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11. März 2013

Kinderärzte gesucht

Immer mehr Eltern finden keinen Kinderarzt in der Nähe und wenden sich direkt an die Notaufnahme der Kinderspitäler.

Kinderärzte
Besonders für Kleinkinder sind Spezialwissen und Erfahrung eines Kinderarztes 
wichtig. Leider nimmt die Dichte an Kinderarzt
praxen in 
der Schweiz 
immer mehr ab. 
Besonders 
betroffen sind Landregionen. (Bild: iStockphoto)

Wer kleine Kinder hat, weiss: Ständig läuft eine Nase, gibt es einen Ausschlag zu kurieren oder schnellt die Körpertemperatur plötzlich über 40 Grad hoch, von all den kleineren und grösseren Unfällen daheim und auf dem Spielplatz ganz zu schweigen. Ein guter Kinderarzt in der Nähe wäre daher äusserst wichtig. Doch das ist leider ein Wunschtraum, denn es gibt nicht genug Kinderärzte.

Was tun? «Da ist guter Rat teuer», sagt Christian Kind (63), Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie. «Es gab schon immer zu wenige Kinderärzte. Vor allem auf dem Land gehen Kinder oft zum Hausarzt.» Doch je kleiner ein Kind ist, umso wertvoller sind Spezialkenntnisse und Erfahrung in der Kinderheilkunde. Auch bei Teenagern sei ein Kinder- und Jugendarzt die beste Wahl, sagt Christian Kind. Dieser wisse am besten Bescheid über die seelische und körperliche Entwicklung in dieser Lebensphase.

Nun hat sich die Situation in den letzten Jahren noch verschärft, und immer mehr Eltern finden keinen Kinderarzt. Warum gibt es so wenig Nachwuchs? «Kinderärzte verdienen nur rund die Hälfte dessen, was ein Spezialarzt bekommt — sie verdienen also noch schlechter als Hausärzte», sagt Christian Kind. Ein weiteres Problem sei die zu geringe Zahl an Ausbildungsplätzen.

Und was können Eltern tun, die keinen Kinderarzt in der Nähe finden? «Sie sollen einen Kinderarzt in der Region suchen und sonst mit ihrem Kind zum Hausarzt», rät Christian Kind. Heute suchen Eltern meist direkt die Notaufnahme der Kinderspitäler auf. Mit der Folge, dass diese völlig überlastet sind. Auch die angebotenen Notfalltelefone bieten kaum Entlastung, da man besonders bei Kleinkindern lieber direkt statt am Telefon abklärt. Eine Besserung der Lage ist kurzfristig leider nicht in Sicht.

Autor: Andrea Fischer