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01. Februar 2016

KESB-Präsident: «Wir konnten vielen Menschen helfen»

Keine Behörde lieferte in den letzten Jahren so viele negative Schlagzeilen wie die KESB. Dabei kommt die Arbeit der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde allen zugute, die in Not sind, sagt Michael Allgäuer.

Michael Allgäuer (49), 
Präsident der KESB Zürich.
Michael Allgäuer (49), 
Präsident der KESB Zürich.

Michael Allgäuer, wie haben Sie das letzte Jahr erlebt?

Unsere KESB, die für die ganze Stadt Zürich zuständig ist, hat rund 1100 Massnahmen für Kinder und Erwachsene angeordnet. Wir konnten vielen Menschen helfen und sie in schwierigen Situationen unterstützen. Das freut mich sehr.

Wie gestaltet sich die Arbeit mit unterstützungsbedürftigen ­Menschen?

Bei den betroffenen Personen und ihren Angehörigen haben wir im Allgemeinen eine hohe Akzeptanz. Zum Beispiel ältere Menschen, die mit Finanzen und Administration überfordert sind, oder psychisch kranke Personen schätzen die Unterstützung, die wir ihnen mit Beistandschaften gewähren können. Durch die aktuellen,kritischen öffentlichen Diskussionen ist die Bevölkerung allerdings teilweise verunsichert.

Wie gehen Sie mit der Kritik an der KESB um?

Nur ein kleiner Teil unserer Arbeit wird in der Öffentlichkeit wahrgenommen und diskutiert. Diese Diskussionen sind wichtig, können unsere Arbeit aber belasten.

Inwiefern?

Weil wir teilweise das Misstrauen unserer Behörde gegenüber ­spüren. Dies macht es in einigen Fällen schwieriger, zusammen mit den Betroffenen und ihren Angehörigen die richtige Unterstützung zu bestimmen.

Welches sind die grössten Herausforderungen der Zukunft?

Akzeptanz, Verständnis und Kooperation sind zentral für eine erfolgreiche Arbeit mit den Betroffenen. Daher müssen wir auf eine allgemeine Stärkung des Vertrauens in die KESB hinarbeiten.

Michael Allgäuer (49) ist Präsident der KESB Zürich.

Autor: Anne-Sophie Keller