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13. Februar 2017

Kurkuma: Hustensaft wird In-Getränk

«Golden Latte» heisst der neue Foodtrend. Statt Kaffee wird der warmen Milch Kurkumapulver beigefügt. Für Eltern in Indien ist dies kalter Kaffee, denn sie kurieren damit schon seit je den Husten und Schnupfen ihrer Kinder.

«Golden Latte»
Der fertige «Golden Latte».

Kurkuma ist eine gelborange Gewürzknolle aus Südasien und gehört zur Familie der Ingwergewächse. Der Gelbwurz wird viel Gutes nachgesagt. Sie soll entzündungshemmend und antioxidativ wirken, das Immunsystem stärken und der Verdauung zuträglich sein – insbesondere der Fettverdauung, was die Popularität von Kurkuma noch steigert.

Nur eine Mode?In Indien ist Kurkuma ein Alltagsgewürz; es wird ähnlich verwendet wie bei uns Salz und Pfeffer – in Saucen und Currys ist es fast immer zu finden. Doch auch die «Golden Latte» ist keine westliche Erfindung: In Indien reichen Eltern von jeher ihren Kindern warme Milch mit Kurkuma gegen Erkältungen.
«Ich musste lachen, als ich sah, dass in Cafés in den USA Kurkuma-Latte verkauft», sagt Tanvi Jain, eine indische Architektin. «Das ist für uns, wie wenn hier eine internationale Kaffeekette Hustensirup verkaufen würde – und die Leute dies trendig fänden.»

Ein Gewürz mit NebeneffektIst Kurkuma-Milch also einfach trendiger Lifestyle, oder ist «Golden Latte» tatsächlich so gesund? In der traditionellen indischen Heilkunst Ayurveda zählt Kurkuma zu den wichtigsten Gewürzen der Hausapotheke und zu den sogenannten «heissen» Gewürzen, denen eine reinigende und energiespendende Wirkung zugesprochen wird.

«Gerade bei Verschleimungen des Atemtrakts wirken heisse, bittere und zusammenziehende Substanzen wie Kurkuma besonders ausgleichend und heilsam», erklärt Kerstin Rosenberg, Geschäftsführerin der Europäischen Akademie für Ayurveda. Wer zu trockenen Schleimhäuten und trockener Haut tendiert, sollte allerdings darauf achten, nicht zu viel Kurkuma einzunehmen.

Doch nicht nur bei Erkältungen ist Kurkuma hilfreich: «Es ist entzündungshemmend, gut für die Haut, reinigt das Blut, hilft gegen Darmpilze und Parasiten, kurbelt den Fettstoffwechsel an und wird medizinisch bei Diabetikern eingesetzt», so Rosenberg. Verschiedene Studien sollen gar gezeigt haben, dass Kurkuma eine positive Wirkung bei Diabetes und Demenz hat.

Zusammen mit Milch wirkt es besserKurkuma in Form von Latte einzunehmen, ist durchaus sinnvoll: «Generell macht Kurkuma die Milch leichter verdaulich, insbesondere, wenn zusätzlich noch etwas Ingwer zugefügt wird. Und mit Milch wirkt Kurkuma am besten auf das Immunsystem», sagt Rosenberg. Dabei sollte man beachten, dass Kurkuma fettlöslich ist. In Gerichten sollte Kurkuma also immer von Anfang an beigegeben und mit Öl oder Bratbutter (Ghee) angeröstet werden. Bei der Latte reicht das Fett der Milch bereits aus.

Generell werden in der ayurvedischen Medizin den Gewürzen mit einer Trägersubstanz eine bessere Wirkung nachgesagt. Kurkuma mit Honig und heissem Wasser beispielsweise hilft bei Diabetes, Kurkuma mit Ziegenjoghurt bei Darmentzündungen und Kurkuma mit Bratbutter bei Hautbeschwerden.  www.migros-impuls.ch Impulsist die neue Gesundheitsinitiative der Migros.

Autor: Eva Hirschi

Fotograf: Eva Hirschi