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14. November 2016

Muss man sich von Freunden immer wieder Klagen über deren Job anhören?

Kolumnist Philipp Tingler beantwortet jede Woche eine Frage des modernen Benehmens. Diesmal: Muss man sich von Freunden immer wieder Klagen über deren Job anhören?

Ewiges Gejammer treibt wohl jeden früher oder später zur Weissglut.

«Es gehört zu den Freundschaftspflichten, dass man Anteil nimmt, wenn ein Freund oder eine Freundin über Probleme am Arbeitsplatz spricht, welcher Art sie auch seien.

Allerdings ist Betroffenheit per se eine wenig konstruktive Haltung. Die unproduktivste Haltung freilich ist Jammern. Doch Jammern kann für die Psychohygiene wichtig sein und bisweilen das Problem schon erledigen. Ein bisschen Gejammere sollte daher jeder seinen guten Freunden zugestehen.

Die Faustregel sieht so aus: ein paarmal klagen lassen und zustimmend zuhören und Ratschläge nur auf Anfrage erteilen. Wenn danach das Wehklagen nicht abnimmt, konkrete Hilfestellungen anbieten, Probleme analysieren und Strategien erarbeiten.

Ändert sich auch hierauf gar nichts, weist man den Freund darauf hin, dass permanentes Jammern unattraktiv macht. Oder man fängt selbst an zu jammern.»

Autor: Philipp Tingler

Illustrationen: Andreas Klammt