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18. Juni 2012

Lasagne- und Lilienblätter

Man nehme: 400 g Zucchetti, 1 Bund Basilikum, 1 Zitrone (abgeriebene Schale), 200 g Reibkä… «Vati! Wie viel gibt acht mal acht?» — «Acht mal acht gibt … Hans! Das weisst du doch selber!» Wo war ich? 200 g Reibkäse. «Ah ja, stimmt: … schiiss i d Hose links u rächts!», ruft Hans dazwischen. Ich: «Hä? Gibts den blöden alten Vers noch immer? Reimt nicht mal richtig …» — «Aber, Vati, den hast doch du mir beigebracht: ‹Acht mal acht git vieresächzg — schiiss i d Hose links u rächts›!»

Noch mal. Man nehme: 1 Bund Basilikum … Hatten wir schon. Wo war ich? Dings, ääh … Hier: einen halben Liter Milch, drei Esslöffel Mehl, Lasagneblätter (vorgekocht, ca. 12 Stück), Salz, Muska… «Vatiii! Komm!», schreit nun Anna Luna, «sag, stimmt dieser Satz? ‹Die Blätter der Josua-Palmlilie sind …›» — «Die Blätter der was?!» — «… der Josua-Palmlilie.» — «Was ist das denn?» — «Dänk der Joshua Tree.» — «Aha, dieser kurlige Baum in der kalifornischen Wüste? Dann schreib doch Joshua Tree!» — «Nein, Mann, ist ja gar kein Baum.» — «Aber die Amis sagen so …» — «Mann, Vati, mein Biolehrer ist kein Ami, ich muss es übersetzen. Also: ‹Ihre Blätter sind mit Wachs überzogen, um jeden Wasserverlust zu vermeiden›, hab ich für meinen Vortrag geschrieben. ‹Sie nimmt das für die Photosynthese nötige Kohlenstoffdioxid während der Nacht auf und speichert es in ihren Zellen bis zum nächsten Tag.› Stimmts?» – «Woher soll ich das wissen?» — «Vatiiii! Weisst du denn gar nichts?»

Ach, man hat nie Feierabend!
Ach, man hat nie Feierabend!

Doch. Dass man die Zucchetti in dünne Scheiben schneiden muss. Und ich bin im Bild über Hannibals Ende. «‹Ein Mann von grossem Geiste liefert sich niemals dem Feind aus›, dachte Hannibal, und nahm das Gift, das er immer bei sich trug.» So musste Tochterherz es letzte Woche aus dem Lateinischen übersetzen. Ferner habe ich nun eine Ahnung von Zürcher Geografie. In der war ich, im Bernbiet aufgewachsen, bisher sehr schwach. Aber nun weiss ich, wie die Ustermer Aa verläuft, wie hoch der Bachtel ist und weshalb ich im Falle eines Auswärtsspiels in Pfäffikon darauf achten muss, ob ich ins Zürcher Oberland oder in den Kanton Schwyz fahren müsse. Hab ich alles mit Hans gebüffelt. Dann lernte ich die Attraktionen des Bezirks Hinwil kennen: Sauriermuseum, Dampfbahn, Zwölfistein — der Bub musste einen Vortrag darüber halten. Nebenbei: «Die Klarinette ist ein sogenanntes Einfachrohrblattinstrument», hiess es in einem Referat von Anna Luna. Und … was wollte ich eigentlich kochen?

Ach, man hat nie Feierabend!

Ach, ich sage Ihnen: Man hat nie Feierabend. (Ja, ja, ich weiss: Man soll den Kindern nicht bei den Ufzgi helfen. Aber man tut es ja doch. Sie etwa nicht? Eben.) Und wenn ich mich dann endlich doch vor dem TV aufs Sofa sinken lasse, verpasse ich garantiert Schewtschenkos Kopftor, weil ich in einer Ecke der Wohnstube eine Spinnwebe entdeckt und mich wieder erhoben habe. Oder ich poliere, wenn Di Natale einschöbe, grad Kinderfingerabdrücke von einer vertapten Schranktür. Und, Sie! Was ich gar nicht ertrage, ist der Anblick des EM-Studios auf SF2. Seit Tagen ist dort der Rahmen eines Bildschirms, auf dem strittige Szenen gezeigt werden, eindeutig vertapt. Was sage ich, «vertapt»? Völlig verschmiert! Ich zucke und kanns nicht ändern. Darf ich, lieber Rainer Maria Salzgeber, bitte mal kurz vorbeikommen und das polieren? Ich drehe sonst durch vor dem Fernseher.

Bänz Friedli live: 22. 6. Herzogenbuchsee BE, Earthquake Festival.

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Autor: Bänz Friedli

Fotograf: Bänz Friedli