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28. April 2014

Körpersprache für alle Lebenslagen

Wie kann ich meine Kinder anlügen, ohne dass sie es merken? Und wie mache ich im Vorstellungsgespräch eine gute Falle? Körpersprach-Experte Stefan Verra empfiehlt

Stefan Verra
Körpersprachexperte Stefan Verra (Bild: zVg)
Gepflegt und natürlich: So kommt man beim Rendez-Vous am besten an (Bild: iStock)
Gepflegt und natürlich: So kommt man beim Rendez-Vous am besten an (Bild: iStock).

Fürs erste Date
«Frauen: Tun sie möglichst nichts, was Ihre Persönlichkeit überdeckt. Viele richten sich extrem schön her und übertreiben hoffnungslos. Zu viel Make-up, zu viel Parfüm, die Kleider und die Frisur zu sorgfältig drapiert: Das schreckt ab, denn dahinter versteckt man sich. Die Männer hingegen dürften manchmal etwas mehr auf ein gepflegtes Äusseres achten, sie sind oft etwas gar relaxed, auch im Benehmen. Aber Achtung: Übertrieben galant sein ist auch zu viel. Lieber natürlich bleiben. Ein Tipp für beide: Schenken Sie dem Gegenüber Ihre volle Aufmerksamkeit. Tuscheln Sie nicht dauernd mit den Freundinnen und gucken Sie nicht ständig aufs Handy.»

Beim Job-Interview ist man am besten sich selbst und vergisst alle Körpersprache-Tipps (Bild: Getty).
Beim Job-Interview ist man am besten sich selbst und vergisst alle Körpersprache-Tipps (Bild: Getty).

Fürs Vorstellungsgespräch
«Lassen Sie sich nicht durch irgendwelche Tipps beeindrucken. Am besten lesen Sie gar nicht erst etwas darüber. Die Entscheidung für oder gegen Sie wird sowieso blitzschnell aus dem Bauch heraus gefällt, auch wenn die vielen Assessment Centers etwas anderes suggerieren. Diese sind meist dafür da, die Bauchentscheidung schriftlich zu begründen. Das könnte man sich glatt sparen, denn am Ende bekommt der den Job, der am überzeugendsten wirkt. Auch wenn er die Arbeit vielleicht schlechter machen wird als der, der weniger überzeugt hat. Die Wirkung zählt in dieser Situation mehr als die tatsächliche Leistungsfähigkeit.»

Wer als Kind Tischmanieren gelernt hat, kann locker ans Geschäftsessen gehen (Bild: Getty).
Wer als Kind Tischmanieren gelernt hat, kann locker ans Geschäftsessen gehen (Bild: Getty).

Fürs Geschäftsessen

«Eine Herzensangelegenheit von mir! Ich plädiere ganz stark dafür, dass Kinder anständig essen lernen. Kein Knigge, nur natürlicher Anstand! Dann können sie später ganz locker ans Geschäftsessen gehen, weil sie sich übers Benehmen keine Gedanken mehr machen müssen. Übrigens darf man bei Unsicherheiten ruhig auch mal fragen, welches Messer oder welches Glas jetzt das richtige ist, damit gibt man sich keine Blösse. Im Gegenteil: Man wirkt dadurch souveräner, weil der Körper die Unsicherheit nicht durch erhöhte Muskelspannung zu verbergen versucht.»

Volle Aufmerksamkeit signalisiert man, wenn man sich dem Gegenüber frontal zuwendet (Bild: Keystone).
Volle Aufmerksamkeit signalisiert man, wenn man sich dem Gegenüber frontal zuwendet (Bild: Keystone).

Wer Aufmerksamkeit signalisieren will
«Wer wirklich am Gespräch interessiert ist, hält sich automatisch an die N-N-Regel: Nase und Nabel sind in einer Linie und aufs Gegenüber ausgerichtet. Entsprechend wenden sich der ganze Körper und die Augen frontal dem Gesprächspartner zu. Wenn ich hingegen seitlich zu jemandem sitze und ihn eher über die Schulter hinweg anblicke, wirke ich desinteressiert.»

Lügen zwecklos: Kinder merken aufgrund der Körpersprache, wenn man ihnen nicht die Wahrheit sagt (Bild: Getty).
Lügen zwecklos: Kinder merken aufgrund der Körpersprache, wenn man ihnen nicht die Wahrheit sagt (Bild: Getty).

Wenn man sein Kind anschwindelt
«Da ist nichts zu machen. Egal, was man sagt und tut, die merken das. Kinder merken alles, sie können noch mehr wahrnehmen als Frauen – die schon etwa 50 Prozent sensibler sind als Männer. Anlügen ist aussichtslos. Auch wenn Eltern glauben, sie sollten nicht vor den Kindern streiten, weil sie damit Konflikte vertuschen könnten: Vergessen Sies! Besser, man zeigt, dass es Streit geben, man sich aber auch wieder vertragen kann. Kinder sind auf die Körpersprache angewiesen, sie kennen noch keine andere Kommunikation.»

Autor: Yvette Hettinger