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07. Dezember 2015

Langeweile – was tun?

Kinder sind ungeduldig, sie wollen aktiv sein. Statt Beschäftigung anzubieten, ist es wichtig, ihnen vielEigeninitiative zu lassen.

Langeweile: Oft reicht ein Stichwort, um die Lust auf ­Betriebsamkeit zu wecken
Langeweile: Oft reicht ein Stichwort, um die Lust auf ­Betriebsamkeit zu wecken (Bild: Getty Images).

Die fünfjährige Selina ist wieder einmal schlecht aufgelegt und beklagt sich über Langeweile. «Ich komm gleich», sagt Mami Martina, die gerade die Küche aufräumt.

Dann hält sie aber plötzlich inne und sagt: «Willst du nicht vielleicht etwas zeichnen? Emma hat doch morgen Geburtstag. Oder deine Plunderkiste aufräumen?» Selina entgegnet sofort: «Ich mache eine Zeichnung!» Und schon schwirrt sie ab.

Mami ist froh. Wenig hätte gefehlt, und sie hätte sich überlegt, was sie mit Selina ­unternehmen könnte –trotz all der Hausarbeit.

Welche Eltern kennen das nicht: Dem Kind ist es langweilig, und schon steht man unter Zugzwang, ihm etwas Interessantes zu bieten. Doch das ist falsch. «Es ist nicht Aufgabe der Eltern, das Kind ständig zu beschäftigen», sagt Sascha Neumann (40), wissenschaftlicher Leiter des Zentrums für frühkindliche Bildung an der Uni Freiburg.

«Dass Sie die Sorgeverantwortlichen sind, heisst nicht, dass Sie Ihren Kindern rund um die Uhr ein Animationsprogramm anbieten müssen.» Tun dies Erwachsene, setze sich beim Kind das Gefühl fest, die Eltern seien stets für die Freizeitgestaltung zuständig.

Sinnvoller ist es, Ideen anzubieten oder das Kind in die eigenen Aktivitäten einzubinden: Es hilft mit, Gemüse zu waschen oder die Spülmaschine auszuräumen. «Das kommt oft gut an, das Kind erfährt dadurch Zugehörigkeit», sagt der Erziehungswissenschaftler.

Langeweile steht am Anfang von etwas Neuem

Langeweile ist ganz normal: Sie markiert das Ende einer Tätigkeit und den Beginn einer neuen. Sie ist also absolut kein Grund zur Sorge. Fehlen aber dem Kind gleichaltrige «Gspänli» zum Spielen, wird es ihm schneller langweilig. Ebenso, wenn es zu häufig vor dem Fernseher, an Games oder dem Computer klebt.

«Ist man zu sehr auf solche Medien fixiert, verliert man leicht alternative Freizeitbeschäftigungen aus den Augen», sagt Neumann. Und: Der Reiz dieser Medien ist irgendwann einmal erschöpft.

Autor: Claudia Langenegger