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16. Januar 2012

«Keine Brust-OP ohne Risiko»

Fünf Fragen an Claudia Meuli-Simmen (54), Präsidentin der Schweizerischen Gesellschaft für plastische, rekonstruktive und ästhetische Chirurgie.

Claudia Meuli-Simmen
Claudia Meuli-Simmen (54) ist Präsidentin der Schweizerischen Gesellschaft für plastische, rekonstruktive und ästhetische Chirurgie. (Bild: zVg.)

1. Claudia Meuli-Simmen, Ende 2011 wurden erneut fehlerhafte Silikonkissen des Implantat-Herstellers PIP zurückgerufen. Ist diese Firma ein Einzelfall?

Die PIP-Implantate sind zum Teil mit billigem Industriesilikon gefüllt. So ein Betrug ist selten. In den 90er-Jahren lagen mit Sojaöl gefüllte Implantate im Trend, eine Bioversion sozusagen. Doch das Öl verklumpte, die Hüllen rissen, die Implantate mussten wieder herausoperiert werden. Heute verwendet man in der Schweiz hauptsächlich Silikongel als Füllmaterial, und es sind allenfalls einzelne Kissen schadhaft.

2. Abgesehen vom Material – auch während der Operation lauern Gefahren. Wie schütze ich mich vor schwarzen Schafen?

Ich würde mich nur von einem Chirurgen operieren lassen, der mich über mögliche Risiken aufklärt und gründlich untersucht. Auch der Preis könnte ein Indikator sein: Ein einzelnes Silikonkissen kann in der Schweiz über 1000 Franken kosten. Wenn die Implantate und die ganze Operation für 500 Franken angeboten werden, sollte man stutzig werden. Wir empfehlen, sich nach dem Eingriff in unser Brustimplantatregister eintragen zu lassen, so wird man im Notfall schnell kontaktiert.

3. Um Kosten zu sparen, lassen sich viele Frauen die Brüste im Ausland vergrössern. Ist das immer die schlechtere Wahl?

Nein. Es gibt überall seriöse und gute Chirurgen. Trotzdem kommen immer wieder Frauen nach solchen Auslandseingriffen mit Komplikationen und ohne Informationen über das eingesetzte Implantat zu uns.

4. Wie lange hält ein Silikonkissen?

Früher waren es acht bis zwölf Jahre. Seit 20 Jahren gibt es neue, die um einiges länger halten sollen — wie lange, ist noch nicht abzusehen. Wir jedenfalls operieren nur noch bei beschädigten Kissen oder gesundheitlichen Problemen der Frau ein zweites Mal.

5. Gibt es keine schonenderen Materialien?

Nichts Bewährtes. Immerhin haben zahlreiche Studien gezeigt, dass das Krebsrisiko bei Frauen mit Silikonimplantaten nicht höher ist als im Durchschnitt der Bevölkerung. Andere Methoden, wie Brustvergrösserung durch abgesaugtes Eigenfett, sind noch nicht genug erprobt. Obwohl sich diese Variante verlockend anhört, ist aktuell klar davon abzuraten.

Achtung, Rissgefahr: Auch in der Schweiz wurden rund 280 Frauen minderwertige Silikonkissen zur Brustvergrösserung eingesetzt. Möglicherweise müssen die Kissen entfernt werden (Tages-Anzeiger, 22.12.2011)

Der Bericht: Hier lesen Sie den ganzen «Tages-Anzeiger»-Artikel zum Thema.

Autor: Evelin Hartmann