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24. August 2015

Nach dem Herzinfarkt: Der lange Weg zurück

Ein Herzinfarkt verändert alles. Damit ein Herz wieder leistungsfähig wird, braucht es viel Training – und vor allem ein Umdenken.

Jogging mit Hund
Damit ein krankes Herz wieder in Form kommt, muss es gefordert werden. Bewegung ist die beste Medizin. (Bild: )

Er kündigt sich in den allermeisten Fällen an: der Herzinfarkt. Intensive linksseitige Oberkörperschmerzen, Druck auf dem Brustkorb häufig begleitet von Schmerzen im linken Arm oder am Hals, das Atmen fällt schwer. Ab diesem Zeitpunkt muss es schnell gehen. Sauerstoff, Morphinschmerzmittel, Herzmedikamente, Blutverdünner. Sogleich stellt sich auch die Frage nach möglichen invasiven Therapien wie Herzkatheteruntersuchungen, um den Blutpfropf abzusaugen oder Stents einzulegen zum Offenhalten der Herzkranzarterien. Manchmal ist gar eine Herz-Bypass-Operation zur Überbrückung verschlossener Blutgefässe nötig.

Fit für den Alltag durch Rehabilitation
Im Anschluss an den Spitalaufenthalt folgt die zweite Phase der Rehabilitation, die bei Notwendigkeit einer medizinischen Überwachung oder bei gewichtigen Nebenerkrankungen vier Wochen lang stationär durchgeführt wird.
Viele Institutionen bieten die Möglichkeit einer ambulanten Herzrehabilitation an. Diese dauert in der Regel 12 Wochen. Studien haben gezeigt, dass bewegungsbasierte Rehabilitationsprogramme die Todesrate deutlich senken können.
Vor Beginn wird eine umfassende Eintrittsuntersuchung und ein Herzbelastungstest auf dem Veloergometer durchgeführt und daraus die Trainingsempfehlung abgeleitet. Dazu gehört auch eine detaillierte Besprechung der fortan benötigten Medikamente.

Damit ein krankes Herz wieder leistungsfähig wird, muss es gefordert werden. Die ambulante Rehabilitation umfasst drei Mal wöchentlich ein Ausdauertraining (z. B. Indoor-Velotraining) unter Aufsicht und in der Regel am Herzrhythmusmonitor. Ergänzend werden begleitete Aussenaktivitäten in der Gruppe wie Wandern oder Ausfahrten mit dem Elektrovelo angeboten. Weiter finden Ernährungsberatung, Rauchstoppberatung und psychologische Gruppensitzungen statt.
In der zweiten Hälfte der Therapie können auch intensive Intervallbelastungen durchgeführt werden. Aktuelle Studien haben ergeben, dass hochintensives Intervalltraining (HIIT) einen besseren Effekt auf die Fitness hat und Herzschwäche vermindert.

Es bleibt zu hoffen, dass möglichst viele Patienten nach dem ersten Herzinfarkt erfolgreich die Weichen für ein neues, gesundheitsbewussteres Leben stellen. 
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Autor: Rubén Oliver