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09. September 2013

Kinder hängen am Radio

Radiolino.ch, das erste Schweizer Webradio für Kinder, unterhält mit Fortsetzungsgeschichten und Detektivserien. Das 24-Stunden-Programm bietet aber auch den Erwachsenen etwas.

Mädchen, welches das Ohr ans Radiogerät hält und gebannt zuhört
Kleine Radiofans: 
Gerade bei Kleinkindern ist der Hörsinn noch ausgeprägter als der Sehsinn. Leicht tauchen sie in eine Fantasiewelt ab. (Bild: Getty Images)

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Die kleine Seraina freut sich schon am Morgen früh: um zehn Uhr kommt die neue Folge vom «Kasperli» am Radio. Danach gibts Kinderlieder — etwa Songs aus dem «Dschungelbuch» oder von Stärneföifi. Der Sender heisst Radiolino.ch, das Zielpublikum sind drei- bis zwölfjährige Kinder — und ihre Eltern.

Die drei Zürcherinnen Stephanie Berz (36), Gal Müller (37) und Claudia Scivoli (38) haben das Webradio ins Leben gerufen, seit November 2012 ist Radiolino.ch auf Sendung. «Wir fanden es schade, gibt es kein Radio für die Kleinen», sagt Stephanie Berz. Vor eineinhalb Jahren legten die drei Frauen los: Sie hatten Lust, etwas Eigenes zu schaffen, erstellten das Konzept, suchten die richtigen Leute für Grafik, Streaming und Programmierung, lernten die Programme kennen und beschafften das Material für die Sendungen.

Vor allem die Kleinen haben noch die Geduld, einfach nur zuzuhören. – Stephanie Berz

Ihr Konzept: «Morgens senden wir eher für die ganz Kleinen, mittags Musik für die ganze Familie, am späteren Nachmittag, wenn die Kinder von der Schule heimkommen, sind Detektiv­serien und Fortsetzungsgeschichten für die älteren Kinder angesagt.»

Radiolino.ch sendet rund um die Uhr, auch nachts. «Dann gibt es Musik für Mamis und Papis», sagt Stephanie Berz. «Da sind die Kinder normalerweise am Schlafen.» Berz und ihre beiden Geschäftspartnerinnen sind Radiofans. «Wir fänden es gut, wenn Kinder wieder mehr Radio hören und von der Überfütterung durch die visuellen Medien etwas wegkommen würden», sagt sie. «Das Zuhören beflügelt, regt die Fan- tasie an. Und beim Zuhören kann man auch noch andere Dinge tun, zum Beispiel zeichnen.» Stephanie Berz gibt der Radiokultur in Zeiten der visuellen Medien durchaus eine Chance: «Wir haben viele positive Rückmeldungen.

Die Detektivserie auch beim Camping oder Picknick hören

Finanziert haben die drei Frauen ihr Kinderradio bisher mit privaten Mitteln, Onlinewerbung und Radiospots. Die Zeichen stehen gut, dass es bald rentieren wird. Monatlich hat Radiolino.ch über 30 000 Besucherinnen und Besucher, und die Hörer bleiben mit durchschnittlich 35 Minuten lange dran.

Neu gibt es das Webradio nun auch als App. So kann man die aktuellsten Folgen der Detektivserie mit den Gschpänli in der Badi hören — oder mit der ganzen Familie auf dem Campingplatz.

Radiolino.ch ist viel mehr als ein Radio: es ist auf Facebook und Twitter aktiv, und auf der Website findet man zusätzlich Tipps für Ausflüge, Konzerte, Theater, Bücher, CDs oder Bastelideen. Als nächsten Schritt planen Stephanie Berz, Gal Müller und Claudia Scivoli moderierte Sendungen. Ein Moderationsteam haben sie schon, das Studio befindet sich im Aufbau.

www.radiolino.ch

Autor: Claudia Langenegger