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16. Februar 2015

Laurin Buser: «Für Inspiration braucht man ein Mass an Alleinsein»

Slam-Poet Laurin Buser steht gerade mit seinem dritten Soloprogramm im Basler Tabourettli auf der Bühne. Privat kocht er wie ein Profi, hört französische Chansons oder hängt mit seinen Mitbewohnern beim Schachspielen ab.

Künstler-WG
Künstler-WG: «Mein Mitbewohner Janick Zebrowski (links) ist Fotograf und Breakdancer, Mischa Nüesch ist Soundproduzent. Wir alle sind leidenschaftliche Schachspieler.»
Laurin Buser
Laurin Buser (23)

Name: Laurin Buser (23)

Sternzeichen: Jungfrau

Wohnort: Basel

Wieso leben Sie in Basel?
So hart das klingt: Weil ich es noch nicht geschafft habe wegzugehen. Ich mag den dörflichen Charakter von Basel, man kennt sich hier, man verliert sich hier nicht in der Anonymität.

Wo würden Sie gern leben?

In Hamburg oder auf den Bahamas. Hamburg, weil ich den Vibe dieser Stadt einfach liebe. Für Auftritte allein bin ich schon rund sechs Mal pro Jahr dort. Das ist mein zweites Daheim. Bahamas, weil dort das Wetter immer geil ist.

Beruf und Lebenslauf
Aufgewachsen in Arlesheim BL. In den Jahren 2007 und 2008 wurde ich U20-Poetry-Slam-Schweizer-Meister, 2010 gewann ich die deutschsprachige U20-Meisterschaft. Seit meinem Schulabschluss vor vier Jahren bin ich selbständig als Slam-Poet und Musiker tätig. Vor einem Jahr habe ich mein erstes Hip-Hop-Album «Nachtaktiv EP» veröffentlicht, momentan stehe ich mit meinem dritten Soloprogramm «Elektrisch» auf der Bühne.

Mein Ziel
Im Suchmodus zu bleiben. Ich will mich nie auf mich selbst festlegen und mich permanent weiterentwickeln.

Meine Spezialität
Türkischer Feigen-Zwiebeln-Eintopf mit Lamm. Es gibt nichts Verbindenderes als gutes Essen.

Die Brüder Karamasow
MEINE LEKTÜRE: ‹Die Brüder Karamasow›

MEINE LEKTÜRE: ‹Die Brüder Karamasow› hat mich das letzte halbe Jahr begleitet. Ein Buch über eine längere Zeit zu lesen, ist wie eine Serie zu gucken, nur intensiver. Man fühlt sich mit den Charakteren verbunden.

Meine Künstler-WG
«Mein Mitbewohner Janick Zebrowski (links) ist Fotograf und Breakdancer, Mischa Nüesch ist Soundproduzent. Wir alle sind leidenschaftliche Schachspieler. Dazu hören wir klassische Musik, damit es sich wie Hochkultur anfühlt. Sie trainieren ihr Hirn, ich meinen Bizeps.»

Meine Stadtoase
«Das Bruderholz ist zu Fuss bequem erreichbar. Für Inspiration braucht es ein gewisses Mass an Alleinsein. Ich habe auch meine Abschlussarbeit über ‹Einsamkeit› geschrieben und ging eine Woche allein in den Wald. Ich bin fast durchgedreht, das war zu viel des Guten.»

Mein Sound
Mein Sound

MEIN SOUND: Es geht nichts über französische Chansons wie ‹La Bohème› von Charles Aznavour. Bei solchen Songs geht es zu 100 Prozent um Gefühl. Ich liebe die Inbrunst, mit der die Künstler auf der Bühne performen.

Mein Lieblingscafé
«Das Caffè Fortuna ist bei mir direkt um die Ecke. Dort arbeiten super liebe Menschen. Ich halte dort oft Besprechungen ab oder lese Zeitung.»

Bühnenprogramm: «Elektrisch»
Mein Bühnenprogramm: «Elektrisch»

MEIN BÜHNEN­PROGRAMM: In meinem Soloprogramm ‹Elektrisch› geht es um das digitale Zeitalter und die Informationsgesellschaft. Mein musikalischer Sidekick auf der Bühne ist mein Kumpel Jonas Darvas.

Meine Leidenschaft
«Ich liebe es, für Freunde zu kochen. Es ist für mich eine Mischung aus einfachem Handwerk und Kreativität. In unserer Küche steht übrigens auch die Dusche. Es gibt keinen Duft, der mehr nach zu Hause riecht als Head and Shoulders, vermischt mit angedünsteten Zwiebeln.»

Lieblingsprodukt: Zitronen-Wasserglacé
Mein Lieblingsprodukt: Zitronen-Wasserglacé von Migros Budget

MEIN LIEBLINGSPRODUKT: Die Zitronen-Wasserglacé von Migros Budget ist einfach ein Klassiker, der immer geht.

Was ich mag

Kochen, Kaffee, Gespräche, auf der Bühne stehen, hohe Räume und Geschwindigkeit. Letzteres in Bezug aufs Arbeiten.

Was ich nicht mag

Zu viel Koriander, zu breit geschnittene Hosen, Fernsehen, Neid.

Was ich an mir mag:

Dass ich ehrlich, selbstreflektiert und manchmal ein Tagträumer bin.

Was ich an mir nicht mag
Genau das Gleiche wie das, was ich an mir mag.

Mein Tick
Ich kaue Fingernägel. Und das wirklich präzis. Ich habe meine Nägel noch nie geschnitten. Sie sehen immer perfekt gefeilt aus.

Meine schlechteste Eigenschaft

Meine Aufmerksamkeitsspanne ist ziemlich kurz.

Mein bester Entscheid

Dass ich 2007 an meinen ersten Poetry­Slam nach Kreuzlingen TG gefahren bin. Ich bin froh, dass ich damals den Mut hatte, das einfach auszuprobieren.

Mein schlechtester Entscheid
Letzthin bin ich aus meinem Atelier in den Schnee hinausgegangen, um ein Selfie zu schiessen. Da merkte ich, dass ich mich ausgeschlossen hatte, der Kaffee auf dem Herd stand und mein Handy­akku leer war. Zum Glück konnte ich mit einem anderen Telefon meinen Vater erreichen, der mit mir das Atelier teilt. Er hat meine Mutter angerufen, die kam dann mit dem Taxi angefahren. Es war schon alles voller Rauch.

www.laurinbuser.ch

Autor: Silja Kornacher