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29. Oktober 2012

Keine Highlights, aber auch keine Schwächen

Neuwagen zum Occasionspreis: Der Dacia Lodgy punktet mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Aber auch mit seinem Volumen spricht der 7-Plätzer Familien an. Lesertestfamilie Schärer aus Strengelbach hat ihn ausprobiert.

Dacia Lodgy
Viel Platz – auch für Instrumente: Renate und Dominik Schärer, hier mit Fabienne, Janick und Sara, sind Mitglieder 
der «Guggemusig Sträggelebrätscher».

Guggenmusik ist das grosse Hobby von Testfamilie Schärer aus Strengelbach AG. Und der Testwagen Dacia Lodgy ist ein wenig wie Guggenmusik: Für gute Laune braucht es nicht immer gleich ein hochklassiges Sinfonieorchester — und um von A nach B zu kommen, kein Luxusmobil. «Ein Auto ist Mittel zum Zweck», sagt Renate Schärer (37): «Bequem, geräumig, budget- und umweltschonend soll es sein.» Ob Familie Schärer, sonst im Mitsubishi Colt und Toyota Corolla unterwegs, sich mit dem rumänischen Kompaktvan anfreundet? Beim Budget in jedem Fall: Der Lodgy ist bereits für sensationelle 11'900 Franken zu haben. Die Testvariante kostet zwar ab 20'100 Franken, ist aber top ausgerüstet und für einen Siebensitzer noch immer sehr günstig. Selbst die Optionen überzeugen preislich: Das Multimedianavi kostet faire 700 Franken. Für Renate Schärer ein Highlight, «zumal eine Freisprechanlage integriert ist».

Weniger Begeisterung weckt das Design. «Die Form ist okay», urteilt Dominik Schärer (33), «und die Übersicht ist toll.» Aber den Zustieg in Reihe drei zu den Plätzen sechs und sieben finden Dominique (15), Fabienne (11) und Janick (9) unpraktisch, wie der Karosseriespengler erläutert. Trotzdem: «Selbst wenn man alle Sitze nutzt, hat es ganz hinten noch Platz für den Buggy unserer sechs Monate alten Sara. Zu sechst mit Feriengepäck reicht der Platz zwar nicht, aber im Alltag bietet er mehr als genug Raum.»

Im sachlich und einfach, aber ordentlich verarbeiteten Cockpit bieten nach 500 Testkilometern nur die Sitze Anlass zu Kritik. «Im täglichen Einsatz sind sie gut, aber auf Reisen nicht wirklich bequem», sagt Kosmetikerin und Hausfrau Renate. Über den 107-PS-Dieselmotor kann Familie Schärer dasselbe sagen wie über das Testauto insgesamt: keine Highlights, aber auch keine Schwächen. «Man kommt flott voran», urteilt Renate Schärer, «aber beim Hochdrehen passiert nicht viel.» Ihr Ehemann ergänzt: «Wenn man flott schaltet, lässt sich dies kompensieren.» Mit 6,4 l/100 km liegt der Verbrauch im Test zwei Liter über Normangabe, was für einen Van aber in Ordnung ist.

«Schade, dass er keinen Tempomat hat», bedauert Renate Schärer: «Dafür fährt er sich ausgewogen: guter Komfort, handlich in der Stadt.» Könnte sich Familie Schärer vorstellen, den Dacia Lodgy zu kaufen? «Ja», sagt Renate Schärer: «Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt! Er ist familienfreundlich, fühlt sich teurer an, als er ist, und passt in das kleine Familienbudget.»

CO2-Richtwerte

Die CO2-Werte des Dacia Lodgy dCi 110 7-Plätzer.
Die CO2-Werte des Dacia Lodgy dCi 110 7-Plätzer.

Im Jahr 2015 sollen die Neuwagen in der Schweiz im Schnitt nur noch 130 g/km ausstossen. Geht man von einer kontinuierlichen Senkung des letzten ermittelten Werts (2011: 155 g/km) aus, bedeutet das für 2012 einen Richtwert von 149 g/km. Der Testwagen liegt mit 116 g/km deutlich darunter.

Neues CO2-Emissionsgesetz

Bis 2020 sollen die Schweizer CO2-Emissionen gegenüber 1990 um 20 Prozent sinken. Per 1. Mai 2012 gilt in der Schweiz deshalb das revidierte CO2-Gesetz für neue Personenwagen. Angewendet wird es für alle neuen PW, die ab dem 1. Juli 2012 erstmals hierzulande immatrikuliert werden. Im Jahr 2015 dürfen die neuen Personenwagen im Schnitt maximal 130 g/km an CO2 ausstossen, was einem Norm-Gesamtverbrauch von etwa 4,9 Liter Diesel bzw. rund 5,6 Liter Benzin pro 100 Kilometer für Benziner entspricht. Für Gasantriebe gelten gesonderte Bestimmungen.

Überschreitung sanktioniert

Der Wert von 130 g/km CO2 wird stufenweise eingeführt. Im Jahr 2012 müssen ihn 65 Prozent der Neuwagen, 2013 dann 75 Prozent und im Jahr darauf 80 Prozent der neuen Personenwagen erfüllen. Erreicht ein Importeur den spezifisch für ihn anhand Zielwert und Gewicht errechneten Schnitt nicht, wird die Sanktionsabgabe fällig, zum Beispiel 142,5 Franken pro Gramm ab dem vierten Gramm (1 bis 3 Gramm sind vergünstigt).

Bewertung im Migros-Magazin

Die Bewertungsgrafik im Migros-Magazin geht zwecks anschaulicherer Einstufung der Fahrzeuge von einer kontinuierlichen Senkung aus. Die Grundlage dafür ist der letzte ermittelte CO2-Durchschnitt aller Neuwagen: 155 Gramm pro Kilometer im Jahr 2011. Sinkt der CO2-Ausstoss bis zum angestrebten Ziel von 150 Gramm pro Kilometer im Jahr 2015 kontinuierlich, ergeben sich daraus unsere Zielwerte – wie etwa 149 Gramm pro Kilometer für 2012. Anhand dieses Wertes werden die von uns vorgestellten Autos im Migros-Magazin beurteilt.

Autor: Timothy Pfannkuchen