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21. September 2015

Länder der Rekorde

Oman gehört zu den urtümlichsten Ländern der Region, Katar ist voller Widersprüche, in Bahrain gibt es viele Sehenswürdigkeiten – eine Reise durch die Region.

Gebirge Al Jabal Al Akhdar
Bis zu 3000 Meter hoch erhebt sich das Gebirge Al Jabal Al Akhdar, das zu den landschaftlichen Höhepunkten zählt.

Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Oman gehören zu jenen Reisezielen, die faszinierend und voller Widersprüche sind. Der in Abu Dhabi lebende Schweizer Manager Peter Baumgartner (45) sagt: «Innert kürzester Zeit wurden auf einer einzigen Insel eine Formel-1-Rennstrecke, die Ferrari World, Einkaufszentren, Golfplätze und ein Wasserpark erstellt, während man sich in der Zürcher Gemeinde, in der ich eine Wohnung habe, nicht über einen Kreisel einigen konnte.»

85 Prozent der Einwohner in den Emiraten sind ausländische Gastarbeiter. Für Monatslöhne von höchstens 200 Dollar haben sie die glitzernde Welt der gigantischen Bauwerke geschaffen. Zum Vergleich: Der nachmittägliche «Sky Tea» im Luxushotel Burj Al Arab in Dubai kostet umgerechnet 160 Franken inklusive eines Glases Champagner. Für Taxifahrer wiederum sind 100 Dirham (etwa 26 Franken) ein hoher Betrag manchmal können sie auf diese Summe nicht herausgeben. Ein Essen in den VAE kostet ausserhalb der Glitzerwelt nur ein paar Dirham.

Die Recherche der Reisen wurde unterstützt von Globus Reisen, Globusreisen.ch sowie Etihad Airways.

Oman: Wilde Gegend

Die Stadt Sur
Im Osten Omans befindet sich Sur. Die Stadt war im 6. Jahrhundert ein wichtiges Zentrum für den Handel mit Ostafrika.

Oman bildet das komplette Kontrastprogramm zu Zielen wie Dubai oder Doha. Die erstaunlich grünen, bis zu 3000 Meter hohen Berge des Al-Jabal-Al-Akhdar-Gebirges begeisterten schon Prinzessin Diana, die das Sultanat mehrmals besucht hat. Ein besonders schöner Aussichtspunkt heisst deshalb seither Diana’s Point. Oman besteht aber auch aus Schluchten mit mehr oder weniger ausgetrockneten Flussläufen (Wadis) und einer Küste, die geradezu zu einer Rundreise einlädt.

Skype gesperrt, teure Alkoholika

Die Strassen sind heute im Heimatland des Weihrauchs sehr gut ausgebaut. 2015 will das Sultanat, das seit 1970 von Sultan Qabus regiert wird, 3,5 Millionen Touristen begrüssen. Das ist wenig im Vergleich mit Dubai, das letztes Jahr 11,6 Millionen Besucher registrierte. Oman ist restriktiver als das Emirat und noch ursprünglich und traditionell. Das zeigt sich schon im Alltag, wo die Bevölkerung meist in der Nationaltracht gekleidet ist. Der Schweizer Markus Iseli (53), der von Januar 2014 bis Anfang Mai 2015 das Chedi Hotel in der Nähe der Hauptstadt Maskat leitete, erklärt: «Skype, Viber und FaceTime sind in Oman blockiert, auf alkoholische Getränke werden 100 Prozent Taxen erhoben.»

Zudem strebe das Tourismusministerium eine Omanisierung an. Hotels müssten mindestens 40 Prozent lokale Mitarbeiter beschäftigen. «Es gibt aber zu wenig Einheimische, die bereit sind, ohne geregelte Arbeitszeiten und zu einem tieferen Lohn als beim Staat zu arbeiten.» Dem «Chedi» würden wegen der Quote Dutzende Mitarbeiter fehlen. Dies ist erstaunlich, denn die Demografie hat sich dramatisch verändert: Heute sind über 50 Prozent der Bevölkerung weniger als 25 Jahre alt.

