage» einschätzen können. Was kümmert es mich, wenn die kleine Susi Läuse hat? Noch nie von dem Kind gehört. Wenn hingegen die kleine Klara die Tierchen beherbergt, dann sieht die Sache gleich ganz anders aus. Denn Klara wohnt gewissermassen bei uns. Ist doch wahr, oder?

Müsste man nicht die Namen der befallenen Kinder und die Namen von deren Läusen veröffentlichen? Zum Beispiel in Form eines Chribbelchrabbel-Newsletters? Ich deponiere das jetzt einfach mal bei Ihnen. Ich würde die Schaffung eines «Lausregisters» echt begrüssen. Das wäre doch sogar eine Volksinitiative wert. Da die Kindergärtnerinnen und Lehrerinnen naturgemäss mit diesen wichtigen Infos geizen, muss Frau halt auf anderen Wegen an Namen kommen.
Ich für meinen Teil verhöre meine Töchter gern beim Zmittag. (Keine Angst, total subtil und alles unter Einhaltung der Menschenrechte.)
Hier ein Gesprächsprotokoll, falls Sie meine Taktik übernehmen wollen:
«Schätzeli, auf dem Zettel steht, in eurer Chindsgigruppe hat es Läuse. Wer genau hat denn Läuse?»
«Keine Ahnung, Mami.»
«Willst du noch mehr vom Broccoli? Und hat heute jemand bei euch gefehlt?»
«Nein und nein.»
«Sonst was Besonderes?»
«Och, nur, dass sich die N. im Stuhlkreis dauernd am Kopf gekratzt hat. Aber sonst? Nein, alles normal.»
«Andere Frage: Trägt eines der Kinder die Haare seit Neuestem zusammengebunden? In Rastazöpfen? Oder gar einen Turban? Ja?»
«Der C. hat gesagt, sein Mami hat gesagt, er muss ein neues Shampoo nehmen.»
«Noch ein Fischstäbchen, Schätzeli?»
«Nein, ich bin satt. Und ausserdem kommen die N. und der C. gleich zum Spielen vorbei.»

Im Ernst: Warum können wir das Lausproblem nicht sachlicher angehen? Es muss niemandem peinlich sein, wenn ausgerechnet sein Kind einen Privatzoo eröffnet hat. Kopfläuse gehören zum Homo sapiens wie der Ketchup zu den Pommes frites. Ein Befall hat weder was mit mangelnder Hygiene noch was mit Vernachlässigung zu tun.
Also bitte: Sprechen Sie es laut und deutlich aus, wenn Ihre Kinder betroffen sind, greifen Sie zum Telefon, posten Sie es auf Facebook. Und vergessen Sie die Sache mit der Scham. Wenn wir das alle machen, interessiert es bald niemanden mehr, ob nun die N. oder der C. die Kopfläuse zuerst hatte. Ich gehe diesbezüglich gern mit gutem Beispiel voran. Wenn wir denn endlich mal eine verdammte Laus finden würden. Sie hören von mir ...

Autor: Bettina Leinenbach