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13. Januar 2014

Kleiner Skandal bei Bloomberg

Letzten Frühling ist Bloomberg wegen des Umgangs mit Kundendaten in die Schlagzeilen geraten. Die Journalisten des Nachrichtendienstes hatten Zugang zu vertraulichen Daten von Nutzern der Finanz-Software.

Arbeit an einem Terminal bei Bloomberg
Arbeit an einem Terminal bei Bloomberg.

Wer die Finanzdaten von Bloomberg abonniert, bekommt einen Terminal ins Büro gestellt, der aussieht wie ein regulärer Computer mit Bildschirm und einer modifizierten Tastatur. Die gleichen Terminals stehen auch in den Büros der Journalisten von Bloomberg News. So konnten sie jahrelang im Terminal sehen, welche Finanzdaten-Kunden sich zuletzt eingeloggt haben, wer wie oft das Messaging-System genutzt hat oder wer sich für welche Themenfelder interessiert. Als dies letzten Frühling bekannt wurde, fand sich Bloomberg News plötzlich selbst im Fokus der Medienaufmerksamkeit, und in den Wirtschaftsmedien entbrannte die erste heftige Debatte des Jahres 2013 um Datensicherheit. Einige forderten, es brauche nun umgehend bessere Regulierungen für elektronische Plattformen, andere hielten die Aufregung für übertrieben.

Bloomberg News entschuldigte sich, gestand den Fehler ein und blockierte den Zugang für Journalisten. In der Folge gab es diverse Untersuchungen, ein konkreter Schaden ist aus dem Bloomberg-Datenleck aber wohl nicht entstanden. Eine interne Analyse hat laut dem Schweizer Vize-Chefredaktor Reto Gregori ergeben, dass Bloomberg News nie Kundendaten missbrauchte, um Artikel oder Primeurs zu schreiben. «Aber um sicherzugehen, dass wir uns künftig immer an die journalistische Ethik halten, haben wir ein neues Team kreiert, das direkt dem Chefredaktor unterstellt ist und uns auf die Finger schaut.»

Gregori erklärt, dass dieser offene Zugang zum Finanzdaten-Terminal historisch gewachsen sei. «Ursprünglich war das eine Kundenservicefunktion. Als Bloomberg noch klein und übersichtlich war, sollte man als Kunde quasi in jedes Büro reinlaufen und Hilfe bekommen können, wenn man ein Problem mit dem Terminal hatte.» Vor zehn Jahren habe sich daran niemand gestört, aber durch die erhöhte Sensibilität bezüglich der Privatsphäre habe sich das geändert. «Es wäre sicher besser gewesen, wenn wir diesen offenen Zugang vor Jahren blockiert hätten.»

Fotograf: Katja Heinemann