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14. Dezember 2015

Länder in der Schuldenfalle

Wer muss zittern, wenn diese Woche der US-Leitzins steigt? Ein Kandidat, der überraschen dürfte: China.

Schuldenniveau und Wohlstand (BIP/Kopf) in verschiedenen Ländern
Schuldenniveau und Wohlstand (BIP/Kopf) in verschiedenen Ländern: Je grösser der obere Abstand von der blauen Kurve, desto gefährlicher ein Zinsanstieg.

Ein kleines Zinsschrittchen von 0,25 Prozent versetzt die Finanzwelt in Aufruhr. Denn diejenigen, die sich bisher günstig verschulden konnten, erwarten härtere Zeiten. Welche Schuldner geraten am schnellsten in Bedrängnis?

Die Grafik verdeutlicht, welche Länder zu den Wackelkandidaten zählen. Die vertikale Achse zeigt die Schuldenlast (Staat, Unternehmen, Haushalte) in Relation zum Bruttoinlandprodukt (BIP). Die horizontale Achse ordnet die Länder nach ihrem Wohlstand (BIP pro Kopf). Denn ein reiches Land kann auch eine höhere Verschuldung tragen. In der Grafik kommt dies durch die blaue Kurve zum Ausdruck: Je höher ein Land über der Kurve liegt, desto gefährlicher ist ein Zinsanstieg.

Wenig überraschend stechen Griechenland und Japan hervor. Doch ebenso exponiert ist – für ­viele unerwartet – China. Allein seit 2007 ist die Schuldenlast des Landes von 160 auf 240 Prozent des BIP nach oben geschossen. Verantwortlich dafür ist primär der Unternehmenssektor. Erschwerend kommt hinzu: Einen grossen Teil der Kredite haben die Firmen in Dollar aufgenommen und nicht in der Landeswährung Yuan. Auf diese Weise konnten sie von tieferen Zinsen profitieren.

Solche Fremdwährungskredite können sich allerdings zu einer Zeitbombe entwickeln. Das ist den Hausbesitzern in Osteuropa zum Verhängnis geworden, die zur Finanzierung auf eine vermeintlich günstige Frankenhypothek setzten. Kritisch wird es bei einer plötzlichen Aufwertung der fremden Währung.

Genau das aber passiert mit dem Dollar, wenn die Leitzinsen in den USA steigen. Damit gerät China in eine Zwickmühle: Entweder man lässt eine Aufwertung des chine­sischen Yuan parallel zum ­Dollar zu – das jedoch würde die Export­indu­s­trie treffen und die ­bereits ­angeschlagene Wirtschaft weiter brem­sen. Oder die Regierung schwächt den Yuan gegenüber dem Dollar, ­um dem Exportsektor zu helfen – dann aber könnten viele chinesische Firmen ihre erhöhten Dollarschulden nicht mehr begleichen.

Fazit: Auch wenn die US-Notenbank nur in homöopathischer Dosis an der Zinsschraube dreht: Bereits dadurch geraten manche Schuldner in ernste Schwierigkeiten.

Autor: Albert Steck