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23. März 2015

(K)Einhorn

Chindsgi-Rucksächli oder -Täschli
Hübsch pink für Mädchen? Chindsgi-Rucksächli oder -Täschli im Vergleich. (Bild: Fotolia)

Eva kommt im Sommer in den Kindergarten. Ist doch logisch, dass wir schon bald ein hübsches Chindsgitäschli brauchen. Mir würde ja dieses braune Modell von Louis Vuitton zusagen, aber meine Vierjährige hat andere Vorstellungen. Auf der Tasche muss – ich zitiere – «ein Einhorn sein, auf dem eine Prinzessin sitzt, die Elfenflügeli hat». Schön wäre nach Evas Aussage auch, wenn das Einhorn eine Glitzermähne hätte und nach Erdbeeren riechen würde. (Ich schätze, sie würde sich auch nicht beschweren, wenn der Zaubergaul noch Gummibärli statt Rossbollen scheissen könnte.)

Obwohl ich stundenlang auf meine Tochter eingeredet habe, bleibt sie beratungsresistent. Einhorn mit geflügelter Prinzessin, oder Eva geht nicht in den Chindsgi.

Die lieben Kleinen haben eine ganz konkrete Vorstellung davon, wie Kindergartentaschen oder Schultheks auszusehen haben. Nehmen wir den Sohn meiner Kollegin Ursi. Der schüttelte beim Thekkauf bei allen Taschen, die ihm seine Mutter hinhielt, den Kopf. Polizeiauto? Langweilig! Grünes Riesenmonster? Was für Babys! Erst beim plüschigen Zebramodell nickte der Knirps begeistert. Nun läuft er schon seit einem Dreivierteljahr mit einem gestreiften Wildpferd auf dem Buckel herum. Jedes Mal, wenn ich ihn mit seiner Kunstfell-Schultasche sehe, kommen mir fiese Grosswildjäger und depressive Zebras in den Sinn. Ursi, typisch Mutter, redet sich das Ganze schön: «Wenigstens ist auf seinem Thek kein Spinnen- oder Fledermausmann – das hätte ich nicht ausgehalten.»
Also wenn Ida auf einer Comicschultasche bestanden hätte, wäre ich wohl cool geblieben. Hey, wenigstens retten Spiderman und Co. die Menschheit. Stellen Sie sich mal vor, das Kind würde auf einen Thek mit David Hasselhoff oder Angela Merkel bestehen. Das wäre dann wirklich bizarr.

Aber zurück zu meiner willensstarken Vierjährigen und ihrer Vorstellung von einem perfekten Chindsgitäschli. Wir haben nun ein Modell mit einer Prinzessin bestellt. Die Kombi aus Einhorn und Thronanwärterin mit Flügeln war nicht aufzutreiben. Ich habe Eva angeboten, zur Not selbst einen Gaul auf die Tasche zu nähen. Sie lehnte dankend ab: «Lieber nicht, Mami, du kennst dich nämlich gar nicht mit Einhörnern aus.»

Autor: Bettina Leinenbach