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22. Oktober 2012

Kontrolle oder Selbstbestimmung?

Eltern stehen täglich vor der Frage, welche Erziehung die beste für ihr Kind ist. Die einen setzen auf Kontrolle und Disziplin, die anderen lassen ihrem Nachwuchs möglichst grossen Freiraum. Vier Erziehungsstile im Überblick.

Erziehungsstil
Welcher Erziehungsstil ist der beste? (Illustration: Nicolas Bischof)

«Du musst», «Du darfst» oder «mach was Du willst»: Eltern stehen täglich vor der Frage, welche Erziehung die beste für ihr Kind ist. Die einen setzen auf Kontrolle und Disziplin, die anderen lassen ihrem Nachwuchs möglichst grossen Freiraum. Die Art und Weise wie sich ein Erzieher gegenüber seinem Schützling verhält, ist abhängig von den eigenen Wertvorstellungen und biografischen Erfahrungen. Basierend auf charakteristischen Eigenarten im Umgang mit den Erziehenden, haben Psychologen verschiedene Erziehungsstile definiert. In der Praxis kommt allerdings nie nur ein Stil alleine zur Anwendung; es lassen sich höchstens gewisse Tendenzen erkennen.

Der autoritäre Erziehungsstil

Disziplin, Gehorsam und Kontrolle stehen beim autoritären Erziehungsstil im Vordergrund. Die Vorgaben des Erziehers, der den Alltag organisiert, dürfen nicht in Frage gestellt werden. Verstösst das Kind gegen die Regeln und Befehle, wird es zurechtgewiesen und bestraft. In den 1920er Jahren war der autoritäre Erziehungsstil weit verbreitet, heute ist er eher umstritten, da diverse Studien gezeigt haben, dass er für die Selbstentfaltung, das Selbstbewusstsein und die Selbständigkeit eines Kindes nicht förderlich ist. Wer gegen einen autoritären Erziehungsstil ankämpft, wird oft als rebellierend wahrgenommen.

Der antiautoritäre Erziehungsstil

In den 1960er Jahren folgte – sozusagen als Antwort auf den unterdrückenden Stil – der antiautoritäre Ansatz. Dabei gewähren die Eltern dem Nachwuchs möglichst viel Entscheidungsfreiheit und setzen nur wenige Grenzen. Dadurch soll ein Individuum seine Persönlichkeit und Kreativität frei entfalten können. Weil Kinder jedoch ständig Grenzen suchen und diese ohne Anweisung der Eltern nicht finden können, wird dieser Erziehungsstil heute ebenfalls kontrovers diskutiert.

Der demokratische Erziehungsstil

Zwischen den beiden Extremen «autoritär» und «antiautoritär» liegt der demokratische Erziehungsstil. Dieser basiert auf Kommunikation, Offenheit und Vertrauen: Die Eltern besprechen wichtige Entscheidungen mit dem Kind und unterstützen es, indem sie seine Wünsche berücksichtigen und trotzdem gewisse Leitplanken als Orientierungshilfe setzen. Ziel ist es, die Selbstbestimmung und das Selbstvertrauen des Kindes zu fördern, ihm emotionale Stabilität zu bieten und ein möglichst ausgewogenes Verhältnis zwischen Autorität und Freiheit zu schaffen.

Der laissez-faire Erziehungsstil

Wie der Begriff «laissez-faire» («lasst machen» oder «einfach laufen lassen») vermuten lässt, mischen sich die Eltern bei diesem Erziehungsstil nur wenig in den Alltag des Kindes ein. Sie machen minimale Vorgaben und unterstützen das Kind lediglich, sofern es aktiv Hilfe einfordert. Der laissez-faire Erziehungsstil wird oft mit Vernachlässigung gleichgesetzt und ist bei Pädagogen äusserst unbeliebt. Studien zeigen, dass Kinder, welche eine geringe Wertschätzung von Seiten der Eltern erhalten, grosse soziale Probleme entwickeln können.

Autor: Nicole Demarmels