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23. Februar 2015

Kinder vor brutalen Bildern schützen

Mord, Folter, Missbrauch: Kein Stoff für Kids! Dennoch werden sie in den Medien zunehmend mit Bildern konfrontiert, die Gewalt zeigen. Wie Eltern ihre Kinder davor schützen können.

Kinder vor Gewalt schützen
Gewalt ist in den Medien allgegenwärtig. Die Kinder ganz davor abzuschirmen, ist unmöglich (Bild: XXYY)

Mami, tut es weh, wenn man geköpft wird? Du, Papi, ist Missbrauch so was wie eine Miss-Wahl? Stellen Kinder ihren Eltern solche Fragen, sind sie womöglich mit Themen konfrontiert worden, die sie verstören: mit dramatischen News aus der Presse, verwirrenden Bildern aus dem Computer oder Smartphone.

Also Kiste abschalten, Zeitungen verstecken, Tablets offline stellen: Ist das die Lösung? Nicht ganz. Wohl gilt es, Kleinkinder vor Schwerverdaulichem fernzuhalten. Mit zunehmendem Alter sollen Kinder aber lernen, damit umzugehen: «Medien sind Teil unseres Lebens. Eltern sollen ihren Kindern helfen, sich Schritt für Schritt in der Medienwelt zurechtzufinden», sagt Medienpsychologe Gregor Waller von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW).

Eltern sollten aufhorchen, wenn ihr Sprössling alarmiert wirkt: «Ein Kind fragt meistens die Eltern, wenn es etwas nicht versteht oder davon Angst bekommt», sagt Waller, «dann ist es wichtig, dass Sie sich Zeit nehmen und die Fragen beantworten.» Am besten, man erklärt dem Kind undramatisch und altersgerecht die Sachlage. Gemeinsam, geborgen bei Mami oder Papi, kann es verstörende Eindrücke bewältigen.

So sehr das Kind gewisse Vorstellungen fürchtet, so sehr fühlt es sich auch davon angezogen: «Uns Menschen fasziniert alles, was ausserhalb der Normalität ist», erklärt Waller. «Wir fokussieren auf ausgesprochen Schönes oder Hässliches, auf sehr Böses oder sehr Gutes.» Doch das Hässliche und Böse verkauft sich in den Medien besser.

Diesem Ungleichgewicht kann man Gegensteuer geben. Etwa mit Märchen oder bei grösseren Kindern mit griechischen Sagen: Kinder finden in Märchen ihre
archaischen Ängste wieder. Sie gruseln sich vor schauerlichen Prototypen. Zugleich verstehen sie unbewusst, warum und wie sich der Held entwickelt. Zum Schluss dürfen sie aufatmen, weil das Böse in der Regel aufgelöst wird – im Gegensatz zu den Schauerstorys in den Nachrichten.

Autor: Gabriela Bonin