Archiv
13. Juli 2015

Kirschlorbeer? Zero points!

Die Gartenbloggerin hat an einem Gartencontest teilgenommen. Und ist jetzt ein bisschen schlauer.

Dieser Tage standen zwei Damen vor meinem Gartentörli, um mein Paradiesli unter die Lupe zu nehmen. «Lebendiger Garten» heisst die Aktion, bei welcher der örtliche Naturschutzverein Anlagen auszeichnet, die Raum für einheimische Pflanzen und Tiere bieten: Wer eine bestimmte Anzahl von Punkten erfüllt, wird mit einer Heupferdchen-Plakette geadelt.

Ich, oder exakter mein Garten, hatte 2009 schon einmal beim Gartencontest ausreichend gepunktet, wovon noch heute der Heugümper an unserem Gartenschopf zeugt. Aber erstens sollte man sich nie auf seinen Lorbeeren ausruhen (als würden Gärtner jemals ruhen …), hat sich zweitens unser Garten seither laufend verändert (ich sag nur: Thujahecke!) und ist drittens das Ganze eine tolle Gelegenheit, mir endlich mal wieder von Fachleuten sagen zu lassen, was da überhaupt so alles grünt und blüht bei Bohneblueschts.

Schwarz- oder Kreuzdorn, das ist die Frage

Zuerst musste (oder vielmehr durfte) ich aber merken, dass selbst Leute vom Fach sich nicht immer einig sind. So sorgte bereits der Schwarzdorn in meiner Hecke, respektive die Frage, ob es überhaupt ein Schwarzdorn sei und nicht etwa ein Kreuzdorn, für rege Diskussionen. Nach eifrigem Geblätter im Bestimmungsbuch einigte sich frau dann auf Schwarzdorn. Heupferdchen-Plaketten-relevant war die Diskussion aber so oder so nicht: Schwarz- wie auch Kreuzdorn sind heimisch und wertvoll für die Vogelwelt. Drum: one point!

Dass mir mein Geissblatt auf der Terrasse keinen Punkt einbringen würde, hatte ich bereits im Vorfeld geahnt: Obwohl bei den Nachtfaltern beliebt, ist es (knallgelbe Blüten!) kein hiesiges. Anders als das im letzten Jahr gepflanzte Exemplar beim Hühnerstall, bei dessen Kauf ich extra nachgefragt hatte. Wie übrigens auch beim Kauf des blauen Eisenhuts in der Blumenrabatte. Umso grösser dann mein Frust, als der Eisenhut von den Fachfrauen als Fake respektive Import entlarvt wurde. Ergibt insgesamt: two points! Beim wolligen Schneeball gingen die Meinungen dann wieder auseinander, mein Viermeterexemplar könne möglicherweise auch eine Kulturform sein. Da ihn die Blattläuse aber offensichtlich mögen, was wiederum die Meisen freut, wurde er schliesslich doch mitgezählt: three points!

Weitere Punkte gabs für die Felsenbirne, den Vogelbeeribaum, das Pfaffenhütchen, den Holderebusch, den Liguster und die zwei Lärchen. Meine schönstens im Kraut stehenden Erdöpfel brachten zwar keine Punkte, aber immerhin ein Kompliment. Dass die Winde, die jeweils meine Beeristräucher zu erdrosseln sucht, als einheimisch und wichtige Bienenweide gilt, liess mich zwar schlucken. Aber den Punkt, den nahm ich trotzdem. Macht: ten points!
Als naturschutzrelevant und damit punktewert notiert wurden weiter: die Vogelhüsli, die mit wildem Wein und Efeu überwachsenen Hauswände, der Steinhaufen beim Teich, der Teich an sich, meine beiden selbst gebastelten Insektenhotels sowie die diversen Gammelholzstapel.

Verbesserungspotenzial orteten die beiden Naturschützerinnen hingegen beim Rasen. Aber fussballspielende Kinder gehen nun einmal nicht mit einer Blumenwiese zusammen, mögen noch so viele Punkte winken. Immerhin konnte ich ein paar magere Gänseblüemli, Bettseicherli, Chrottepösche sowie ganz viel Moos vorweisen (ich hab dann irgendwann nicht mehr mitgezählt, hoffe aber zumindest auf einen halben Punkt).


Frau Bohnebluescht blamiert sich

Was hat mir das Ganze sonst noch gebracht ausser einem Haufen Punkte und – hoffentlich – einer hübschen Plakette? Diverse interessante Infos. Beispielsweise
dass unser verschollener Froschlaich wohl nicht von den Molchis, sondern von den Libellenlarven weggeputzt wurde.
dass die Löcher in den Chriesibaumblättern der sogenannten Schrotschusskrankheit zu verdanken sind, die durch Pilze verursacht wird, die es gern feucht und kühl haben.
Und dass das Unkraut – Entschuldigung: Beikraut - mit den gelben Blüten und den hakelnden Früchten, das überall unter den Büschen wuchert, Nelkenwurz oder auch Benediktinerkraut heisst und die Wurzel angeblich gegen Zahnweh hilft.
Tja, und ganz am Schluss hab ich mich dann noch so richtig schön blamiert, indem ich den beiden Damen stolz erzählt habe, dass der Bohnebluescht-Garten seit dem letzten Gartencontest nicht nur Thuja-, sondern auch kirschlorbeerfreie Zone sei (für Nichtgärtner: Kirschlorbeer ist ein invasiver Neophyt und daher je länger, je weniger gern gesehen).
In dem Fall würde das Rabättli mit den zwei Kirschlorbeersträuchern neben unserer Garage also dem Nachbarn gehören, fragte darauf die eine. Rabättli? Garage? Die abverreckte Kirschlorbeer-Reiss-aus-Aktion vom letzten Jahr hatte ich doch tatsächlich verdrängt!
Ob es trotz des Kirschlorbeers für ein Heupferdli gereicht hat? Mehr dazu demnächst hier bei «Bohne, Bluescht & Berger»!

Autor: Almut Berger

Fotograf: Almut Berger