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01. Juni 2015

Kochkünste

Ein Spiegelei
Herausforderung an die Kochkompetenz: Ein Spiegelei. (Bild: iStockPhoto)

Was für ein Glück, dass ich vor genau zehn Jahren Herrn Leinenbach geehelicht habe – und nicht etwa Herrn Schmid oder Herrn Müller. Mein Angetrauter ist nämlich nicht nur klug, stark und reich. Nein, er kann auch noch kochen. Und zwar so richtig. Heisst: mit mehreren Pfannen gleichzeitig und ohne Maggi-Pülverchen.
Das ist von unschätzbarem Wert, zumal ich es nicht so mit dem liebevollen Zubereiten der Speisen habe. Krass formuliert, könnte man sagen, dass unsere gemeinsamen Kinder nur deswegen so prächtig gedeihen, weil sich der Papi mehrmals wöchentlich die Kochschürze umbindet und das Brätchügeli-mit-Spätzli-Einerlei der Mami durchbricht.

Ich nähe Kleider, die fast wie gekauft aussehen, ich habe einen grünen Daumen und kann ganz prima Witze erzählen. Aber eine Köchin bin ich nicht. Wäre die Küche ein Kontinent, dann wäre der Herd das Land meiner Albträume. Diese Glasfläche, die wie von Geisterhand heiss wird, macht mir Angst. Abgesehen davon, kapiere ich auch nicht, wie man das Teufelsding so bedient, dass es einem dient.
Nehmen wir Pouletbrüstchen. Gebe ich zu wenig Gas, weil mir die Ex-Hühner irgendwie leidtun, bleibt das Fleisch innen drin glasig und rosa. Drücke ich hingegen so richtig auf die Tube, damit auch die letzte fiese Salmonelle verendet, produziere ich garantiert Braunkohle (Darmkrebs!).

Und es kommt noch schlimmer: Ich tauge noch nicht mal als Küchenhilfskraft. Wenn mir Herr Leinenbach (nach minutenlangem Briefing) ein Töpflein anvertraut, fühle ich mich schnell wie eine Schiffsbrüchige, die mit einem Rührlöffel bewaffnet Richtung Land paddeln soll. Der Meisterkoch sagt Sätze wie «Du siehst ja, wann du die Spargeln rausholen musst.» Ja? Woran sieht man das denn? Okay, okay, manchmal stelle ich mich auch extra doof an, da mir häufig die Geduld fehlt, all die vor sich hinblubbernden Speisen liebevoll bis zum Garpunkt zu begleiten. Ich laufe lieber weg und nutze die Zeit, um a) schnell noch eine Ladung Wäsche in die Maschine zu quetschen, b) den Müll rauszutragen oder c) die Kinder zu baden.
Sie ahnen schon, dass das nicht gut gehen kann. Seit wir Rauchmelder haben, strenge ich mich etwas mehr an, aber das ändert nichts am Grundproblem: Ich koche so was von überhaupt nicht gerne. Und das schmeckt man offensichtlich auch.

Neulich wünschte sich das Idakind ein Spiegelei. Pah!, dachte ich, meine leichteste Übung. Als ich fertig war, servierte ich meine Kreation. Meine Tochter begutachtete die Speise, zog eine Augenbraue hoch, ass aber brav auf.
Als sie fertig war, kam dann der Hammer doch noch: «Mami, beim Papi schmeckt das irgendwie besser. Kann er dir nicht mal sein Spiegeleirezept geben?»

Autor: Bettina Leinenbach