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30. Juni 2014

Kohle verlochen!

190 Franken ist Herrn und Frau Schweizer der grüne Daumen wert – pro Jahr! Damit kommt die «Bohne, Bluescht & Berger»-Bloggerin noch nicht einmal über den März hinaus.

Gärtner am Loch graben
Die Löcher im «Bohnebluescht»-Garten schlucken viel Kohle!

Kürzlich war im Migros-Magazin zu lesen, dass die Schweizer Gärtner jährlich durchschnittlich 190 Franken in ihrem Garten verlochen. 29 Prozent schätzen demnach ihre saisonalen Ausgaben für Pflanzen, Dünger, Gefässe und Zubehör auf 50 Franken, 24 Prozent auf 101 bis 200 Franken, und 15 Prozent geben über 300 Franken aus.
Glaubt mir, als ich den Artikel schrieb (ja, das war ich), habe ich besagte Zahlen mindestens drei Mal kontrolliert. 190 Schtutz – so viel (respektive eben wenig!) gebe ich ja jeweils nur schon bei meinem allerersten Gartencenterbesuch zum Start der Gartensaison aus. Von all den weiteren Besuchen gar nicht zu reden!
Nicht, dass ihr jetzt glaubt, dass ich die Kohle nur so aus dem Fenster werfen könnte, schön wärs. Aber während andere sich laufend tolle Klamotten kaufen oder alle fünf Minuten das neuste Handy reinziehen oder Abend für Abend in den Ausgang gehen, kaufe ich mir neue Gummistiefel (die alten hatten eine nervige Profilsohle, an der immer alle Erde hängen blieb) und Kohlräblisetzlinge und gehe in den Garten. Und während andere teure Fitnessabos oder kostspielige Rennvelos poschten, um sich fit zu halten, buddle ich Löcher, verlege Gartenplatten oder hacke mich durch steinharte Böden. Die so gesparte Kohle wandert dann wieder dorthin, wo bereits meine Gummistiefel und die Kohlräblisetzlinge hergekommen sind. Oder mein Mirabellenbäumchen. Oder Sohnemanns Tränendes Herz. Oder Herzensmanns Drahtgeflecht für den Hühnerstallbau. Oder meine neuste Errungenschaft, eine Art Glockenblume in Violett, deren Name ich bereits wieder vergessen habe – typisch Frau Bohnebluescht!
Item: 190 Schtutz im Jahr, ich kanns immer noch nicht fassen! Vielleicht sind besagte Gärtner aber auch einfach (noch) besser als ich, erst gar keine Kohle zu verlochen. Indem sie beispielsweise jeweils schwer beladen mit Sömli und Ablegern aus fremden Gärten laufen (und im Gegenzug andere mit Sömli und Ablegern aus dem eigenen Garten beglücken), irgendwo von einer Baustelle einen alten Gartenhag oder von einem Bauern ein altes Weinfass abzügeln (Fensterläden fehlen mir übrigens immer noch!) oder am Waldesrand Bärlauch aus- und im eigenen Garten wieder einbuddeln.
Und dann gibt es ja netterweise auch noch die Geburtstage, Muttertage, Vatertage, Namenstage: Glücklich der Gärtner, der da statt eines Blumenstrausses Blüemli mit Wurzeln erhält. Oder noch viel besser: gleich einen Gartencenter-Gutschein! Solch ein Gartencenter-Gutschein ist für mich der Vorwand, ungehemmt und für Stunden im nächsten Gartencenter abzutauchen, um dort genaustens zu recherchieren, für was ich die – sagen wir mal 100 Schtutz – am besten verlochen könnte: endlich ein Aprikosenbäumchen? Oder doch noch eine Kletterrose? Oder vielleicht eher eine weitere Seerose für einen weiteren noch abzuzügelnden Fassteich? Oder die Gartenschere mit Damaszenerschliff, die gerade in Aktion ist?
Und wisst Ihr, was mich am allerglücklichsten macht? Wenn meine Einkäufe an der Kasse genau die 100 Gutscheinfranken kosten. Das heisst nämlich, dass ich – durchschnittlich gesehen – immer noch 190 Schtutz zum Verlochen zugute habe!
Gehört Ihr zu den 29 Prozent Gärtnern, die pro Jahr gerade mal 50 Franken ausgeben! Oder doch eher zu den 15 Prozent, bei denen es über 300 Franken sind? Habt Ihr ein festes Budget, oder chrömlet Ihr, bis der Kofferraum voll und das Portemonnaie leer ist? Outet Euch über einen Kommentar, oder erstellt einen eigenen Artikel inklusive Fotos (Infos zu beidem siehe oben rechts).

Autor: Almut Berger

Fotograf: Almut Berger