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04. Mai 2015

Kein Händchen für Pflänzchen

Die «Bohne, Bluescht & Berger»-Autorin hats nicht so mit dem Selbersäen. Zumindest nicht auf dem Fensterbrett.

Tomatensetzlinge
Tomatensetzlinge vor dem Pikieren...

«Und, gedeihen sie?», fragt mich meine Basler Freundin, mit der ich mich seit ein paar Minuten telefonisch über Job, Kinder und natürlich unsere Gärten austausche. «Sie?», frage ich etwas überrascht. Schliesslich hab ich nur ein Kind. «Na, deine Tomatensetzlinge!», sagt sie, «du hast mir doch letztes Jahr Samen von eurem riesigen Ochsenherz geschenkt!» Ihre Setzlinge seien bereits zehn Zentimeter hoch: «Deine Tipps zum Pikieren waren Gold wert.» Ich schlucke leer. Tomatensamen? Doch, da war was. Ochsenherz? Stimmt, jetzt, da sie es sagt. Aber Pikiertipps? Das muss definitiv eine Verwechslung sein.
Dazu muss man wissen (Achtung: Geständnis!), dass ich es nicht so habe mit dem Säen. Oder genauer gesagt: Ich habs nicht so mit dem Säen von Pflanzen, die erst auf dem Fensterbrett gebibäbelt, bevor sie dann pikiert werden wollen. «Pikieren» – das Wort allein lässt mich schon erschaudern: Aus welchem Grund auch immer kommt mir da nämlich jeweils ein abgeschlagener Kopf in den Sinn, der auf einer Pike steckt. Und dann der Vorgang des Pikierens selbst: feinste, eng ineinander verschlungene Sämlinge so auseinanderzupflücken und in kleine Töpfli zu platzieren, dass sie anschliessend nicht alle kopflos sind (womit wir wieder bei meiner Pike wären) – definitiv nicht mein Ding!
Mal abgesehen davon: Wenn ich ehrlich bin (Achtung, noch ein Geständnis!), habe ich es mit meinen wenigen Tomaten-selber-säe-Anläufen meist nicht einmal bis zum Pikieren geschafft: Entweder waren die Keimlinge schon vorher hinter der Fensterscheibe verbrutzelt, von der Heizung zu Tode getrocknet oder bei einer Giessaktion ersäuft worden. Oder alles miteinander.
Das Einzige, was ich drum seither auf mein Fensterbrett lasse, sind Kartoffeln: Saaterdäpfel müssen nicht gegossen werden, um auszutreiben. Und Sonne und Wärme mögen sie auch. Vor allem aber muss man sie nicht pikieren, sondern kann sie einfach so draussen verbuddeln, wenn sie denn gekeimt haben. Was ich heuer übrigens bereits erfolgreich getan habe, Blaue St. Galler, einmal mehr, der Sohnemann hat sich durchgesetzt.
«Hallo?», hör ich da meine Basler Freundin, «bist du noch dran?». «Äh, ja», sage ich, «die Tomatensetzlinge gedeihen prächtig.» Was noch nicht einmal gelogen ist: Denn irgendwo in einem netten Gewächshaus, da wachsen sie jetzt gerade, von einem Gärtner mit grünem Daumen wohltemperiert, wohl gegossen, wohl pikiert: Ochsenherz und Schwarzer Prinz, Datterini und Reisetomate und wie sie alle heissen. Und nach den Eisheiligen ziehen sie dann in meinem Gartenparadies ein. Und ja, wer Samen will, darf sich nächsten Herbst gern bei mir melden.
Was zieht Ihr auf Eurem Fensterbrett vor? Pikiert Ihr selber oder lasst Ihr wie Frau Bohnebluescht fremdpikieren? Outet Euch über einen Kommentar, oder erstellt einen eigenen Artikel inklusive Fotos.

Autor: Almut Berger

Fotograf: Almut Berger