Archiv
11. Mai 2015

Kuscheltiere

Eine Ratte als Haustier?
Hat das neue Haustier Zähne? (Bild: Getty Images)

«Mami, können wir ein Haustier haben?» Ida machte ihr bravstes Gesicht und klimperte mit den Augenlidern. «Ich wünsche mir schon immer so ein kleines Tierchen, das man streicheln und lieb haben kann …»
Ich wollte schon zu einem abendfüllenden Vortrag zum Thema artgerechte Tierhaltung ansetzen, dann entschied ich mich für die Abkürzung: Ausschlussverfahren.

«Meinst du eine Art Katze?»
Meine Tochter schüttelte den Kopf: «Nee, lieber, lieber nicht: Büsis haben doch Krallen.»
«Hunde?»
«Ich mag es nicht, wenn sie bellen.»
«Hmmm … was dann?»
Ida überlegte angestrengt. Ergebnislos. Dann lief sie davon. Ich hoffte bereits, das Thema sei vom Tisch, aber weit gefehlt. Beim nächsten Mal hatte sie Vorschläge im Gepäck.

«Ein Meersäuli?»
«Weisst du, dass diese Tiere viele Kollegen brauchen, damit sie nicht so einsam sind? Wir können in unserer Wohnung keine Meersäuli-Ranch eröffnen.»
«Hamster?»
«Auch nicht so gut, die wachen nämlich erst dann auf, wenn du kleine Bohne ins Bett musst.»
Nun schlug ich – typisch Mutter – eine Tierart vor, die a) wenig Dreck macht, b) nicht laut ist und c) keine Zähne hat: «Was hältst du von einer Schildkröte? Ich finde die ja total herzig.»
Ida guckte skeptisch, doch ich blieb am Ball. Ich schwärmte von den zahnlosen Wesen und verwies auf die Ninja Turtles.

Als ich meiner Freundin Ursi von meiner vermeintlich genialen Schildkrötenidee erzählte, rief die laut aus: «Spinnscht? Die werden Minimum 50 Jahre alt. Willst du ein halbes Jahrhundert lang Schildkrötenkacke wegräumen? Dann doch lieber eine Ratte.»
«Wie kommst du denn auf Ratten?»
«Ganz einfach. Die schlafen auch mal nachts, fressen fast alles – und das Beste: Sie sterben nach zwei Jahren.»
Perfekt! Nun musste ich Ida nur noch vom Rattenplan überzeugen. Am Schluss meines Vortrags hatte sie nur eine Frage: «Haben Ratten spitze Zähne?» – Argh! Alles zurück auf Anfang. Was war noch mal das Problem mit Schildkröten? Ach, ja, ihre Lebenserwartung. Andererseits – wenn ich mich gut um das Tierchen küm-merte, könnte es sich in 50 Jahren revanchieren und mich pflegen …

«Ida, ich glaube, wir sollten wirklich eine Schildkröte kaufen.»
«Auf keinen Fall, Mami, im Fernsehen haben sie gesagt, dass Schildkröten Kinderfinger abbeissen können.»

Autor: Bettina Leinenbach