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21. Juni 2016

Knusper knusper Knäuschen

Wer zünselt an meinem Häuschen?

Buchsbaumzünsler an der Arbeit
Buchsbaumzünsler an der Arbeit
Lesezeit 2 Minuten

Wer kennt sie nicht, die bekannte Frage (hier leicht abgeändert), die Hänsel und Gretel aus dem Lebkuchenhäuschen vernehmen.
Aber diesmal ist es nicht die Stimme der bösen Hexe, die in einer Neumondnacht aus dem Gartenhaus tönt. Wer zur nächtlichen Stunde durch den Garten pirscht und die Ohren spitzt, hört es genau, es sind Thymian und Oregano im Kräutergarten, die Brennnesseln unter der Hecke, Moose und Flechten auf den Steinhaufen, Seerosen, Laichkraut und Wasserlinsen im Weiher, sie alle machen ihrem Unmut Luft. Die Zünsler gehen um.
Dumm gelaufen ist es für unsere zwei kleinen Buchspflanzen, die vor der Haustüre stehen. Sie hatten das Pech von (unfreiwilligen) Einwanderern besucht zu werden. Offensichtlich haben diese in ihrem neuen Lebensraum noch keine ernsthaften Feinde und können hier ein unbeschwertes Leben führen. Als Falter ist der Buchsbaumzünsler tagsüber an der Unterseite der Blätter verschiedener Pflanzen zu finden, wo er sich von seinen nächtlichen Streifzügen ausruht. Seine Eier legt er aber dann ausschliesslich an Buchspflanzen ab.
Unsere einheimischen Zünsler im Naturgarten geniessen kein so sorgenfreies Dasein, Vögel, Raubwanzen, Schlupfwespen und viele andere Insektenliebhaber sind dafür besorgt, dass die Larven dieser Kleinschmetterlinge nicht zu übermütig werden.
Die kleinen purpurfarbigen Goldzünsler treffen wir auch bei Tage im Kräutergarten an, Minze, Thymian und Oregano sind ihre bevorzugten Aufenthaltsorte.
Zusammengesponnene Brennesselblätter weisen auf die Anwesenheit des Brennesselzünslers hin. Dieser schön gezeichnete Falter ist, wie viele seiner Artgenossen, nachtaktiv. Die Hauptnahrung der Raupen sind die Brennesseln.
Im Gegensatz zum Brennesselzünsler präsentieren sich Graszünsler und Wanderzünsler in unauffälligen Farben und werden daher gerne übersehen, ihre Larven bevorzugen Gräser und niedrige Kräuter als Nahrung.
Dem Seerosenzünsler begegnen wir gelegentlich, wenn er in der Abenddämmerung über unseren Gartenteich fliegt. Auch dieser Falter ist dämmerungs- und nachtaktiv. Seine Raupen ernähren sich von verschiedenen Wasserpflanzen. Am Rande des Weihers, auf den moosbewachsenen Ufersteinen, sind die Raupen des Mooszünslers anzutreffen, die sich an den verschiedenen Flechten und Moosen gütlich tun.
Nebst pflanzlichen Abfällen bevorzugen die Raupen des Mehlzünslers Samen, Stroh und Getreide als Nahrung. Unangenehm wird es erst, wenn sich der dekorative Falter ins Haus verirrt, wo sich das Chuchichäschtli mit seinen Vorräten an Mehl, Reis und Backwaren, für seine Nachkommen als wahres Schlaraffenland erweist. Dasselbe gilt für die, auch der Familie der Zünsler angehörige, Dörrobstmotte, die besser nicht im Wohnbereich auftauchen sollte.
Mit Paracorsia (ich nenne ihn Wollkrautzünsler), dessen Raupen gelegentlich eine unserer Königskerzen verwüsten, können wir leben.
So finden alle diese einheimischen Kleinschmetterlinge in unserem Garten ihre ökologische Nische. Einwanderer müssen sich noch etwas gedulden, bis auch sie ins Beuteschema einiger Gartenbewohner passen.
Die beiden Buchsbäumchen haben wir samt Raupen entsorgt, an ihrer Stelle stehen nun Blumen vor der Haustüre. Die werden jetzt nicht mehr von den Zünslern gefressen – sondern von den Schnecken!