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10. Februar 2014

Kontaktbörse Arbeitsplatz

Wenn Männer und Frauen zusammen arbeiten, wird ab und zu geflirtet – das ist auch bei der Migros-Industrie so. Und manchmal wird aus dem kleinen Flirt die ganz grosse Liebe. Vier Paare erzählen.

MACHEN SIE MIT: Haben auch Sie Ihren Partner in der Migros kennengelernt? Verraten Sie uns Ihre persönliche Liebesgeschichte per Kommentar ganz unten auf dieser Seite - wir freuen uns über Ihren Beitrag!

Die Bryners in der Mibelle
«Ohne die Migros-Industrie hätte es diese Hochzeit nie gegeben!», sind sich die Bryners sicher, «und unseren Alexander erst recht nicht!»

Karin und Diego Bryner, Mibelle

♥♥  Frenkendorf BL, 20. April 2010: Diego Bryner wird bei der Mifa AG, die heute zur Mibelle Group gehört, zu einem Vorstellungsgespräch erwartet. Doch den Termin bei der Herstellerin von Wasch- und Reinigungsmitteln sowie Speisefetten muss er kurzfristig absagen. Der Grund: die Geburt von Sohn Alexander. Den Job als Bereichsleiter Nutrition bekommt der Lebensmittelingenieur trotzdem. Und ist damit zurück in der Welt der Migros-Industrie.

Meilen ZH, 15. Mai 2002: «Wenn ich einen Mann suchen würde, dann so einen!» Das denkt Karin Suter während einer Sitzung, als neben ihr ein Typ mit Brille und verschmitztem Lächeln Platz nimmt: Diego Bryner ist Projektleiter Innovationen beim M-Industrie­Betrieb Midor, der Glaces, Biskuits und andere süsse Versuchungen herstellt.«Ich hatte gerade als Teamleiterin Sensorik begonnen und wollte beruflich durchstarten», erinnert sich Karin Suter (38), die heute Bryner heisst, «ein Mann war das Letzte, was ich brauchen konnte.» Ihr Mann (42) schmunzelt. «Du hättest mir halt kein Post-it mit guten Wünschen für meine Reise nach Mexiko an den Computer kleben sollen.» Sie kontert: «Und du mich nicht nach meiner Adresse fragen, um mir eine Postkarte zu schicken.» Es folgten unzählige E-Mails aus Mexiko, ein Nachtessen, der erste Kuss am 23. Dezember im Zürcher Hauptbahnhof.

Am Fest zum 75-Jahr-Jubiläum der Firma im Sommer 2003 erscheinen sie Hand in Hand. Da sind Diego Bryners Tage bei der Midor bereits gezählt: Er übernimmt in Rumänien die Betriebsleitung einer Schoggifabrik. Drei Jahre lang sieht sich das Paar nur jedes vierte Wochenende, dann hat es genug vom ewigen Abschiednehmen: Als Diego Bryner eine Stelle beim Läckerli Huus findet und nach Liestal BL zieht, folgt ihm Karin und sucht sich einen neuen Job.

Liestal BL, 22. Februar 2009: Diego Bryner überrascht seine Freundin mit der Idee, in Las Vegas zu heiraten – im Grand Canyon. Familie und Freunde erfahren vom freudigen Ereignis am 31. Mai aus der Zeitung: In der «NZZ am Sonntag» erscheint in der Rubrik «Just married» eine Meldung mit Foto.

Paul und Maria Amelia Würms
Nach drei Jahren lud er sie auf ein Gläsli ein: Paul und Maria Amelia Würms.

Maria Amelia und Paul Würms, Bina

♥♥ Als 18-Jährige wohnte Maria Amelia (heute 55) im betriebseigenen Personalhaus, zusammen mit weiteren portugiesischen Saisonniers. Sie hatte eine Saisonstelle in Bischofszell TG bei der Bischofszell Nahrungsmittel AG (Bina), der Migros-Industrie-Spezialistin für Getränke, Fertiggerichte und Konserven. Paul, in der Ausbildung zum Lebensmitteltechnologen, habe ihr schon gefallen. «Nur war er halt ein gar Schüchterner.» Und Paul Würms (53) meint, doch, ja, die Maria Amelia, die habe ihm gefallen. «Nur war man halt schüchterner als die Jungen heutzutage.»

Drei Jahre sollte es dauern, bis sich der Thurgauer ein Herz fasste und die Portugiesin auf ein Gläsli einlud. Dann ging es schnell: Im Februar 1983 wurde in Bischofszell geheiratet, im gleichen Jahr kam Tamara zur Welt, 1985 folgte Martina und 1989 schliesslich Dominik.