Salalah Sandstrände
Bis zu 3000 Meter hoch erhebt sich das Gebirge Al Jabal Al Akhdar, das zu den landschaftlichen Höhepunkten zählt.

Mit einem weiteren Problem müssen Hotels in Oman kämpfen: Wegen der aufwendigen Bewässerung kostet beispielsweise ein Kopfsalat vier Franken. Viel grösser und preiswerter ist dafür die Auswahl bei den Datteln. Touristen rät Iseli, die Oasenstadt Nizwa zu besuchen (freitags von 6 bis 10 Uhr ist Viehmarkt!), das bereits erwähnte Al-Jabal-Al-Akhdar-Gebirge, Jabal Shams (Omans Grand Canyon) und Salalah im Süden für Badeferien am Indischen Ozean. Dort, am unendlich langen Sandstrand, hat übrigens der aus Andermatt bekannte ägyptische Unternehmer Samih Sawiris mit seiner Firma Orascom gleich mehrere Projekte. Bereits realisiert ist das Salalah Rotana Resort. Die Anlage zählt 400 Zimmer. Trotzdem hat man als Gast nie das Gefühl, von Massen umgeben zu sein. Dafür ist die Anlage zu weitläufig.

Selbstverständlich schlägt Hotelier Iseli auch vor, ein paar Tage an seinem ehemaligen Arbeitsort auszuspannen. In der Gartenoase des Hotels Chedi können Gäste aus sechs verschiedenen Restaurants auswählen: Das The Beach Restaurant gilt punkto Service, Ambiance und Essen als bestes Lokal des Landes. Zu den Attraktionen der Anlage gehört auch der über 100 Meter lange Swimmingpool. Dieser entschädigt für den nicht besonders einladenden Strandabschnitt beim Hotel. In Maskat empfiehlt der Schweizer, den Souk, den Laden des gleichermassen teuren wie berühmten Parfüms Amouge, die Sultan-Qabus-Moschee und die Oper zu besuchen. Tatsächlich ist das Royal Opera House Muscat
mit seinen 1100 Sitzen das erste am Golf gebaute Opernhaus. Seit der Eröffnung vor vier Jahren sind hier schon Stars wie Placido Domingo oder Andrea Bocelli aufgetreten.

Katar: Auf zum Souk!

Die wichtigste Sehenswürdigkeit von Katars Hauptstadt Doha: der Souk Waqif mit berittenen Polizisten.

Die Skyline in Katars Hauptstadt Doha sieht heute aus wie jene von Hongkong. Auf dem Weg vom äusserst modernen Flughafen in die Stadt kündigt eine riesige Baustelle das nächste Grossprojekt an: das Qatar National Museum. Das neueste vollendete Wahrzeichen ist das vom Stararchitekten I. M. Pei entworfene Museum für islamische Kunst (unbedingt besuchen!).

Nur wenige Fussminuten davon entfernt breitet sich Dohas wichtigste Attraktion aus: der Souk Waqif mit Läden, Restaurants sowie Stallungen für Pferde und Kamele. In den engen Gassen des Markts, der 2003 nach einem grossen Feuer wieder aufgebaut wurde, riecht es nach Kardamom und dem Apfelduft blubbernder Wasserpfeifen. Musikanten trommeln.

Auffallend viele Passanten bewegen sich in den traditionellen weissen Dischdascha-Gewändern. Man fühlt sich im Herzen des Orients. Im Souk stehen für die Touristen gleich sieben Boutique-Hotels zur Auswahl; ein achtes befindet sich im Bau. Besonders viel Betrieb ist jeweils von Donnerstag bis Samstag, dem Wochenende in Arabien.

