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27. Oktober 2014

Nicht ohne Gschichtli ins Bett

Gutenachtgeschichten sind ein wichtiges Ritual und stärken die Bindung zwischen Eltern und Kindern. Fünf Kinder haben uns ihre liebsten Geschichten gezeichnet – und im Video erzählt. Erkennen Sie sie? Migrosmagazin.ch sammelt dazu die besten Erzähl-Tipps zum Einschlafen («Geschichten für eine gute Nacht»).

Zähne putzen, Pyjama anziehen, und dann lesen Mami oder Papi noch was vor: Die Gutenachtgeschichte ist in vielen Familien ein wichtiges Ritual vor dem Zubettgehen. Laut einer Studie der Universität Bern zu Abendritualen wird in der Hälfte aller Schweizer Familien abends vorgelesen. Gutenachtgeschichten geben dem Tag Struktur und ziehen die Grenze zwischen Tag und Nacht. Ob es um eine Abenteurerbande oder nimmersatte Raupen geht: Das «Guetnachtgschichtli» weckt Emotionen und stärkt die Bindung zwischen Eltern und Kindern. Für Daniela Melone, Leiterin der Elternberatung von Pro Juventute, steht fest: «Kinder lieben Geschichten! Für ein Kind bedeutet eine Geschichte erzählt zu bekommen immer Beziehungszeit. Das Kind bekommt ungeteilte Aufmerksamkeit und Zuwendung.»

Die Gutenachtgeschichte geht auch auf dem Sofa

Das Geschichtenerzählen unterstützt Sprach- und Hörverständnis: Durch das regelmässige Vorlesen lernen Kinder, einer Geschichte inhaltlich zu folgen und diese zu verstehen. Beim Erzählen empfiehlt Daniela Melone Kreativität: «Schön ist es, wenn Erwachsene eine Geschichte anschaulich erzählen, wenn sie beispielsweise knurren und Stimmen nachmachen.» Muss die Gutenachtgeschichte im Bett erzählt werden? Nicht unbedingt, sagt die Elternberaterin: «Eine Familie kann sich auch aufs Sofa kuscheln. Es soll eine ruhige Atmosphäre herrschen, schliesslich soll das Kind nachher einschlafen können.» Das Sofa ist auch der Lieblingsort der fünfjährigen Flurina. Am liebsten bekommt sie ihre Gutenachtgeschichte von den Grosseltern erzählt. Ihrer siebenjährigen Schwester Lisa ist nicht der Ort, sondern die Stimmung wichtig: Sie besteht darauf, dass beim Vorlesen ihre orange Hasenlampe brennt.

Flurina (5): «Ich mag das Märchen von Rapunzel uu gerne. Rapunzel hat so lange Haare und schöne grüne Augen.»

Amelie (3): «Die Raupe Nimmersatt ist meine Lieblingsgeschichte, weil die Raupe einen Lolli isst und mega viele Erdbeeren und ein Blatt – wäää! Danach ist sie total dick, macht eine ‹Kokosnuss› um sich herum, knabbert ein kleines Loch und schlüpft heraus. Tada! – dann ist sie ein wunderschöner Schmetterling!»

Raphael (5): «Mein Mami erzählt mir die Geschichte, wenn ich im Bett liege. Mir gefällt der ‹kleine Drache Kokosnuss›, weil die Geschichten so spannend sind. Es nimmt mich beim Zuhören immer wunder, wen er bei seinem Schulausflug im Tal der Riesenpilze noch so antrifft. Ein Mal, zum Beispiel, trifft er einen Troll.»

Lisa (7): «Meine Lieblings-Gutenachtgeschichte ist ein englisches Buch. Meine Mutter erzählt es mir immer auf Deutsch. Die Maus Angelina fährt Schlittschuh und bereitet sich auf eine Aufführung in der Schule vor. Aber alles geht schief, zum Beispiel hat es böse Buben auf dem Eisfeld, die ihr ständig in den Weg fahren. Das finde ich spannend.»

Alan (8): «Mein Papi erzählt mir am Abend gerade die Geschichte der vier Kinder, die in einem arabischen Land ein Abenteuer erleben. Das Buch ist mega spannend, sie treffen einen Schlangenbeschwörer, finden Schätze und fahren auf einem Motorboot durch den Fluss. Manchmal ist das Buch auch ein bisschen unheimlich. Es hat fast keine Bilder, aber das macht nichts, ich kann mir die Geschichte selber gut ausmalen.»

Autor: Silja Kornacher