Die Leute hätten damals «scho gschnorret», erinnert sich Maria Amelia Würms, die heute mit einem 60-Prozent-Pensum in der Kartoffelverarbeitung beschäftigt ist, während ihr Mann die Produktionsplanung für Getränke-Weichverpackungen verantwortet. «Was wolle der Schweizer mit der Portugiesin da!» Sie lacht. «Liebe passiert halt, wenn junge Leute zusammen arbeiten.»

Not Jäger trägt seine Fanny auf Händen. Am Weihnachtsfest haben sie sich lieben gelernt.

Fanny und Not Jäger, Midor

♥♥  «13 18» – immer, wenn Not Jäger (45) während der Arbeit dieser Zahl am Computer begegnet, wird ihm warm ums Herz. Hinter der Zahl verbirgt sich seine grosse Liebe – Fanny Jäger, geborene Heredia (35).

Rund 330 Mitarbeiter disponiert der Teamleiter Produktionsplanung jeden Tag. Die wenigsten kennt er persönlich. In der Midor in Meilen ZH wird in drei Schichten gearbeitet, rund um die Uhr, sieben Tage pro Woche.

Dass sich der Davoser und die Bolivianerin schliesslich am 4. Oktober 2013 das Ja-Wort gaben, verdanken sie Jägers Vorliebe für die spanische Sprache. Obwohl Jäger beim Planen vor allem mit Personalnummern jongliert, war ihm Fannys Name aufgefallen. Fanny Jovana Heredia, welch schöner Name, habe er gedacht und auf Südamerika getippt.

Er lag richtig, wie er am Firmenweihnachtsfest 2009 erfuhr. Er stand an der Bar und hörte eine Frau spanisch sprechen: «Seine» 13 18, Fanny Jovana Heredia, geboren in Irupana in Bolivien und seit einem Jahr bei der Midor tätig. Es wurde ein sehr langer Abend, der mit einem liebevollen Blick endete. «Vier Monate später sind wir dann in Stäfa zusammengezogen.» «Wir» – das sind neben Not und Fanny auch deren Tochter Ariany (14). Jedes zweite Wochenende stossen noch Nots Söhne Curdin (15) und Matteo (13) dazu.

Seither ist das Weihnachtsessen der Midor für die Jägers ein besonderer Anlass: «Weisch no?», fragt er sie jeweils. «Sicher!», sagt sie und lacht.

Isabelle Dubuis mit Töchterchen Elodie, Ehemann Sylvain und Sohn Anthony im Aproz Labor
Isabelle Dubuis mit Töchterchen Elodie, Ehemann Sylvain und Sohn Anthony.

Isabelle und Sylvain Dubuis, Aproz

♥♥ «Unsere Arbeitskollegen wussten längst Bescheid, obwohl wir glaubten, diskret gewesen zu sein.» Sylvain Dubuis (36) schmunzelt, wenn er von der Zeit erzählt, in der Isabelle Seewer (42) und er sich verliebten. «Als wir unsere Beziehung in der Firma offiziell machten, war niemand überrascht.»

Der Laboroperateur und die Mikrobiologielaborantin aus Aproz VS lernten sich 2000 im Labor der Getränkeherstellerin Aproz Sources Minérales kennen. Es war der Zufall, der Amor in Bewegung setzte: Am Weihnachtsessen 2002 wurde die Sitzordnung der rund 120 Aproz-Mitarbeiter per Los bestimmt. «Ich zog eine Nummer – und fand mich auf dem Platz gegenüber von Isabelle wieder», sagt Sylvain Dubuis. Man diskutierte, man lachte, man tanzte. Der Rest ist Geschichte, eine Liebesgeschichte, die im Oktober 2005 in einer Hochzeit gipfelte und mit zwei Kindern – Anthony (6) und Elodie (1) – fortgeschrieben wurde. Isabelle Dubuis hat nach der Geburt der beiden ihr Pensum reduziert und arbeitet heute noch zwei Tage pro Woche im Aproz-Labor. Wird das nicht manchmal eng mit der Ehefrau in der gleichen Abteilung? Sylvain verneint, sie hätten beide ihren ganz eigenen Aufgabenbereich. «So können wir uns, ohne wirklich zusammenzuarbeiten, nah sein – c'est parfait!»

Autor: Almut Berger

Fotograf: Ornella Cacace