Katar ist voller Widersprüche: Arbeiter, hauptsächlich aus Nepal, Indien und den Philippinen, leben von Hungerlöhnen, während eine Kugel Häagen-Dazs-Glace im modernen City Center 15 Katar-Riyal, oder knapp vier Franken, kostet – mehr als die gut zehnminütige Taxifahrt vom Souk zum Einkaufszentrum City Center!

Abu Dhabi: Leise rieselt der Sand

Qasr Al Sarab Desert Resort Abu Dhabi
Die Zufahrtsstrasse zum Qasr Al Sarab Desert Resort in der Liwa-Oase von Abu Dhabi.

Wenn von Abu Dhabi die Rede ist, denkt man an die moderne Stadt und den Grossen Preis auf dem Yas Marina Circuit. Doch nur wenigen ist bewusst, dass Abu Dhabi das flächenmässig grösste Emirat ist und über viel Natur – vor allem Wüstenlandschaften – verfügt. Die Insel Sir Bani Yas beispielsweise, halb so gross wie der Kanton Zug und 250 Kilometer südwestlich von Abu Dhabi, wurde von Scheich Zayid, dem ersten Präsidenten der VAE, zum Naturschutzgebiet erklärt. 2008 wurde entschieden, die naturbelassene Insel für den Tourismus zu öffnen. Auf Safaris können Besucher 15 000 Tiere beobachten – ein Drittel davon sind Sandgazellen. Zudem gibt es importierte Geparde, Hyänen, Giraffen und Oryxantilopen. Mit dem «Desert Islands Resort & Spa by Anantara» bietet sich ein Erstklasshotel mit 64 Zimmern zum Übernachten (empfehlenswert sind zwei Nächte) an.

Wer das Gefühl von 1001 Nacht erleben möchte, fährt in die grösste zusammenhängende Sandwüste der Welt, Rub al Khali, zum Qasr al Sarab Desert Resort in der Liwa-Oase. Das 2009 eröffnete Resort, 206 Zimmer und 400 Angestellte, befindet sich mitten im Nirgendwo, umgeben von bis zu 180 Meter hohen Dünen, und ist während der Hochsaison von November bis April praktisch jedes Wochenende, in Arabien von Donnerstag bis Samstagmittag, ausgebucht. Kameltouren, Fahrten im Jeep über die Dünen und eine Show mit Falken gehören zum Ausflugsprogramm. Abends isst man im Restaurant oder wie Beduinen unter dem freien Sternenhimmel. Kurz: Das «Qasr al Sarab» ist das beste Entschleunigungsprogramm!

Ölfund 1958 veränderte alles

In Abu Dhabi fährt man übrigens recht unkompliziert selbst im Mietwagen. Einzig die Signalisation aus der Stadt heraus ist
nicht einfach. Zudem lohnt es sich, die Tempolimiten einzuhalten (obschon die Einheimischen viel schneller fahren). Ansonsten bezahlt man hohe Bussen, die via Autovermieter der Kreditkarte belastet werden.

Zurück in der Stadt auf der Insel Abu Dhabi, die von einem Mangrovengürtel umgeben ist, wird man Zeuge eines modernen Märchens: 1958 wurde hier, wo Perlentaucher und Fischer unter Dattelpalmen und Kamelen lebten, Öl entdeckt. Heute leben die Nachkommen in modernen Wolkenkratzern. Der Dattelmarkt (es gibt 120 verschiedene Sorten) und der «Camelchino» erinnern ein wenig an die frühere Zeit: Bei Letzterem handelt es sich um Cappuccino mit Kamelmilch.

Der Zürcher Airline-Manager Peter Baumgartner (45) lebt seit April 2005 in Abu Dhabi und sagt: «Es gibt kein Vokabular dafür, um zu beschreiben, was sich hier in den letzten zehn Jahren alles verändert hat.» Angefangen bei seinem Arbeitgeber, der Etihad Airways, die mit «zwei, drei Flügerli und einer Handvoll Leute startete und heute 25 000 Mitarbeitende zählt». Etihad machte den Ort richtig bekannt.

