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05. Mai 2014

Der jüngste 100-jährige Jubilar in der Schweizer Hotellerie

Das Kurhaus Cademario oberhalb von Lugano TI wird 2014 100 Jahre alt. Nach einer mehrjährigen Umbauphase präsentiert sich das Vier-Sterne-Haus im neuen attraktiven Kleid – und trotzdem bezahlbar.

Kurhaus Cademario
In diesen Tagen feiert das Kurhaus Cademario seinen 100. Geburtstag. Auf 850 Meter über Meer ist die Luft frischer und weniger heiss als in Lugano. (alle Bilder zVg)

Um es gleich vorwegzunehmen: Das neue Kurhaus Cademario begeistert. Es wurde vor 100 Jahren von Dr. Adolf Keller gegründet (das exakte Datum ist nicht bekannt) und nach einer vierjährigen Umbauzeit erst letztes Jahr wieder eröffnet. Geblieben ist die unglaublich privilegierte Lage mit dem wahrscheinlich schönsten Blick auf den Luganersee und auf die Ebene, wo sich Lugano ausbreitet.

Die Aussicht vom Aussenpool
Der Aussenpool des Spa ist klein. Gross hingegen ist die Aussicht.

«Kurhaus» lässt an betagte Patienten denken, die an Krücken durch die Lobby wanken. Und genau dieses Bild ist falsch: Beim Testbesuch hielten sich auffallend viele junge Paare im Hotel auf. Offenbar bestand die schweizerisch-italienische Eigentümerschaft (zu ihrem Portfolio gehören auch die Villa Principe in Lugano, die Villa Sassa und das Esplanade) auf dem Begriff «Kurhaus». Man hätte diesen mit «Wellness» ersetzen können, ist doch das neue Spa 2200 Quadratmeter gross und besticht durch eine Felsengrotte (wie früher), Behandlungsräume, ein Hamam und einen Aussenpool, von dem man auf den Luganersee blicken kann.

Im Restaurant La Terrazza
Den Gästen stehen zwei Restaurants zur Auswahl. Im Angebot stehen lokale Produkte – sowohl Speisen als auch Getränke.

Das Restaurant La Terrazza lädt zu klassischen Tessiner Spezialitäten wie Kaninchen und Polenta und italienischer Küche ein (und zu einer atemberaubenden Aussicht auf Lugano), das La Cucina ist quasi die Gourmetadresse des Hotels. Nur: Die Restaurants sind einzig durch eine Wand getrennt, und in beiden Lokalen sind die verschiedenen Menükarten erhältlich. Eigentlich geht es mehr darum, ob man Fenstersicht will oder lieber eine intime Ecke. Hier wie dort gilt: unbedingt den Merlot Rovere 2010 der Cantina Monti aus Cademario bestellen. Er ist eine Wucht. Das Hoteldirektorenpaar Hoeck, er Westfale, sie Walliserin, achtet auf die Wahl lokaler Produkte. Peter Hoeck sagt das so: «Statt Lachscanapés servieren wir lieber Amaretti.»

Ein Doppelbettzimmer
Die Zimmer sind mit alle mit Klimaanlage, Telefon, kostenlosem Wifi, TV, Tresor und Minibar ausgestattet. Und seit 1969 gibt es auch Warmwasser, denn der Gründer wollte darauf bewusst verzichten…

Erstaunlich, dass bei diesem Vier-Sterne-Hotel 24 Quadratmeter grosse Zimmer ab 250 Franken inklusive Fünf-Sterne-Frühstücksbuffet erhältlich sind – Wellness inklusive. Es lohnt sich allerdings, rund 50 Franken mehr für Seesichtzimmer zu bezahlen. Insgesamt stehen 82 Zimmer und Suiten zur Auswahl. Ebenfalls empfehlenswert ist, sich 60 Franken pro Person für den Halbpensionszuschlag zu leisten. Dafür bekommt man einen Viergänger.

Schöne Lage auf 850 M.ü.M.
Schöne Lage auf 850 M.ü.M. oberhalb des Luganersees

Die privilegierte Lage oberhalb des kleinen Orts Cademario auf 850 Meter über Meer bietet im Sommer nicht nur die mehrfach erwähnte schöne Sicht, sondern auch etwas kühlere und deutlich bessere Luft. Die meisten Gäste wählen laut Hoeck das Kurhaus zum Wellnessen, Velofahren, Joggen oder Wandern aus. 320 Kilometer Wanderwege führen direkt vom Haus in die Natur, etwa zum Kastanienweg im Malcantone. Für Einsteiger empfiehlt sich die gut einstündige Wanderung nach Arosio. Sogar das Hotelehepaar lobt die 'Konkurrenz' des dort beheimateten Grotto Sgambada.

Pool in der Hotelanlage
Die Poolanlage im Dot-Spa erinnert ein wenig an ein römisches Herrschaftshaus aus der Antike.

Touristische Alternativen bilden das 12 Kilometer und knapp 600 Meter tiefer gelegene Lugano (Jazzfestival im Juli), Bellinzona oder Mailand. Eine Schlechtwettervariante und offenbar bei Gästen von der Arabischen Halbinsel sehr beliebt ist das Outletcenter Fox Town in Mendrisio.

Fazit: Das Kurhaus Cademario hat zwar eine 100-jährige Tradition, entspricht aber dem Zeitgeist. Es lohnt sich, länger als nur zwei, drei Nächte zu bleiben, wie das der Durchschnitt macht – nur schon wegen den vielen Kurven, die von Lugano nach Cademario führen.

Autor: Reto Wild

Fotograf: Reto Wild