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02. Dezember 2013

Klaus, die Laus

Beissen die Läuse?
Beissen die Läuse oder nervt bloss das Suchen? (Bild: iStockPhoto)

Wenn Ida aus dem Kindergarten kommt, dann ist sie nicht selten wie ein Eselchen bepackt: Täschlein, Plastiksäcke mit Selbstgebasteltem und/oder Freundschaftsbüchern, Schirm. An manchen Tagen bringt meine Fünfjährige zusätzlich auch noch Post aus dem Chindsgi heim. Obwohl die meisten Nachrichten unspektakulär sind («Morgen ist Waldtag» oder «Nächste Woche ist Apfelwoche»), sind wir doch immer ein klein wenig aufgeregt, wenn wir das Couvert öffnen. Zu Beginn des Schuljahrs gab es nämlich eine Botschaft, die es in sich hatte. Damals erfuhren alle Mamis und Papis via Zettel, dass vor Ort Läuse gesichtet worden waren. Tja, was soll ich sagen? Im ersten Moment liess mich das ziemlich kalt – obwohl Ida darauf bestand, dass es sich um besonders grosse, wilde Exemplare handelte.

Nach einer kurzen Kopfinspektion – nix zu sehen zwischen Idas blonden Binsen – servierte ich den Zmittag. Meine Tochter schob die Ebly-Körner von rechts nach links und fragte, ob die Läuse auch so gross seien. Ich zuckte mit den Schultern. Dann begann Ida zu reimen: «Klaus, die Laus, wohnt im Haus… Mami, wohnt Klaus bei uns?»

In der Mittagspause las ich die Chindsgi-Post nochmals aufmerksam durch. Dort stand, die Viecher würden sich vor allem dann ausbreiten, wenn Kinder beim Spielen die Köpfe zusammenstecken würden.
«Mäuslein, hast du in den letzten Wochen mit den anderen Kindern im Chindsgi gespielt?»
Ida sah mich verständnislos an.
«Habt ihr die Köpfe ganz nahe zusammengehalten?»
Sie nickte. Nun war meine Neugier geweckt. Oder soll ich sagen, mein Jagdinstinkt? Jedenfalls geschah etwas mit mir, was mir im Nachhinein echt peinlich ist. Ich wollte mit allen Mitteln herausfinden, welche Kinder betroffen waren.
«Ida, wer hat denn eigentlich Läuse?»
«Weiss ich nicht.»
«Sicher?»
«Ja-ha!»
«Ich möchte nur wissen, ob die Tiere auch zu dir gehüpft sein könnten.»
«Mami, die Frau Meyerli hat gesagt, Läuse hüpfen nicht.»
«Äh, ja, okay, stimmt. Ist jemand bei euch krank?»
«Nein, alle Kinder waren da. Aber der Felix musste sich ganz fest die Haare waschen» –
Felix, Felix, Felix? Wer war noch gleich dieser Felix? Jemand aus dem zweiten Chindsgi. Uff, Glück gehabt. Mit dem hatte Ida sicher nicht gespielt. Oder etwa doch?

Als sich das Kind hinterm Ohr kratzte, begann ich durchzudrehen. Nun strählte ich ihm den ganzen Kopf, nahm jedes Schüppchen unter die Lupe, suchte nach verräterischen Blutkrusten, griff mir auch noch Eva, lauste dort weiter, wusch anschliessend beiden Mädchen die Köpfe – und mir gleich mit, kämmte wieder minutenlang durch nasse Haare, bezog die Betten frisch und rief dann noch in der Apotheke an.
«Leider», sagte die nette Frau am Telefon, «leider sind die Nissenkämme alle ausverkauft. Das Weidenrindenshampoo auch.»
«Verstehe.»
«Es gibt scheinbar eine schlimme Epidemie im Kindergarten.»
«Echt, jetzt?»
«Also, wenn Sie die Sachen dringend brauchen, könnten Sie es ja in der Stadt versuchen, vielleicht haben Sie dort Glück.»
«Warum nicht in der Drogerie im Nachbardorf?»
«Weil die auch nichts mehr haben.»
Nachtrag: Wir haben dann doch noch einen Nissenkamm, das Weidenrindenshampoo und einen Leichtkämmspray bekommen. Nur auf die Läuse, auf die warten wir bis heute. Jetzt scheint es aber eine neue Chance zu geben. Denn: Klaus, die Laus, is back! Drei Monate nach dem ersten Alarm brachte Ida heute einen neuen Chindsgi-Zettel: «Liebe Eltern, die Läuse in unserem Kindergarten sind offensichtlich hartnäckig …»
www.lausinfo.ch

Autor: Bettina Leinenbach