Heute ist Abu Dhabi, das viel traditioneller als Dubai ist, auch ein Paradies für Architekturfans. Hier mangelt es weder an Platz noch an Geld. Im Viertel Saadiyat auf der gleichnamigen Insel, einer von fast 200, gestalten Stararchitekten aus aller Welt die Zukunft: Im Dezember eröffnet eine von Jean Nouvel entworfene Filiale des Louvre, 2016 das Zayed National Museum (von Norman Foster) und 2017 ein Guggenheim-Museum (von Frank Gehry). Baumgartners Ausgehtipps: das asiatische Restaurant Hakkasan im Hotel Emirates Palace, Asia de Cuba (Terrasse, lässige Musik, Fusionsküche, Bar) oder den Friday-Brunch im Hotel Shangri-La – zu 30 Prozent günstigeren Preisen als in der Schweiz.

Bahrain: Ab ins Nachtleben

Manama
Manama, die Partymetropole in Arabien.

Bahrain, etwa so gross wie der Kanton Solothurn, besteht aus 33 Inseln. Die Hauptstadt Manama, durch eine Brücke mit Saudi-Arabien verbunden, gilt als Partymetropole der gesamten Arabischen Halbinsel. Das wissen die Saudis besonders zu schätzen, die am Donnerstagabend nach Manama in den Ausgang gehen und dort teilweise in rauen Mengen Alkohol konsumieren.

Für Touristen gibt es erstaunlich viele Sehenswürdigkeiten. Dazu gehören die Formel-1-Strecke, die Moschee, das Nationale Museum, die
alte Festung des Fort Qalat, der Wasserpark Lost Paradise oder die königliche Kamelfarm. Wer Zeit hat, sollte die Küstenkulisse von der Insel Al Dar aus betrachten.

Dubai: Yoga für alle

Das Hotel Madinat Jumeirah von Dubai führt Yogalektionen am Strand durch. Im Hintergrund links das Restaurant Perchic, in der Mitte das Luxushotel Burj Al Arab.

«Sunset Yoga» nennt sich das Angebot des Luxushotels Madinat Jumeirah mit langem Privatstrand. Laut dem Spa- und-Wellness-Direktor Stephan Wagner (43) finden sich an diesem ruhigen Ort regelmässig ein paar Einheimische und Ausländer ein, die in Dubai arbeiten. «Ein Sonnenuntergang am Meer mit einer Brise ist gesund. Ruhe, Wellen und zwitschernde Vögel sind für Dubai etwas Besonderes», sagt
der Münchner. Das gilt auch für seinen Arbeitsort: Das «Madinat Jumeirah» besteht aus drei Hotelanlagen im Stil eines arabischen Dorfs mit drei Kilometer langen Wasserwegen, eigenem Souk, über 40 Restaurants und Bars sowie einem Spa mit 65 Angestellten.

Sobald man jedoch diese Oase der Ruhe verlässt, wird man vom Angebot der 2-Millionen-Stadt (1980 waren es noch 276 000 Einwohner) überwältigt. Um sich ein Bild zu machen, fährt man am besten mit der Dubai-Metro zum höchsten Bauwerk der Welt, dem Burj Khalifa. Spartipp: Tickets im Vorfeld online kaufen! Neben dem Wolkenkratzer befindet sich auch die bekannte Dubai Mall mit über 1200 Läden. Wer wissen möchte, wie Dubai einst ausgesehen hat, fährt bis zur Metrostation Dubai Creek Abra und besucht das alte, museale Viertel Bastakiya. Dieser Abstecher lässt sich am besten mit dem Gold-und-Gewürz-Souk im Deira-Viertel kombinieren.

Autor: Reto Wild

Fotograf: Reto Wild