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11. November 2013

Putzen macht selbstsicher

Kinder helfen im Haushalt gerne mit. Es ist wichtig, dass sie dies schon früh dürfen, denn sie lernen dabei fürs Leben.

Ein kleines Mädchen am Staubsaugen
Ob beim Putzen oder Kochen: Kinder sollte man ruhig in die Hausarbeit einbeziehen – sie dabei aber keinesfalls überfordern. (Bild: Getty Images)

SPIELERISCH ZUR MITARBEIT ERMUNTERN
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Lina ist zweieinhalb Jahre alt. «Will auch», sagt sie, als ihre Mutter mit Putzen loslegt. Die Mutter drückt ihr eine Rolle Haushaltpapier in die Hand, Lina darf das Regal abstauben. 20 Minuten später ist die ganze Rolle aufgebraucht, das Papier liegt überall in zerdrückten Häufchen herum. «Das hast du super gemacht», sagt die Mutter und lacht. Lina strahlt.

«Es ist wichtig, dass die Kleinen möglichst früh mithelfen können», sagt Kinder- und Jugendcoach Sarah Zanoni (43). Seit über zehn Jahren berät sie in Aarau Eltern in Erziehungsdingen und hat schon mehrere Bücher zu diesem Thema publiziert. «Kleine Kinder helfen nämlich gern», weiss sie. «Denn Hausarbeit ist für sie eine andere Art von Spielen.»

Auch wenn die Mithilfe der Kleinen Mehraufwand bedeutet – wenn sie zum Beispiel beim Lavaboputzen das halbe Badezimmer wässern –, man sollte sie bei der Hausarbeit einbeziehen. «Das gibt ihnen Selbstvertrauen», sagt Sarah Zanoni. Die Kleinen können nämlich schon helfen, sobald sie laufen können. «Sie können zum Beispiel die Windeln selber in den Abfalleimer werfen», sagt die Pädagogin. Zweijährige können etwa beim Aufräumen helfen, indem sie die Spielklötzli in einer Kiste versorgen. Ab drei Jahren kann das Kind beim Pizza-Belegen und Birchermüesli-Zubereiten mitmachen, Salat waschen und in ein Sieb legen oder sein Plastikgeschirr putzen. Sogar Blumen zu giessen oder im Garten zu helfen, ist denkbar.

«Man sollte seinen Kindern etwas zutrauen», weiss Zanoni. Wichtig ist aber, dass die Aufgaben einfach und überschaubar sind. Und die Eltern müssen auch mal fünf gerade sein lassen und die Mithilfe loben, statt perfektes Putzen zu erwarten. «Ist das Kind überfordert, verleidet es ihm schnell», weiss Sarah Zanoni. Wird ein Kind jedoch zu stark geschont und darf daheim nie helfen, wird es später schwierig, es als Teenager für ein Ämtli zu motivieren.

Mit etwa fünf können die Kleinen den Mittagstisch decken. «Den Tisch wieder abzuräumen, ist aber oft zu anspruchsvoll», sagt Sarah Zanoni.

Das eigene Zimmer aufzuräumen, ist bei allen Kindern unbeliebt

Mit dem Einbeziehen in die Hausarbeit gewinnen Kinder an Selbstsicherheit und eignen sich schrittweise die Fähigkeit zur Selbständigkeit an. Sie lernen fürs Leben: «Man weiss aus Studien, dass ein Kind, das Fertigkeiten wie mit Schere und Messer schneiden oder Wasser einschenken bei Kindergarteneintritt nicht kann, später Mühe in der Schule hat.» Ab Schulalter sind Putzen von Lavabo oder WC-Schüssel, Katzenfüttern oder Wischen machbare Aufgaben. In der zweiten und dritten Klasse können sie auch staubsaugen oder nach genauen Anweisungen bei der Wäsche mithelfen. Besonders beliebte Ämtli sind Spiegel putzen oder mit der WC-Ente die Toilette reinigen.

Sarah Zanoni plädiert aber dafür, bei den festen Ämtli zurückhaltend zu sein: «In der Primarstufe sind ein bis zwei Ämtli genug.» Gut ist, vom starren Ämtliplan wegzukommen, die Aufgaben nicht an feste Tage zu binden und innerhalb der Familie rotieren zu lassen. So bleibt der Hausarbeit etwas Spielerisches erhalten, das motiviert. Wer aber verzweifelt, weil das Kind sein Zimmer nie gerne aufräumt, für den gibts nur einen Trost: «Das Zimmer aufzuräumen, ist bei allen Kindern unbeliebt», weiss Sarah Zanoni aus langjähriger Erfahrung.

Autor: Claudia Langenegger